Khaled Sadeq, Emilia Cescon und Amrit Goraya (von links) organisierten am Pfadfinderheim Auf der Heide ein Kelterfest. Die selbstgepflückten Äpfeln verarbeiten sie zu Apfelsaft.
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Khaled Sadeq, Emilia Cescon und Amrit Goraya (von links) organisierten am Pfadfinderheim Auf der Heide ein Kelterfest. Die selbstgepflückten Äpfeln verarbeiten sie zu Apfelsaft.

Kelterfest

Kronberg: Keltern, um die eigene Zukunft zu retten

  • VonEsther Fuchs
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Die Coronapandemie setzt den Pfadfindern zu. Mitgliederwerbung findet am Lagerfeuer statt.

Johannes Bauer kehrt noch schnell das erste Herbstlaub auf dem Gehweg zusammen. Emilia Cescon und Khaled Sadeq, die beiden Leiter des Kronberger Pfadfinderstamms "Schinderhannes" und ihr Vize Amrit Goraya waren bereits an den Vortagen fleißig. Die Pfadfinder möchten sich zum Kelterfest im Lager Auf der Heide präsentieren.

Bei einem befreundeten ehemaligen Stammesbruder und einem anderen Bekannten durften sie Äpfel für das Fest sammeln. Am vergangenen Samstag fand es erstmals statt. Nach langer Coronapause wollen sich "die Schinderhannes", so nennen sich die Kronberger Pfadfinder seit den Sechzigern, zurückmelden. Die Coronazeit habe dem Stamm nicht gutgetan, sagt der Vorstand. Von mehr als 20 Kindern und Jugendlichen ist nur noch die Hälfte Aktiver übrig.

"Eigentlich hätten wir auf dem Apfelmarkt in der Stadt mitgemacht. Der entfällt ja leider", erklärt Johannes Bauer, Vorsitzender des Fördervereins der Pfadfinder den Antrieb zum eigenen Fest. Die Premiere am Pfadfinderhaus soll Kompensation für die entfallene Teilnahme sein.

Emilia, Khaled und Amrit haben zwölf Säcke Äpfel gefüllt. Die reiche Ernte schleppen sie zur kleinen "Schinderhannes" Apfelkelterei. Dort können alle Besucher zuschauen, wie frischer Apfelsaft entsteht und testen wie gut er schmeckt.

Die Einladung der Schinderhannes hat sich herumgesprochen. Und so scheint die Idee, während des Kelterns Mitglieder zu werben, aufzugehen. Unter den Besuchern sind auch Tavish und sein kleiner Bruder Yuven. Tavish ist acht Jahre alt und somit gerade im richtigen Alter, Pfadfinder zu werden.

"Es macht Spaß, hier zu sein. Es gibt viel zu erleben. Am Feuer und im Wald", sagt der Junge. Er freut sich auf den süßen Apfelsaft, den auch sein kleiner Bruder gerne probiert. Der Sechsjährige Yuven findet auch Gefallen am Leben als Pfadfinder. "Er muss aber noch zwei Jahre warten. Mit sechs ist er noch zu klein", erklärt die Mutter der beiden.

Zum Kelterfest dürfen die Brüder gemeinsam auf Entdeckerreise gehen. Die Stammesführer haben einige Gemeinschaftsspiele im Wald und um die Apfelpresse herum vorbereitet. Es gilt, an Seilen zu klettern, durch mit Fäden gespannte Spinnennetze zu kriechen oder Süßigkeiten geschickt von einer Schnur herunterzuschlagen.

In der Küche des Pfadfinderheim bereiten ältere Mitglieder Teig für das am Lagerfeuer bereitgestellte Stockbrot vor. Neben dem Apfelsaft sollen Stockbrot, Schmalz, Brezel und Kuchen den Magen füllen.

Kassenwartin Ulrike Rehm, ihre Tochter Annika sowie Fördervereins-Vize-Chefin Steffi Vorbeck sind in der Küche für die kulinarische Pfadfinderköstlichkeiten verantwortlich. Ihr angesetzter Hefeteig duftet am Lagerfeuer und wird zu knackig frischem Brot.

Gerne würden die Pfadfinder zu den wöchentlichen Heimabenden wieder mehr Besucher empfangen. "Wir würden uns sehr über Zuwachs freuen", fasst Emilia Cescon den Wunsch ihres Stamms in Worte.

Das grüne Areal samt Pfadfinderhaus bietet ausreichend Platz für Erlebnisse in der Natur. "Wir treffen uns draußen, oder wenn es zu kalt ist im Heim. Wir spielen, machen ein Lagerfeuer und sind auch sonst immer auf der Suche nach Abenteuern", wirbt Khaled Sadeq.

Zum Kelterfest geben die Pfadfinder einen umfassenden Überblick über ihre Arbeit als Abenteurer im grünen Blätterwald. Tavish hat seine Entscheidung bereits getroffen. Er möchte Pfadfinder werden und verspricht, schon nächsten Samstag beim Heimabend vorbeizukommen.

Mit einem Schluck Apfelsaft besiegelt er den Plan. "Der Saft ist übrigens besonders lecker", urteilt Emilia Cescon. Die Zukunft der Kronberger Pfadfinder scheint gerettet - zumindest ein bisschen. Esther Fuchs

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