Gestohlene Kunstwerke kehren nach Kronberg zurück

Kleine Bilder, große Geste

Zwei Kunstwerke, die amerikanische Soldaten in der Besatzungszeit aus Schloss Friedrichshof gestohlen haben, werden bald in Kronberg zu sehen sein.

Die beiden Bilder sind kleinformatig, doch die Geste ist groß: 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs werden zwei Gemälde nach Kronberg zurückkommen, die aus dem Schloss Friedrichshof, in dem sich heute das Schlosshotel befindet, stammen. Die Bilder sind aus der Sammlung von Kaiserin Friedrich, der Urgroßmutter von Landgraf Donatus von Hessen, Chef des Hauses und Geschäftsführer der Hessischen Hausstiftung.

Ein Bild zeigt ein Dreifach-Porträt des englischen Königs Charles I. Dabei handelt es sich um eine Kopie. Laut Pressemitteilung der Hessischen Hausstiftung ist nicht bekannt, ob Victoria die Kopie in Auftrag gegeben hat, oder ob sie sie von ihrer Mutter, Queen Victoria, geschenkt bekommen hat. Das zweite Bild zeigt die beiden in Form einer „kleinformatigen Madonnendarstellung im Renaissance-Stil“.

Die US-Truppen hatten die Residenz als Offiziersklub genutzt. Die beiden Bilder waren gestohlen worden und hätten Deutschland nicht verlassen dürfen. Sie gehören zu insgesamt fünf Bildern, die nun von der „Monuments Men“-Stiftung an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben worden sind.

Die „Monuments Men“ waren eine US-Spezialeinheit, die im Zweiten Weltkrieg zum Schutz von Kunstgut eingesetzt wurde. Stiftungsgründer Robert Edsel hatte den Ruhm des Hollywood-Films „Monuments Men“ mit George Clooney genutzt, um US-Bürger aufzurufen, Kunstwerke mit zweifelhaftem Ursprung zu melden. Auch Mike Holland aus dem US-Bundesstaat Montana wählte im vergangenen Jahr die Nummer der extra eingerichteten Hotline.

In einem Schließfach seiner Familie lagen zwei Ölbilder aus dem Erbe seiner Tante Margaret Reeb, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Bibliothekarin in Diensten der US-Besatzungstruppen in Deutschland gestanden hatte. „Wir wissen nicht, von wem sie die erworben hat oder was sie dafür bezahlt hat“, sagte Mikes Bruder Randy bei der Zeremonie im US-Außenministerium, die aus Anlass der Übergabe stattfand. „Als wir herausgefunden haben, dass diese Dinge gestohlen wurden, hat es sich nicht richtig angefühlt, sie zu behalten“, sagte Randy Holland. „Egal, wie wertvoll sie sind.“

Landgraf Donatus von Hessen, sprach von einem „leuchtenden Beispiel dafür, wie man ethisch vorbildlich mit Kriegsbeute auch 70 Jahre nach Kriegsende umgehen sollte“. Robert Edsel war bereits vor einigen Monaten in Kronberg gewesen und hatte mit dem Landgrafen die geplante Übergabe in Washington und die anschließende Rückführung besprochen.

Derzeit laufen Verhandlungen mit einer Firma für Spezialtransporte, um die Bilder nach Deutschland zu holen. Bis der Transport beginnt, werden die Bilder in der deutschen Botschaft in Washington bleiben. Sie wollen an repräsentativer Stelle im Schlosshotel gezeigt werden. Von Juni bis September sollen sie in Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda ausgestellt werden, bevor sie wieder im Schlosshotel aufgehängt werden.

Als er die Nachricht von der Rückgabe der Bilder im Radio hörte, habe er eine Gänsehaut bekommen, sagte Kronbergs Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) auf Anfrage unserer Zeitung. Die ganze Geschichte sei „hoch interessant“ – gerade jetzt, 70 Jahre nach Ende des Krieges.

(öp,afp,dpa)

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