Gertrud Zubrod zeigt Jasmin Berghaus, die ihr über die Schulter guckt, auf dem neuen Tablet Bilder ihrer Urenkelchen.
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Gertrud Zubrod zeigt Jasmin Berghaus, die ihr über die Schulter guckt, auf dem neuen Tablet Bilder ihrer Urenkelchen.

Tablets für Kronberger Senioren

Kontakt halten auch in Krisenzeiten

  • vonBoris Schöppner
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Digitalministerin Sinemus übergibt Tablets im Kaiserin-Friedrich-Haus.

Kronberg -Jeden Morgen um 9 Uhr bekommt Gertrud Zubrod einen Anruf von ihrer Tochter. Immer sonntags ruft sie der Sohn an. Der Kontakt war lange Zeit während der Corona-Pandemie überhaupt nur telefonisch möglich, denn aus Angst vor Infektionen in Einrichtungen wie dem Kaiserin-Friedrich-Haus blieben die Türen für Besucher und ehrenamtliche Helfer zu.

In diese Zeit fiel auch der 90. Geburtstag von Gertrud Zubrod. Ein Fest ohne Besuch, aber mit einer tollen Überraschung! Ihre Familie, zu der neben zwei Kindern vier Enkel und vier Urenkel zählen, hat ein Video für sie gedreht. Und da die Familie unter anderem in Norwegen wohnt, wurde der Film ein internationaler Beitrag. Schon damals kam die Jubilarin in den Genuss eines Tablets, eines leichten Kleincomputers also, auf dem viele Apps (Applikationen) laufen, der gut in der Hand gehalten werden kann und der ein großes Display hat.

Die Handhabung ist recht einfach, und Gertrud Zubrod gelingt es, durch die Galerie mit den Bildern von ihren Urenkeln zu manövrieren. Klappt mal etwas nicht, steht ihr Jasmin Berghaus, die Leiterin Soziale Dienste in der Einrichtung des DRK Hochtaunus, zur Seite. Die beiden halten eines der 16 vom Land Hessen zur Verfügung gestellten Tablets in der Hand, die gestern Vormittag von Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus zusammen mit Landrat Ulrich Krebs und dem Ersten Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr an den DRK Hochtaunus überreicht wurden.

Insgesamt hat die Hessische Landesregierung 10 000 Tablets zur Verfügung gestellt. "In den vergangenen Monaten hatten viele von uns mit dem Gefühl der Einsamkeit zu kämpfen. Sicherlich haben auch einige Senioren hier in Kronberg sehr darunter gelitten, dass sie keinen Besuch von Angehörigen erhalten konnten", führte die Ministerin aus.

Landrat Krebs und Erster Kreisbeigeordneter Schorr (beide CDU) würdigen das Engagement des Landes: "Das Gefühl der Einsamkeit kann schwere Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche haben. Besonders ältere Menschen haben es in den vergangenen Monaten während der Corona-Krise nicht leicht gehabt. Damit sie trotz des Abstandes weiter Kontakt zu Familie und Freunden haben können, stellen wir den Bewohnern in den Alten- und Pflegeheimen Tablets zur Verfügung, die vom Landkreis verteilt werden."

Es gehe, betonte Landrat Krebs, um die soziale und kulturelle Teilhabe am Leben. Die Tablets seien technische Hilfsmittel dazu. Jürgen Banzer, Vorsitzender des DRK Hochtaunus und Landtagsabgeordneter, und Geschäftsführer Axel Bangert nahmen die Tablets entgegen.

"Digitalisierung muss den Menschen dienen"

Bei der Übergabe unterstrich die Ministerin, dass die aktuelle Krise deutlich gemacht habe, wie wichtig eine funktionierende digitale Infrastruktur für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Interaktion geworden sei. "Die hessische Landesregierung möchte mit den überreichten Tablets aktiv helfen. Digitalisierung muss den Menschen dienen und nicht umgekehrt", sagte Sinemus.

Mittlerweile darf Gertrud Zubrod, wie die anderen Bewohner des Kaiserin-Friedrich-Haus auch, dreimal in der Woche jeweils eine Stunde lang Besuch im Haus empfangen. "Das ist schon eine Erleichterung", sagt die Seniorin, die vor 90 Jahren just in dem Krankenhaus zur Welt kam, das dort stand, wo jetzt das DRK-Alten- und Pflegeheim steht.

Noch immer sind nicht alle gemeinschaftlichen Aktivitäten möglich, auch wenn es im Außenbereichs des Alten- und Pflegeheims Gottesdienste und kleine Konzerte sowie Termine für die Bewegungsgruppe gibt. So bleibt den Menschen viel Zeit, in ihren Wohngruppen zu verbringen und etwa gemeinsam zu spielen. In der Wohngruppe von Gertrud Zubrod ist derzeit Rummikub angesagt.

Die Tablets sollen helfen - etwa per Videotelefonie - den Kontakt zu den Angehörigen zu erleichtern. Mit ihnen können aber auch Videos und Hörspiele abgespielt werden. von Boris Schöppner

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