Die Pferde erfreuten die Teilnehmer der Wanderung.
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Die Pferde erfreuten die Teilnehmer der Wanderung.

Lehrreich

Kronberg: Geschichtsstunde am Feldrand

  • VonBoris Schöppner
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An einer Grenzwanderung des Vereins Heckstadt in Oberhöchstadt nehmen 40 Personen teil. Es geht vorbei an der Waldsiedlung und der Phorms Schule.

Kronberg -Um die 40 Personen kamen auf Einladung des Vereins Heckstadt zwischen den Jahren zusammen, um eine liebgewonnene Tradition fortzuführen: die alljährlichen Grenzgänge. Treffpunkt war am Ende Tennisplatz in Oberhöchstadt. Nach und nach trafen die Teilnehmer ein, bevor es dann kurz nach 14 Uhr losging.

Ein wenig unwohl mag dem einen oder anderen anfangs gewesen sein, eine so große Gruppe in Zeiten von Corona zu bilden, doch schon kurz nach dem Start zog sich die Schar auseinander. Den meisten Teil der Strecke waren Zweier- oder Dreier-Grüppchen gemeinsam unterwegs und unterhielten sich über sehr unterschiedliche Themen.

Für die inhaltliche Ausgestaltung war Lokalhistoriker Hanspeter Borch zuständig, welchen Weg man einschlägt, wurde mitunter spontan an Kreuzungen und Gabelungen entschieden. Den ersten Höhepunkt der Wanderung erlebten die Grenzgänger bereits wenige Meter nachdem Startpunkt: Drei Pferde jagten auf ihrer weitläufigen Koppel übermütig hintereinander her. Mensch und Tier genossen die Bewegung an der frischen Luft.

Der Tross bewegte sich erst in Richtung Hohenwald, wo ein rauschender "Bach" die Aufmerksamkeit einzelner Teilnehmer auf sich zog. "Ein Oberflächengewässer, das nach Steinbach fließt", wusste Kai Hilbig vom Geschichtsverein Steinbach zu berichten. Eine beruhigende Information, hatte Oberhöchstadt doch in den vergangenen Jahren während Starkregenereignissen mehrfach schlechte Erfahrungen mit Wassermassen gemacht, die aus den Wäldern kamen.

Im Wald ging es um die Waldsiedlung herum, dann galt es, die L 3015 zu überqueren. Ein Teil der Gruppe folgte Borsch, der ein Ziel etwas weiter östlich anpeilte. Denn in der Nähe, auf Steinbacher Gemarkung, befand sich seit 1850 eine sogenannte Russensteinfabrik - eine Feldbrandziegelei, auch als "Backsteinhütte" bekannt. An der Straße nach Stierstadt gelegen, ist der Platz noch heute gut zu erkennen.

"Bei einem Feldbrand konnten 20 bis 30 Tausend Steine gebrannt werden. Das beste Beispiel eines Hauses mit handgeformten Feldbrandsteinen ist in der Limburger Straße 34 in Oberhöchstadt zu betrachten", so Borsch. Er ist nicht nur der zuständige Obmann für Grenzsteine im Hochtaunuskreis, sondern einer der Initiatoren der im Oberhöchstädter Dalleshaus befindlichen Dauerausstellung zum Thema "Ziegel für den Taunus". Dort erfährt der Besucher anschaulich, wie sich Oberhöchstadt ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert zu einer Hochburg der Ziegelproduktion für den Taunus entwickelte.

Elf Hektar an

Steinbach verloren

Die Teilnehmer erfuhren auch, dass der frühere unregelmäßige Zickzackverlauf der Gemarkungsgrenze zwischen Oberhöchstadt und Steinbach in der Weise begradigt wurde, dass Oberhöchstadt circa 11 Hektar Land an Steinbach verlor. Weiter führte Borsch aus, dass die Fläche auf der sich die heutige Waldsiedlung befindet, früher zu Steinbach gehörte.

Der Weg führte die Gruppe an Phorms Schule und dem Sportpark vorbei. Das alte Steinbacher Schwimmbad war 2008 abgerissen worden, um Platz für die neue Privatschule zu machen. Zwei Teilnehmerinnen erinnerten sich daran, wie sie als Kinder und Jugendliche zu Fuß oder per Fahrrad regelmäßig zum Schwimmen die Stadtgrenze überquert hatten. Im Bad waren der Sprungturm und das absenkbare Becken die Sensation gewesen. Oberhöchstädter hätte dort das Turmspringen erlernt und hatten sportliche Erfolge errungen.

Der Austausch dieser und ähnlicher Erinnerungen prägte den Spaziergang, der über weite Strecken über Steinbacher Gemarkung führte. Erst kurz hinter dem Wasserwerk betraten die Teilnehmer wieder Oberhöchstädter Gebiet. Auch wenn der Blick immer wieder zum Himmel ging, das Wetter hielt, der für den Tag angekündigte Regen setzte erst am frühen Abend ein.

Ziel der Wandergruppe war die Holler'sche Feldscheune. Dort wurden die begonnenen Gespräche bei einem Glas heißen Äppler und deftigen Schmalzbroten fortgesetzt.

Auch wenn die Heckstädter die Grenzen Oberhöchstadts schon mehrfach abgeschritten haben, den Grenzgang wird es wohl auch 2022 wieder geben

Boris Schöppner

Lokalhistoriker Hanspeter Borsch (Mitte) im Gespräch mit Teilnehmern der Grenzbegehung.

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