Das Auftragswerk von Birke Jasmin Bertelsmeier, die "Partita für Violine solo", wird am Freitag, 1. Oktober, in der Johanniskirche beim Kronberg Academy-Festival "Frau Macht Musik" uraufgeführt.
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Das Auftragswerk von Birke Jasmin Bertelsmeier, die "Partita für Violine solo", wird am Freitag, 1. Oktober, in der Johanniskirche beim Kronberg Academy-Festival "Frau Macht Musik" uraufgeführt.

Musik-Frauen

Kronberg Academy: Festival im Zeichen weiblicher Musikschaffender

  • VonBoris Schöppner
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Mit den Rollen von und den Umgang mit Frauen in der Musik beschäftigt sich die Academy. Die Komponistin Birke Jasmin Bertelsmeier wünscht sich mehr Professorinnen.

Kronberg -Heute beginnt das Festival "Frau Macht Musik" der Kronberg Academy. Bis zum 3. Oktober soll den Fragen nachgegangen werden, welche Rollen Frauen in der Musikwelt spielen und was sie dort - im doppelten Wortsinne - zu sagen haben. Wir haben der Komponistin Birke Jasmin Bertelsmeier, Jahrgang 1981, einige Fragen zur Situation der Frauen im Musikbusiness gestellt. Ihr Auftragswerk für die Academy, die "Partita für Violine solo", wird am Freitag, 1. Oktober, in der Johanniskirche uraufgeführt. Beginn ist um 18 Uhr.

Mit Früherziehung, Klavier und Geige begann ihr musikalischer Werdegang. "Der Wunsch, Werke freier wiederzugeben oder zu improvisieren, führte zu den ersten Kompositionen", erinnert sich Birke Bertelsmeier. Erste Werke entstanden, als sie etwa acht Jahre alt war. Mit zehn Jahren besuchte sie die Kompositionsklasse von David Graham, der ihr half, ihre Werke uraufzuführen.

Nach der Schule begann Birke Bertelsmeier mit ihrem Klavierstudium bei Pavel Gililov in Köln und kurze Zeit später ihr Kompositionsstudium bei Wolfgang Rihm. Es folgten unter anderem ein Aufenthaltsstipendium im Herrenhaus Edenkoben, die Teilnahme an Förderprojekten der Ernst von Siemens Musikstiftung, die Verleihung des Schneider-Schott-Musikpreis und ein Aufenthalt bei der Deutschen Akademie in der Villa Massimo in Rom und viele, viele Aufführungen ihrer Werke.

"Es gibt zahlreiche Komponisten - besonders in Deutschland. Und viele davon sind Frauen", stellt die Berlinerin fest. Aber es gebe kaum Professorinnen. In der Welt der Musik stießen Frauen auf die gleichen Probleme wie in anderen Branchen auch. "Verbrüderungen und Freundschaften spielen bei der Karriere oft eine größere Rolle als Können oder Kreativität. Wenn es in einem Bereich mehr Männer in führenden Positionen gibt, werden es die Männer wahrscheinlich auch dort leichter haben", ist Bertelsmeier überzeugt. Andererseits: "Wenn eine junge Frau mit einem älteren erfolgreichen Mann befreundet ist, erzeugt es eher Argwohn."

Zudem sei es für Frauen viel schwieriger, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. "Männer können eben noch keine Kinder bekommen oder diese stillen. Die Bindung der Kinder zu den Müttern ist meistens viel intensiver. Deshalb wird Männern diese Frage wahrscheinlich nie gestellt. Johann Sebastian Bach hatte ja circa 20 Kinder, und Clara Schumann hatte auch ein paar."

Nicht selten würden andere Kriterien als die Überzeugungskraft und Qualität des Werkes entscheiden, sagt Bertelsmeier. Bei ausführenden Musiker spiele das Aussehen eine größere Rolle, als bei den versteckt arbeitenden Komponisten.

Opfer ziehen es vor

zu schweigen

War die Me-too-Debatte im Bereich der klassischen Musik ein Thema? "Ja", sagt die mehrfach ausgezeichnete Komponistin. Sie hält die Me-too-Debatte für "ein zweischneidiges Messer". "Es läuft viel schief in Hochschulen, Musikbusiness, viel mehr als bekannt geworden ist. Viele Opfer (auch Männer) wollen nicht durch diese Geschichten bekannt werden, sie wollen sich nicht den Karriereweg verbauen, sie ziehen vor zu schweigen." Verurteilungen hätten eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter, aber nicht immer sei klar, wer die Wahrheit erzähle. Und: "Die Me-too-Debatte schafft eine angespannte Atmosphäre, die den Frauen auch Nachteile bringt."

Was Bertelsmeier stört, ist dass Männern Fragen nach Sex-Appeal und Me-too fast nie gestellt würden. Statt Fragen über die Musik zu beantworten, müssten sich Frauen oft mit Fragen herumschlagen wie, komponieren Frauen anders. "Nun, wenn alle Männer gleich komponieren würden, hätte diese Frage vielleicht eine Berechtigung", hält Bertelsmeier dann als Antwort bereit.

Boris Schöppner

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