Städtebaulicher Vertrag

Königsweg oder Sackgasse im Zoo-Dilemma?

Für Fans des gepflegten Schauerns ist heute der Tag der Tage: Es ist Halloween. Und pünktlich dazu meldet sich ein „Wiedergänger“ zurück, bei dessen Namensnennung es dem einen oder anderen Kommunalpolitiker schon kalt den Rücken herunterläuft. Der „Philosophenweg“ ist wieder da und er hat seinen gruseligen Partner „Das Parken am Opel-Zoo“ gleich mitgebracht. Ein städtebaulicher Vertrag soll beiden den Schrecken nehmen.

Die Mitglieder des Mammolshainer Ortsbeirates waren die ersten, denen am Montagabend der vermutlich nicht gute, aber alte Bekannte wiederbegegnete. Sehr kurzfristig war da noch der Punkt „Einstellung des Verfahrens“ zur Änderung des Bebauungsplans M9 Opel-Zoo auf der Tagesordnung gelandet.

Vermeintlich eine Formalie. Schließlich schien das Änderungsverfahren ohnehin obsolet, nachdem die Kronberger Stadtverordneten im November 2015 einen Alleingang in Sachen B-Plan beschlossen und damit die Königsteiner Kollegen auf die Barrikaden gebracht hatten. Danach war es zumindest auf dem politischen Parkett ruhiger geworden. Offensichtlich wollten beide Seiten nicht noch mehr Öl in ein Feuer gießen, das ohnehin gleich mächtige Funken schlägt, wenn nur die Rede darauf kommt.

Der Wunsch des Opel-Zoos, den bislang öffentlichen sogenannten Philosophenweg, der den Tierpark in zwei Hälften teilt, zu schließen, ist ein in Kronberg wie auch in Königstein heiß diskutiertes Thema von fast schon historischer Dimension. Kritiker pochen vehement darauf, den Weg offenzuhalten und weisen mit Nachdruck darauf hin, dass der Gründer des Opel-Zoos, Georg von Opel, das Tal vor über 60 Jahren unrechtmäßig okkupiert habe.

Ein weiteres Streitthema, das in jüngerer Vergangenheit zunehmend in den Fokus gerückt ist, ist die Nutzung der Wiesen zwischen dem Opel-Zoo und dem Mammolshainer Waldrand als Ausweichparkfläche an besonders Besucherreichen Tagen. Vor allem Königsteiner Umweltschützer betonen immer wieder den ökologischen Wert der Wiesen und fordern den Bau eines Parkdecks auf den bereits vorhandenen Stellflächen des Tierparks. Dessen Verantwortliche, allen voran Zoodirektor Thomas Kauffels, werden ihrerseits nicht müde, darauf hinzuweisen, dass der Bau eines Parkdecks für maximal fünf bis sechs Tage im Jahr, an denen die vorhandenen Parkplätze nicht ausreichen, doch unverhältnismäßig sei.

„Kein Selbstläufer“

Eine mutmaßlich verfahrene Situation, in die ein städtebaulicher Vertrag Bewegung bringen soll. Den haben die Verantwortlichen im Kronberger sowie im Königsteiner Rathaus gemeinsam mit dem Träger des Tierparks, der „von Opel Hessische Zoostiftung“, in den vergangenen Monaten ausgehandelt und jetzt in die städtischen Gremien gegeben. Den Anfang machte dabei jetzt die Stadt Königstein im Ortsbeirat.

„Das wird kein Selbstläufer“, hatte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) schon vor dem Einstieg in die Beratungen prognostiziert. Zu lange ist er schon im Amt und zu lange mit dem „Philosophenweg“ beschäftigt, als dass er nicht wüsste, dass der jetzt vorliegende Vertragsentwurf in Sachen „Opel-Zoo“ von den kurstädtischen Gremien nicht mal eben im Vorübergehen abgenickt wird.

