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Zur Sondersitzung des Parlaments waren viele Zuhörer gekommen. Sie nahmen auf der Treppe Platz.

Zustimmung für Konzertsaal

Ja zu „Jahrhundert-Projekt“

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Die Mehrheit der Stadtverordneten – große Koalition aus CDU und SPD mit Unterstützung der UGB – hat dem B-Plan zu Hotel und Kammermusiksaal am Bahnhof zugestimmt. Die Kritiker des Projekts (Grüne und KfB) unterlagen. Die FDP enthielt sich.

Eine deutliche Mehrheit der Kronberger Stadtverordneten hat am Montagabend für den Bebauungsplan am Bahnhof gestimmt und damit Planungsrecht für den Kammermusiksaal, das Studien- und Verwaltungszentrum der Kronberg Academy sowie das Businesshotel von Projektentwickler Contraco geschaffen. Es war eine richtungsweisende Entscheidung – und auch sonst war es ein besonderer Abend: Viele Interessierte Kronberger waren in das Rathaus gekommen, die wenigen Stühle waren rasch besetzt. Interessierte drängten sich auf der hölzernen Treppe.

Gekommen waren Befürworter und Gegner des Projektes – und diesmal gaben die Befürworter den Ton an. Das brachte ihnen den „freundlich gemeinten Hinweis“ von Karlheinz Graeber (CDU) ein, dass nach dem Gesetz keine Einflussnahme der Zuhörer auf die Mandatsträger durch Missfallens- und Beifallsbekundungen zulässig sei. Graeber hatte während der Aussprache die Sitzungsleitung inne, weil der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Christoph König (SPD) in der Debatte das Wort ergreifen wollte. Die Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Hasselmann (CDU) fehlte an diesem Tag.

Der Applaus brandete das erste Mal auf, nachdem Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) seine Rede geschlossen und die „lieben Kronberger“ darauf hingewiesen hatte, dass nun der Zeitpunkt der Entscheidung gekommen sei. „Besonders viel Mut braucht es hierzu nicht, denn ein inhaltlich und gestalterisch besseres Projekt als das vorliegende mit seinem Bahnhofsplatz, mit dem Hotel, dem Studienzentrum und dem Kammermusiksaal werden Sie nicht bekommen, auch nicht in fünf oder zehn Jahren.“ Eine Veränderung an dieser Stelle am Bahnhof sei kein Wagnis.

Das zweite Mal wurde auch von den Rängen aus applaudiert, als König, jetzt wieder als Sitzungsleiter, das Ergebnis der namentlichen Abstimmung verkündete: 21 Abgeordnete, die von CDU, SPD und UBG, hatten für den Beschlussvorschlag votiert, 7 (Grüne und KfB) dagegen, die FDP hatte sich zu einer Enthaltung durchgerungen. Das war übrigens die größte Überraschung an diesem Abend. Fraktionschef Volker Stumm: „Wir haben dieses Kronberger Jahrhundert-Projekt – dieses grundsätzlich gelungene Ensemble aus Kammermusiksaal, Studienzentrum und Hotel – von Anbeginn mit Begeisterung und Herzblut unterstützt.“ Umso mehr nehme er es CDU und SPD persönlich übel, dass es der FDP unmöglich gemacht worden sei, für das Projekt zu stimmen. Sein Vorwurf: Die große Koalition sei auf den Wunsch nach „einer spürbaren Höhenbegrenzung“ mit der für sie „typischen Macht-Arroganz“ nicht eingegangen. Doch ein negatives Signal gegen das Gesamt-Projekt wollten die Liberalen nicht setzen.

Wie die FDP hätten sich auch KfB und Grüne eine Abstimmung nach der Wahl gewünscht. Udo Keil, Fraktionsvize der Grünen, warf der Koalition vor, den Satzungsbeschluss, einen der wohl wichtigsten Beschlüsse, die das Parlament in den letzten Jahren zu treffen hatte, durchdrücken zu wollen. Keil kritisierte, dass die Machbarkeitsstudie für das Hotel aus dem Jahr 2008 stamme. Mittlerweile habe sich die Welt weitergedreht. Investoren hätten aktuell vielleicht ein Interesse an Immobilien. Doch wenn die Blase platze, stünde eine 20 Meter hohe Investitionsruine am Bahnhof. Zudem schloss sich Keil der Kritik der Umweltorganisation BUND an, die den Ausgleich für die 100 Bäume, die gefällt werden sollen (darunter eine 324 Jahr alte Esskastanie und ein stattlicher Mammutbaum) als unzureichend bezeichnet hatte.

KfB-Fraktionschefin Dr. Heide-Margaret Esen-Baur formulierte ihre Kritik so: „Aus der Planung für ein Hotel am Bahnhof wurde innerhalb von nur zweieinhalb Jahren eine Planung für eine Verschmelzung von Großprojekten, die einer Großstadt wie Frankfurt vielleicht angemessen wäre, auf keinen Fall aber dieser Stadt und schon gar nicht auf dieser Fläche. Es ist ein Jahrhundertprojekt, das nicht zu Kronberg passt.“

UBG-Fraktionschef Oliver Schneider warf der KfB „Klientelpolitik per excellence zum Verdruss der Mehrheit vor“ und forderte endlich eine Entscheidung.

SPD-Mann König machte deutlich, dass eine Verschiebung der Entscheidung den Ruf der Stadt als seriöser Verhandlungspartner gefährden würde. Andererseits bestehe die Chance, aus einer vernachlässigten Brache mit einem rostigen Parkdeck ein ansprechendes Entree zu schaffen und Impulse für den Tourismus zu setzen. CDU-Stadtverordnete Claudia Gruchow hob als Architektin den Wettbewerb hervor, an dem sich international renommierte Architekten beteiligt hatten. Eine Fachjury und die beteiligten Politiker aller Fraktionen hätten einstimmig den Siegerentwurf von Volker Staab unterstützt. Ihr Parteifreund Prof. Helfried Moosbrugger, bekennender Fan der Academy, holte weit aus, um dann zu sagen, dass der Konzertsaal ein Geschenk für Kronberg sei.

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