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Kronberg diskutiert künftige Rolle des Autos

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Von: Boris Schöppner

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Dominierendes Verkehrsmittel ist hier das Auto. Der Radler zieht in der Frankfurter Straße den Bürgersteig der Fahrbahn vor.
Dominierendes Verkehrsmittel ist hier das Auto. Der Radler zieht in der Frankfurter Straße den Bürgersteig der Fahrbahn vor. © Boris Schöppner

Der Ausschuss für Stadtentwicklung befasst sich mit einem Nahmobilitätskonzept. Da sind auch Fahrradstraßen denkbar, denn die künftige Verkehrspolitik soll sich nicht mehr ausschließlich nach dem Auto richten.

Kronberg -Den Kampf gegen die Wolken wird die Sonne gleich verlieren. Es ist kühl, ein leichter Wind geht, der die frösteln lässt, die zu Fuß unterwegs sind. Die meisten Menschen, so der Eindruck, sind an diesem Vormittag - einem Dienstag im Februar - mit dem Auto auf der Frankfurter Straße unterwegs. Ein paar Fußgänger kreuzen die Straße. Einige warten geduldig in Höhe des Berliner Platzes, bis die Ampel auf Grün springt, andere nutzen Lücken im fließenden Verkehr, um von einer Straßenseite zur anderen zu gelangen. Vor dem Drogeriemarkt halten Autofahrer halb auf der Fahrbahn, weil sie auf einen Parkplatz in einer der Buchten hoffen. Ein Taxifahrer lässt einen Fahrgast aussteigen, Lieferwagen fahren auf den Berliner Platz und kurze Zeit später fädeln sie sich wieder in den Verkehr ein. Kurz vor der Einmündung in der Hainstraße ist ein jugendlicher Fahrradfahrer zu sehen, der lieber auf dem Bürgersteig unterwegs ist als auf der Frankfurter Straße. Verdenken kann man es ihm nicht ...

Es ist ein ganz normaler Vormittag an einem ganz gewöhnlichen Werktag im Jahre 2022. Die Frage, wie sich die Kronberger den Verkehr in der Zukunft vorstellen, wird jetzt zum einen diskutiert, weil eine Mobilitätswende als erforderlicher Beitrag zum Klimaschutz angesehen wird, und zum anderen, weil sie ein Mehr an Aufenthaltsqualität in den Stadt- und Ortskernen bringen kann.

Geplant ist, sich im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes mit dem Baustein Mobilität zu befassen. "Für das gesamtstädtische Mobilitätskonzept sollen die Ziele des Nahmobilitätsplans integriert werden. Darüber hinaus sollen die im Klimaschutzkonzept formulierten Vorgaben zur Emissionsverminderung berücksichtigt werden", so steht es in dem Antrag der Verwaltung, über den die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt unlängst diskutierten.

Das Stadtentwicklungskonzept umfasst bislang die Bausteine Wohnen, Gewerbe und Landschaft. Der Baustein Mobilität steht nun - nach einer langen Pause - zur Bearbeitung an. Als erster Schritt erfolgte der vom Land Hessen geförderte Nahmobilitäts-Check und infolge wurde ein Nahmobilitätsplan erstellt. Dieser soll in das gesamtstädtische Mobilitätskonzept integriert werden.

Sandra Poschmann, Leiterin der Stadtplanung, stellte den Nahmobilitätsplan vor, dessen Ziel sein soll, ein leistungsfähiges Mobilitätssystem und damit Mobilität für alle zu schaffen. Dabei sollen Kriterien der Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch und sozial) berücksichtigt und eine Balance der verschiedenen Mobilitätsarten geschaffen werden.

Es integriert bereits gestartete Bemühungen für den Radverkehr, wie den Schülerradweg, der Steinbach unter Nutzung eines bestehenden landwirtschaftlichen Wegs mit der Altkönigschule verbinden soll. An Haltestellen sollen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden, am Bahnhof sogar eine Bike-and-Ride-Anlage, die ein sicheres Abstellen des Rades ermöglicht.

Es soll die Einrichtung von Fahrradstraßen (möglicherweise in der Friedenstraße oder der Niederhöchstädter Straße) geprüft und Fahrradspuren farblich hervorgehoben werden. Das Radwegekonzept von 2015 soll dazu als Grundlage dienen. Eine Weiterentwicklung scheint unumgänglich, wenn der Radverkehr gestärkt werden soll. Zudem sollen Querungsmöglichkeiten auch für Fußgänger geschaffen sowie die Aufenthaltsqualität von Plätzen gesteigert werden. Carsharing-Angebote sollen ausgeweitet werden.

Mit einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zu Beginn und am Ende will sich die Verwaltung die erforderliche Rückendeckung holen, sagen Poschmann und Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos).

Kontrovers wurde über die künftige Rolle des Autos diskutiert. Während Max-Werner Kahl (CDU) mahnte, das Auto in Kronberg wegen der Topographie und des hohen Durchschnittsalters der Bevölkerung nicht aus dem Mobilitätskonzept zu streichen, betonte Ausschussvorsitzender Udo Keil (Grüne) die Notwendigkeit, neue Wege zu denken. Weniger motorisierter Individualverkehr steigere die Lebensqualität in den Quartieren.

Alexandra Sauber von der UBG plädierte dafür, bei der Neugestaltung von Straßen nicht immer vor den Anwohnern einzuknicken, wenn diese mehr Stellplätze und weniger Bäume im Straßenraum wollten.

Walther Kiep (FDP) hält es für bedeutsam, sich mit dem ersten Kilometer bis zu einer Haltestelle zu beschäftigen. Diesen zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen sei nicht zu weit.

Siedler: Früher seien Verkehrsgutachten fast ausschließlich auf das Auto ausgerichtet gewesen, bei einem Mobilitätskonzept gehe es nun nicht mehr nur um den motorisierten Individualverkehr.

Spannend wird sein, ob und welche Auswirkungen die Maßnahmen auf das Straßenbild haben - und wie sich dann ein Blick auf die Ecke Frankfurter Straße/Hainstraße präsentiert.

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