Der Königsteiner Rathauschef macht selbst auch keinen Hehl daraus, dass es sicher nicht das Maximum sei, das man habe für Königstein in den Verhandlungen herausholen können. Aber da gehe es den beiden anderen Partnern – der Stadt Kronberg und dem Opel-Zoo – nicht besser. Das sei nunmal das Wesen eines Kompromisses.

Letztlich jedoch halte er die Lösung, die man für den Philosophenweg gefunden habe, durchaus für gangbar. Zumindest für die Kronberger und Königsteiner. Und um die müsse es hier vornehmlich gehen. Die Gewährung einer halbstündigen Frist für die Bürger beider Städte zur kostenfreien Passage des Philosophenweges von Ost nach West oder umgekehrt, sei durchaus als „großes Entgegenkommen“ des Zoos zu werten, wenn man dazu addiere, dass Kronbergern wie Königsteinern die Möglichkeit erhalten sollen, sich Jahreskarten für den Tierpark zum halben Preis zu kaufen.

Schwieriger, das weiß auch Helm, wird es beim Thema „Parken“. Zwar sei er zufrieden, dass die Option des Baus eines Parkdecks Aufnahme in den Vertrag gefunden habe. Allerdings könne man den Tierpark eben auch nicht zur Errichtung zwingen. Er könne durchaus verstehen, dass die Verantwortlichen des ohne öffentliche Mittel finanzierten Tierparks ein solches Investment scheuen, wäre das Parkdeck doch vermutlich an den meisten Tagen des Jahres kaum ausgelastet.

Wenn man jetzt einerseits gestatte, die bisherigen Behelfsparkplätze mit Rasengittersteinen zu befestige, und andererseits dem Wildparken in den Wiesen oberhalb einen Riegel vorschiebe, könnte das eine Lösung bringen. Lieber, so Helm, wäre ihm die Nutzung von Synergieeffekte, zum Beispiel durch das Einbeziehen von Parkflächen in Kronberg und Königstein. Allerdings liege der Opel-Zoo eben doch so weit weg von beiden Orten, dass eine fußläufige Anbindung kaum möglich sei. Eine Shuttle-Lösung könne da weiterhin eine Option sein.

„Für beide Städte ist das die beste Lösung“, zeigt sich Kronbergs Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) zufrieden mit dem Kompromiss. Für den Zoo sei die Regelung, dass der Philosophenweg weiter begehbar bleibe, ohne Eintritt zu bezahlen, sicher mit einem Zähneknirschen verbunden, räumt er ein. Aus Sicht der Kronberger Bürger sei die Durchgangsregelung innerhalb einer gewissen Zeitspanne aber der Hauptvorteil.

Zugeständnisse gemacht

Eine astreine Win-Win-Situation ist jedoch aus Kronberger Sicht nicht entstanden. Dafür sorgt ein Zugeständnis, dass man Königstein gemacht hat. Siedler nennt hier das umstrittene Parkdeck, das Kronberg bislang aus ökologischen Gründen auch als Option abgelehnt hat. Jetzt gebe es ein Baufenster, wie es Siedler ausdrückt, ohne dass damit die Forderung nach einer Umsetzung verbunden sei. In anderen Worten: Das Parkdeck soll nur gebaut werden, wenn die Besucherzahl und das Verkehrsaufkommen in Zukunft größer wird. Konkrete Zahlen und ein Zeitraum seien nicht genannt, die Regelung sei allgemein gehalten, sagte Siedler. „Das wird weiterhin zu beobachten sein.

Um die Parksituation zu entlasten wolle man die Parkfläche auf der Wiese in der Talniederung Richtung Mammolshain wassergebunden befestigen.

Was die politische Umsetzbarkeit betrifft, zeigt sich Siedler vorsichtig optimistisch. „Noch ist das politisch nicht abgesegnet. In Kronberg werde die Vereinbarung am 5. November im Magistrat behandelt. Siedler: „Ich bin guter Hoffnung, dass das durchgeht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare