Kultur im Taunus

Das ist das Jahresprogramm der Kronberg Academy

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Musiker leben nicht im Elfenbeinturm, sondern sind Teil des Weltgeschehens. Exil, Flucht, Vertreibung – mit diesen Themen setzt sich das Kronberg Academy Festival auseinander.

Wer das aktuell erschienene Programmheft aufschlägt, in dem die Kronberg Academy auf die Veranstaltungen des Jahres blickt, bleibt unweigerlich an dem Titel des Kronberg Academy Festivals hängen: „In eine neue Welt“. Vom 30. September bis 3. Oktober finden Konzerte statt, die die Verantwortlichen so unterschiedlichen Überschriften zuordnen wie: „In einer anderen Welt“, „Vertrieben und gestrandet“ oder: „Auf der Flucht.“ Dabei geht es um die Erfahrung des Exils, die viele Komponisten vor allem im 20. Jahrhundert machen mussten.

Wer sich in eine neue Welt entführen lässt, wer bereit ist, sie zu entdecken, wird sie als Inspirationsquelle erleben. Wer in eine neue Welt fliehen muss, weil die alte, geliebte Welt nicht mehr sicher ist, wird zurückblicken. Dann dominieren Wehmut und Schmerz. Es sind genau diese beiden Pole, zwischen denen sich das Kronberg Academy Festival vom 28. September bis 3. Oktober 2017 bewegt.

Das Konzept und der Titel sei als Statement in der heutigen Zeit zu verstehen, sagt der Künstlerische Leiter Raimund Trenkler. Und: „Es geht um die Themen Flucht, Heimat und Heimatlosigkeit, Mitmenschlichkeit, aber auch Demokratie.“ Für ihn steht fest: „Musik ist etwas zutiefst Demokratisches.“ Und hat viel mit Respekt und Toleranz zu tun.

„Flucht, Exil und Heimatlosigkeit ist bei Musikern schon immer ein großes Thema gewesen, auch bei unseren Künstlern wie Rostropovich, Kremer, Geringas und Maisky. Und ist uns sehr nah“, so Trenkler weiter. Es sei ein Irrtum zu glauben, Musiker befänden sich in einem „Elfenbeinturm“.

Das Festival, zu dem auch Konzerte in Frankfurt gehören, wolle Flucht und Neuanfang durch Musik „spürbar“ machen. „Wir glauben fest daran, dass Musik eine Kraft ist, die etwas bewegen kann. Und wenn nicht gleich in der Welt bewegen – dann kann sie zumindest etwas in uns bewegen – etwas erzählen, das nicht anders erzählt werden kann. Das treffe vor allem auf Stimmungen und Gefühle wie Glück, Verzweiflung, Sehnsucht oder sogar Angst zu.

Trenkler: „In der heutigen Zeit ist es doch so wichtig, dass man sich in Menschen hineinversetzt, dass man versteht.“

Etwas ganz Besonderes ist für Samstag 30. September, geplant: Von 22 Uhr an erfolgt unter dem Motto „Gipsy“ ein Auftritt von Sárközy Lájos und Band. „Die Kronberg Academy plant, das Areal, auf dem die Kronberg Academy in Zukunft stehen wird, schon mit in das Festival einzubeziehen“, erklärt Trenkler.. Wo und Wie? „Lassen Sie sich überraschen.“

Bei den Kammermusik-Workshops unter dem Motto „Mit Musik – Miteinander“ von der Crespo Foundation ist lauschen und mitlernen erwünscht. Vom 31. März bis 2. April wird die 30. Ausgabe des dynamischen Projekts gefeiert, bei dem junge Musiker mit Konzerterfahrung gemeinsam mit talentierten Jugendlichen Werke der Kammermusik erarbeiten. Vom 27. bis 29. Oktober gibt es erneut einen Besuch von Preisträgern von Jugendmusikwettbewerben aus dem deutschsprachigen Raum.

Die nächste Veranstaltung der Academy folgt am 27. April, dem zehnten Todestag von Mstislav Rostropovich. Die „Welthauptstadt des Cellos“, nämlich das pittoreske Taunusstädtchen Kronberg, wird dem großen Cellisten und Dirigenten Mstislav Rostropovich wieder große Ehre machen.

Ganz im Sinne von „Slava“ werden der renommierte Cellist Gary Hoffman und der Nachwuchscellist und junge Solist der Kronberg Academy, Aleksey Shadrin, das diesjährige Benefizkonzert zugunsten der in Kronberg ansässigen Rostropovich Cello Foundation gestalten.

Die diesjährigen Geigen-Meisterkurse und -Konzerte wird Gidon Kremer eröffnen. Er ist davon überzeugt, dass die Generationen voneinander lernen können.

Am 11. Mai können sie die Zuhörer davon überzeugen, wie bewegend so ein generationenübergreifendes Zusammenspiel sein kann. Dann konzertiert der Spitzengeiger zusammen mit der Alumna der Kronberg Academy, der Cellistin Marie-Elisabeth Hecker. Bis zum 18. Mai können Geigenstudenten und Musikbegeisterte tagsüber großen Geigenpädagogen beim öffentlichen Unterricht über die Schulter gucken, während sich abends die Geige von allen Seiten zeigt: im kunstvollen Rollentausch mit den Dozenten Ana Chumachenco, Miriam Fried, Mihaela Martin und Boris Kuschnir, überraschend anders mit dem Geiger Gilles Apap und der Ethno Jazz Band „Meduoteran“, aufregend jung mit den Zukunftsgeigern der Kronberg Academy und voller Emotionen mit dem Abschlusskonzert der Meisterschüler.

Das ausführliche musikalische Jahresprogramm ist auf der Homepage der Kronberg Academy unter zu finden. Für das Benefizkonzert am 27. April und die Konzerte der Geigen-Meisterkurse hat der Kartenvorverkauf bereits begonnen, für das Kronberg Academy Festival beginnt er am 5. April. Konzertkarten sind montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr telefonisch unter (06173) 78 33 77 oder im Kartenbüro, Friedrich-Ebert-Straße 6 erhältlich. Karten können auch per E-Mail an karten@kronbergacademy.de oder unter bestellt werden.

(öp)

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