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Raimund Trenkler von der Kronberg Academy bei der Einführung ins neue TONALi-Projekt.

Alte Musik

Klassik macht Schule

Klassik ist out? Nicht für die Schüler der drei Taunus-Schulen, die an der Klassik-Academy in Kronberg teilnehmen. Gemeinsam organisieren sie in den nächsten Monaten Cello-Konzerte an ihren Schulen.

Von EVA KATERNBERG

Jugendliche sind eher selten in einem klassischen Konzert zu finden. „Der Altersdurchschnitt liegt bei über sechzig“, berichtet Amadeus Templetone. Gemeinsam mit seiner Kollegin Lea Gollnast reist er deswegen mit der TONALi-Tour durch Deutschland und bringt jungen Menschen vergangene musikalische Epochen wieder näher. Doch dabei geht es nicht darum, trockene Vorträge zu halten, in denen die Schüler alles mitschreiben müssen. Nein, bei dem Hamburger Projekt werden Schüler ab der achten Klasse ins Kultur- und Projektmanagement eines Konzerts mit einbezogen. „Somit bewegen wir uns weg vom Konsum und hin zur Produktion“, erklärt Templetone.

In diesem Jahr kooperiert die Kronberg Academy, Ausbildungsinstitution für Violine, Viola und Cello, zum ersten Mal mit der Tour. „Wir haben lange beobachtet, wie sich das Projekt in Hamburg entwickelt, und waren sehr beeindruckt, dass die Schüler über das Projektmanagement so gut eingebunden wurden“, erzählt Mareile Zürcher, verantwortlich für Veranstaltungen bei der Kronberg Academy. „Die Arbeit mit den Schulen klappt total gut“, bestätigt auch Lea Gollnast, „und die Konzerte sind immer etwas sehr Besonderes.“

Während der Projektphase, die sich bis in den frühen Herbst hineinzieht, sollen die Schüler als „Schülermanager“ die komplette Organisation eines Konzerts an ihrer Schule übernehmen – von der Raumorganisation über die Werbung bis hin zur Künstlerbetreuung und Moderation am Konzertabend. Dafür hat jede Schule einen Cello-Studenten als Partner bekommen, der als Solist für den Auftritt zur Verfügung steht. Die Frankfurt International School aus Oberursel kann sich dabei über die 18-jährige Hayoung Choi freuen. Schulorchesterleiterin Julie Borsodi erzählt: „Wir sind schon sehr gespannt auf ihr Konzert.“

Die zwölf Schüler der Altkönigschule aus Kronberg bekommen Anastasia Kobekina als Partnerin. Die 22-jährige Cellistin hat im letzten Jahr den TONALi-Wettbewerb gewonnen und studiert wie die beiden anderen Musiker an der Kronberg Academy. „Es macht uns Spaß, etwas Schönes für die Künstlerin zu organisieren“, erklärt Aline Palamides (15) ihre Motivation. Die ebenfalls 15-jährige Lilia Prahse freut sich vor allem auf den Management-Teil: „Ich wollte schon immer so etwas organisieren und habe auch schon so manche Idee.“

Für Heiterkeit sorgt die Zuteilung des einzigen männlichen Künstlers Benedict Kloeckner an die Königsteiner Mädchenschule St. Angela. Der 27 Jahre alte Cellist wird von nun an der Hahn im Korb sein. Als einziger Solist ist er beim Workshop, der den Teilnehmern einen ersten Einblick ins Projektmanagement bietet, dabei und gibt den Schülerinnen schon einmal einen Eindruck von seinem Können. Mit geschlossenen Augen spielt er das Präludium aus der 6. Cello-Suite von Bach. Victoria Erschens glaubt bereits jetzt, dass das Konzert an ihrer Schule ein Erfolg wird. „Wir sind eine sehr musikalische Schule“, sagt sie. Auch die Organisation müsste ihrer Meinung nach funktionieren: „Unser Musik-LK hat schon einmal das Konzert eines Kammermusikorchesters geplant.“

Ganz ohne Anreiz geht es dann aber doch nicht. Die Schule, die während der Projektzeit die meisten Karten für das Auftaktkonzert der „Cello Meisterkurse & Konzerte“ am 27. September, bei dem alle drei Solisten gemeinsam auftreten, an ihre Mitschüler verkauft, erhält einen Preis: eine Führung durch die hr2-Studios und eine öffentliche Probe mit dem hr-Sinfonieorchester. „Unser Ziel ist, den Saal voller junger Menschen zu haben“, sagt Amadeus Templetone.

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