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Ein für die Öffentlichkeit zugängliches Wahrzeichen: Nicht immer aber stand die Burg Kronberg so gut da wie heute.

Geschichte

Kronberger Burg: Wie aus einem Sanierungsfall ein vorzeigbares Denkmal wurde

Das muss gefeiert werden: 30 Jahre Burgverein sowie 25 Jahre Stiftung Burg Kronberg. Aus diesem Grund öffnet der Burgverein am 15. Juni seine Burgtore.

Kronberg - Dass die Kronberger am kommenden Samstag feiern können, ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich die Geschichte des Burgvereins betrachtet. Aus der Taufe gehoben wurde dieser am 2. März 1989 von acht Herren in der Altstadt. Einen Monat später wurde der Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Königstein eingetragen. Der Grund: Es drohte der Verkauf der Burg durch die Hessische Hausstiftung an eine Privatperson.

Das Haus Hessen, in dessen Besitz sich das Kronberger Wahrzeichen seit 1912 befand, wollte seit längerem die Burg abstoßen und hatte sie der Stadt zum Kauf angeboten. Diese lehnte aber ab. Der damalige Bürgermeister Rudolf Möller meinte dazu: "An eine Übernahme ist gar nicht zu denken." Inzwischen musste das bislang öffentlich zugängliche Burgmuseum in der Mittelburg wegen Baufälligkeit geschlossen werden.

1989 an Privatmann verkauft – Burgverein setzte sich ein, Denkmal sollte öffentlich zugänglich bleiben

Anfang August 1989 verkaufte die Stiftung die Burg an den Privatmann Michael Lehmann aus Frankfurt. Jetzt war die Stunde des Burgvereins gekommen. Dessen noch wenige Mitglieder sammelten in kürzester Zeit rund 700 Unterschriften von Bürgern, die sich für den Rückerwerb durch ein bestehendes städtisches Vorkaufsrecht stark machten. Die Burg sollte dadurch öffentlich zugänglich bleiben gemäß dem Motto: Eine Burg für die Bürger. Im September 1989 beschloss schließlich die Dreierkoalition aus SPD, UBG und Grünen, die seit März 1989 die politische Mehrheit im Stadtparlament bildete, mit gerade einer Stimme Mehrheit das Vorkaufsrecht der Stadt für den Burgerwerb wahrzunehmen. Eine mehrjährige, teils heftige juristische Auseinandersetzung um die Burg begann nunmehr. Am 10. November 1992 knallten die Sektkorken, als das erste wichtige Etappenziel erreicht war - der Erwerb der Burg samt Außengelände mit rund 18.000 Quadratmeter Fläche für 700 000 DM durch die Stadt.

Für den Burgverein, der bis dato überhaupt keine Burg besessen hatte, ging jetzt die eigentliche Arbeit los. Das hieß: Sukzessive Renovierung der Oberburg als Teilruine und schlossartigen Mittelburg: Dazu kam die Pflege des verwilderten Außengeländes neben dem Gebäudekomplex in der Schlossstraße 10. An erster Stelle stand zunächst die Generalsanierung der Dächer samt Dachstühlen der Mittelburg. Hier hatte sich schon der Hausschwamm in den Holzbalken breitgemacht. Diese Arbeiten dauerten bis ins Jahr 2001 an. Daneben wurden alljährlich von Ostern bis Ende Oktober zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Die Burg stand nunmehr den Bürgern offen

Seit 1994: Stiftungsrat für die Belange der Kronberger Burg zuständig

11. Juli 1994 -auf dieses Datum ist die Stiftungsurkunde für die neu gegründete Stiftung Burg Kronberg ausgestellt. Ab sofort war ein Stiftungsrat, der sich aus Mitgliedern des Burgvereins und Stadt zusammensetzt, für die Belange der Burg zuständig. Die Stiftung hatte die weitere Trägerschaft übernommen.

Ein Jahr später wurde der Eibenhain erschlossen, der 2009 das Prädikat "Geschützter Landschaftsbestandteil" erhielt. 1997 lief die erste Patenschaftsaktion an, um die maroden Fenster des Kronenstammhauses instand zu setzen. 2001/2 schloss sich die Instandsetzung des Mauerwerks der Oberburg an. Seit 2002 wird das Museum für Stadtgeschichte gemeinsam mit dem Verein für Geschichte im Kassenhaus in der Schlossstraße 10 geführt. 2008 folgte die Einweihung des Burgmuseums in der Mittelburg mit der weitgehend erhaltenen spätgotischen Küche. Seit 2010 erleichtert ein aus sicherheitstechnischen Gründen erbauter neuer Treppenturm mit Aufzug den Zugang zu den Sälen und oberen Museumsräumen der Mittelburg.

Mäzen Klaus Rheinberger übergibt Großspende von zwei Millionen Euro an Burgverein zur Restaurierung

Als wahrer Glücksfall erwies sich Mäzen und Burgfreund Klaus Rheinberger. Dieser übergab dem Burgverein 2010 eine Großspende von zwei Millionen Euro zwecks Restaurierung der drei Säle in der Mittelburg. Rheinberger war von dem Engagement der Burgvereins-mitglieder so beeindruckt, dass er sich für diese Zuwendung kurz vor seinem Tod entschieden hatte.

Die Mitglieder des Burgvereins - derzeit sind es fast 600 - können zweifelsohne sehr stolz auf das in 30 Jahren hauptsächlich auf ehrenamtlicher Basis Erreichte sein. Aus der baufälligen und vernachlässigten Burg ist ein weitgehend saniertes und vorzeigbares Denkmal für Bürger, eben eine "Bürgerburg", entstanden.

Info: Musik, Theater, Ritterturnier, Ausstellung

Vielfältige Aktionen sind am 15. Juni ab 15 Uhr geplant. Zahlreiche Vereine haben ihre Unterstützung zugesagt. Geplant sind: Auftritte der Kronberger Laienspielschar, des Musikvereins, der Sängervereinigung 1861, von Vox Musicae und des Fanfarenzugs. Die Rittergarde will die kleinen Besucher mit Basteln und einem Ritterturnier anlocken. Für die Verpflegung haben der Freundeskreis Porto Recanati und Vox Musicae ihre Mithilfe angeboten. Die Schirmherrschaft hat Norbert Altenkamp (MdB) übernommen. Der Burgverein wird die selbst kurartierte Ausstellung "Mahlzeit - Burg Kronberg bittet zu Tisch" im Rheinberger Saal der Mittelburg eröffnen. Die bis zum 18. August 2019 gehende Schau befasst sich mit der Ernährungsgeschichte seit dem Mittelalter bis heute in Kronberg und Umgebung. Einen Schwerpunkt werden die speziellen Kulinaria Kronbergs wie Erdbeeren, Edelkastanien und Kronthaler Wasser bilden. 

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Wie der Taunusklub mal die Kronberger Burg gerettet hat: Beim Taunusklub denkt fast jeder an die vielen wackeren Wanderer, die vornehmlich in der Feldbergregion ihrem Hobby frönen. Doch der Klub, der vor 150 Jahren gegründet wurde, hat noch weitere Verdienste – zu sehen unter anderem auf der Kronberger Burg.

Kronberger Burg ist noch WLAN-freie Zone: Seit ein paar Tagen kann man auch in Kronberg dank City-WLAN öffentlich kostenlos im Internet surfen. Allerdings gibt es auch ein paar markante weiße Flächen auf der Stadtkarte. Ein Grund sind die Kosten für eine Funkstrecke vom Rathaus zur Burg.

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