Jäger wollen, dass Rotwild frei umherziehen darf

Haben die Rotwildbezirke ausgedient? Nach Ansicht des Vereins zur Erhaltung des Wildes und der Jagd schon. Statt „Wald vor Wild“ müsse es jetzt heißen „Wald mit Wild“. Das wird nicht alle Förster freuen.

Der Rothirsch ist – von einzelnen Wisenten und Elchen abgesehen – das größte in freier Wildbahn lebende Säugetier Deutschlands. Auch in dicht besiedelten Räumen kann Rotwild – sofern es den politischen Willen dafür gibt – einen artgerechten Lebensraum finden. Dieser Ansicht ist der Verein zur Erhaltung des Wildes und der Jagd im CIC (Conseil International de la Chasse et de la Conservation du Gibier). Rund 200 000 Stück Rotwild leben in Deutschland; zwischen 60 000 und 70 000 Stück werden jedes Jahr erlegt. „Die Jagd auf den Rothirsch ist tief in der deutschen Jagdkultur verankert“, ist der Verein überzeugt. Um den Konflikt zwischen dem Lebensraum- und Nahrungsbedarf des Rotwildes und dem Nutzungsinteresse des Menschen zu lösen, müssen sich politische Rahmenbedingungen und die Praxis sowohl von Landnutzung wie auch von Jagd ändern. Mit seinem Rotwildpapier fordert der CIC, dass die Rotwildbestände gleichermaßen jagdlich gepflegt und gehegt werden, wie alles übrige jagdbare Wild. Die Schusszeiten sollten verringert werden. Die Hauptforderung: Die Hirsche sollen wieder in allen Bundesländern frei ziehen können.

Nach der ersten Rotwildrunde in Hessen soll nunmehr die zweite für Rheinland-Pfalz festgelegt werden. Das soll bei einem Vorgespräch am 28. Januar im Opel-Zoo erfolgen. Zu diesem treffen sich der Deutsche CIC-Delegationsleiter, Wilhelm von Trott zu Solz, LJV-Präsident Michael Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtierstiftung mit weiteren Rotwildkundigen, auf Anregung von Carlo von Opel in Kronberg.

Mit Vertretern der Gesetzgebung seien bereits erste Gespräche geführt worden. Die Ergebnisse werden wohl auch Gesprächsthema sein, wenn der CIC am 5. März zur Frühjahrstagung im Opel-Zoo zusammenkommt.

Der CIC hält es für nicht mehr zeitgemäß, das Rotwild in seinem Lebensraum zu beschränken, und fordert daher, dass sich der Rothirsch seinen Lebensraum selbst suchen darf. Die Rotwildbezirke in Deutschland sind aufzuheben.

Darüber hinaus wandere männliches Rotwild zur Brunft oft über viele Kilometer und junge Individuen erschließen sich neue Lebensräume. Dies alles dient dem genetischen Austausch der Tiere. Doch Wanderbewegungen werden durch Autobahnen, Bahntrassen und Kanäle oft unterbunden.

Daher fordert der CIC Querungshilfen unter anderem über Autobahnen an allen bekannten Wechseln, die Wanderbewegungen dieser großräumig lebenden Wildart ermöglichen.

Politisch dürfe der Waldnutzung kein Vorrang vor dem Lebensrecht des Rotwildes eingeräumt werden. „Wald vor Wild“ sei als politisches Dogma aus den Landesgesetzen zu streichen. Das politische Leitbild im Zeichen der Nachhaltigkeit sollte daher „Wald mit Wild“ heißen, fordert der Verein, der auch Forderungen an die Jäger richtet: kürzere aktive Jagdzeit auf Rotwild und keine Jagd auf Rotwild zur Nachtzeit etwa. Auch solle Rotwild an Wildäsungsflächen nicht mehr gejagt werden. Und es sollten Ruhezonen für Rotwild eingerichtet werden.

Und der Verein fordert: „Das Rotwild muss für Naturfreunde erlebbar werden!“

(red)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare