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In der Nähe des B-Campus entsteht das erste grüne Klassenzimmer der Altkönigschule. Lehrer Stefan Zürn schlägt beherzt zu. Auch die beiden Referendarinnen Sophia Geimer und Susanne Fritsche (von links) helfen mit, das Projekt zu verwirklichen.

Neues Projekt der AKS

Kronberg: Lernen unterm Apfelbaum

  • vonEsther Fuchs
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Die Kronberger Altkönigschule richtet ihr erstes grünes Klassenzimmer ein und hofft, bald als "Umweltschule" anerkannt zu sein. Dafür haben Schüler und Lehrer schon viel getan.

Kronberg -Sie heißen Goldparmäne, Rote Sternrenette oder Rheinischer Bohnapfel. Finanziert wurden sie von der Familienkelterei Possmann. Demnächst stehen neun junge Apfelbäumchen auf einer bisher ungenutzten Wiesenfläche der Altkönigschule (AKS).

In Nähe des B-Campus baut sich die Schulgemeinde ihr erstes grünes Klassenzimmer. Die Apfelbäume bilden als Streuobstwiese das Grundgerüst des neuen Lernrefugiums. Erweitert wird das Areal mit Holzstämmen als Sitzgelegenheit. Geplant ist ferner eine kleine Freilichtbühne, die die Nutzung des Geländes komplettiert.

Nicht nur in Zeiten der Pandemie soll hier unter freiem Himmel unterrichtet werden. Auch wenn dieser Gedanke zunächst naheliegt, plant man, dass das grüne Klassenzimmer fester Lernort im Schulalltag der Schüler aller Jahrgänge wird. Die 31 in den nächsten Tagen zu installierenden Baumstümpfe entsprechen der maximalen Schülerzahl einer Klasse samt einem Pädagogen.

Die Idee des Lernorts im Grünen brachte Britta Kratz ins Spiel. Sie ist Mutter dreier Kinder. Zwei davon haben die Schullaufbahn an der AKS hinter sich. Das jüngste Kind besucht die neunte Klasse. Kratz war selbst einmal Schülerin an der Altkönigschule. Sie hatte von den Vorzügen des Lernens unter freiem Himmel gehört und sprach das Thema in der Schulgemeinde an.

Lehrer Stefan Zürn und seine Kollegin Rita Eichmann waren sogleich ganz Ohr. Beide sind in Sachen Umwelt- und Naturschutz bewandert. Die Altkönigschule bewirbt sich derzeit um die Anerkennung als "Umweltschule". Das grüne Klassenzimmer mit der Pflanzung von neun Apfelbäumen ist ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zur Zertifizierung der nachhaltig agierenden Schule.

"Wir haben den Anspruch, plastikfrei zu sein. Die Schüler der fünften und sechsten Klassen erhalten plastikfreie Hefte. In der Mensa nutzen wir kein Einweggeschirr. Das grüne Klassenzimmer passt gut in unser biologisches Konzept", freut sich Rita Eichmann, die neben Deutsch und Darstellendem Spiel auch Biologie unterrichtet.

Fertigstellung vor dem ersten Frost

Damit die Arbeiten vor Frosteinbruch fertiggestellt sind, packen Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam mit an. In den Mittagspausen greifen die Schüler zu Spaten und Harke. Am Nachmittag sind dann die Lehrer und Eltern dran.

Das Projekt hat erste Wellen geschlagen. Neben der Presse hat auch ein regionaler TV-Sender seinen Besuch angekündigt und möchte vom Vorhaben der Schule berichten. Stefan Zürn arbeitet seit zwölf Jahren an der AKS. Nicht nur in der Schule engagiert er sich für ein stärkeres Umweltbewusstsein in der Gesellschaft und für Nachhaltigkeit.

Zürn geht mit gutem Beispiel voran und hat auch Zuhause einen Naturgarten mit allerlei Wildpflanzen und Obstbäumen. Dass er den Bau des grünen Klassenzimmers mit viel Engagement federführend vorantreibt, ist da nur eine logische Konsequenz.

Die Stützpflöcke, die die Apfelstämmchen vor Wind und Wetterkapriolen schützen sollen, schlägt der passionierte Lehrer daher gerne mit vollem Körpereinsatz in die Erde. Die Pflanzorte der Bäume und die Anordnung der Sitzpflöcke gehen jedoch auf Vorstellungen der Schüler der Schülervertretung (SV) zurück. "Die Schüler haben sich genau überlegt, wie man die Fläche am sinnvollsten gestaltet und sogar die Sonnenverhältnisse berücksichtigt. Daraus haben sie dann einen Pflanzplan erstellt, an den wir uns nun halten", unterstreicht Zürn das Engagement der Schülerschaft.

Im Osten werden aufgrund der aufgehenden, noch schwach wärmenden Sonneneinstrahlung bevorzugt Halbstämme gepflanzt. Im Süden und Westen sollen Apfelhochstämme wertvolle Schattenspender sein.

Die Sitzpflöcke haben die Schüler vom Kronberger Förster bekommen. "Sie werden in die Erde eingelassen. Die geplante blütenförmige Sitzordnung, lässt auch Kleingruppenarbeit zu", erklärt Stefan Zürn.

Schulleiter Martin Peppler lobt die Initiative, die Schüler, Lehrer und Eltern miteinbezieht. "Die Idee des grünen Klassenzimmers ist fantastisch. Ich kann mir gut vorstellen hier auch mal eine Schulleitersitzung abzuhalten", so Peppler.

Die Vorteile des Unterrichts im Grünen kennt Rita Eichmann. "Man lernt praxisnah. Themen aus den Bereichen Natur-, Umweltschutz und Nachhaltigkeit lassen sich einfach und direkt ermitteln. Die Fachschaft Biologie wird hier oft sein. Ich kann mir bereits vorstellen, wie Schüler die Äpfel zu Saft verarbeiten." Rita Eichmann hofft auf die Realisierung weiterer Pläne rund um das Grüne Klassenzimmer.

Die Schulgemeinde liebäugelt mit dem Bau einer kleinen Freilichtbühne für Theaterproben und nach der Pandemie geplanten Auftritten und Feierlichkeiten. "Warum nicht?", fragt Stefan Zürn eher rhetorisch. Er hat dafür kürzlich ein altes Hausbaugerüst erstanden. "Damit ließe sich eine kleine Bühne errichten. Für einen stabilen Unterbau benötigen wir allerdings noch zwei T-Träger, die gerne auch gebraucht sein können."

Die Hoffnung auf einen weiteren Gönner auf dem Weg zum perfekten grünen Klassenzimmer ist vorhanden. "Der Dank der Schulgemeinde würde demjenigen auf immer nachhallen", so Zürn.

von Esther Fuchs

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