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Kronberg hilft mit dem Nötigsten

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Von: Boris Schöppner

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Kinderwagen, Gehhilfen und andere sperrige Dinge werden hier abgestellt.
Kinderwagen, Gehhilfen und andere sperrige Dinge werden hier abgestellt. © Boris Schöppner

Freiwillige sortieren Sachspenden und statten Menschen aus der Ukraine aus.

Kronberg -Die neuste Errungenschaft ist ein Büroraum ganz hinten im Gang im Erdgeschoss. Da das Gebäude bald abgerissen werden soll, macht es nichts, dass das Organigramm und die Telefonnummern der Leitung mit schwarzem Filzstift an die Wand gemalt wurden. Die Helfer haben sich notdürftig in den Containern an der AKS, in denen bis zum Jahresende Flüchtlinge untergebracht waren, eingerichtet, um den vor dem Krieg geflüchteten Menschen zu helfen.

In dem Büro geht es zu wie in einem Taubenschlag. Wer ins Büro kommt, der hat ein Anliegen. Am Sonntagmittag stellte sich die Frage, wo sich Flüchtlinge hinwenden, die auf eigene Faust in Kronberg ankommen. Kristina Fröhlich, die in der Lokalpolitik aktiv ist, wählt die Nummer von Jochen Schmitt-Laux, dem Leiter des Fachbereichs Verwaltungssteuerung bei der Stadt. Nach ein paar Augenblicken ist er am Apparat und gibt Auskunft.

Ehrenamtliches Engagement und der Einsatz der Verwaltung ergänzen sich mittlerweile gut. Dass es das Lager für Hilfsgüter gibt, ist jedoch einer privaten Initiative einer Kronberger Erzieherin zu verdanken. Marianna Haus stammt aus der Ukraine und unterstützt seit Beginn des Krieges eine Kollegin aus Mainz, die bereits seit 2014 Hilfsgüter in die Ukraine schickt. Sie beginnt, auch in Kronberg zu sammeln, kann erst im Grünen Weg einen Lagerraum nutzen, doch schnell wird klar, sie braucht einen anderen Standort. Bei der Mahnwache auf dem Berliner Platz kommt sie unter anderem mit Holger Grupe ins Gespräch. Der Kreistagspolitiker nutzt seine Kontakte zur Kreisverwaltung und bekommt das Okay für die Nutzung der Container.

Seit der Landkreis auf Anordnung des Landes die Turnhalle der AKS zu einer Erstaufnahmeeinrichtung gemacht hat, arbeiten die Helfer zweigleisig. Konserven, Taschenlampen, Funkgeräte, Schutzwesten, Defibrilatoren und Verbandsmaterial gehen an die Ukraine. Kinderwagen, Bekleidung, Koffer, Hygieneartikel und Handtücher werden an die Flüchtlinge abgegeben, die in Kronberg stranden. Schon am ersten Wochenende kamen etwa 400 Kriegsflüchtlinge in Kronberg an. Und die mussten ausgestattet werden. Das Deutsche Rote Kreuz ist mit der Betreuung der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung beauftragt.

Kommunikation

und Hygiene

"Hygiene und Kommunikation" seien nach den Strapazen der Flucht die beiden größten Bedürfnisse der Menschen. Beides wäre ohne das freiwillige Engagement kaum zu gewährleisten, ist Fröhlich überzeugt. Dass es an der Turnhalle noch kein Wlan für die Geflüchteten gibt, ärgert Fröhlich sehr.

Täglich sind bis zu 17 Helfer im Einsatz. Sie nehmen die Spenden an, sortieren Kleidung und Spielzeug, Duschgel, Damenbinden und Badelatschen, räumen Regale ein und hängen die Kleidungsstücke an Kleiderstangen auf. Und geben die Spenden aus. Die Pakete in die Ukraine werden konfiguriert. Tina Knoll versucht, immer den Überblick zu behalten und die Arbeit in den Containern zu koordinieren. Der Zugang an der Tür wir von meist männlichen Helfern kontrolliert. Für diese Aufgabe hat sie auch einen jungen Mann gewonnen, der aus Tunesien stammt, in der Ukraine gelebt hat, nun von dort geflohen ist. Er spricht Arabisch, Englisch und Ukrainisch - was die Kommunikation erleichtert.

Die Helfer freuen sich wiederum über die Unterstützung, die sie erfahren: von Privatpersonen, Firmen und Handwerkern. Welche Hilfe gerade am dringendsten benötigt wird, das erfährt man per E-Mail an kronberg-hilft-ukraine@web.de.

An dieser Wand stehen die Sachspenden, die bereit sortiert sind.
An dieser Wand stehen die Sachspenden, die bereit sortiert sind. © Boris Schöppner
Marianne Haus (Mitte) kann auf die Unterstützung von Kristina Fröhlich, Michaele Raig, Tina Knoll und Alisha Lorenz (v.l.) zählen.
Marianne Haus (Mitte) kann auf die Unterstützung von Kristina Fröhlich, Michaele Raig, Tina Knoll und Alisha Lorenz (v.l.) zählen. © Boris Schöppner

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