Die "Getreideernte" hat Fritz Wucherer 1895 in Frankreich gemalt.
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Die "Getreideernte" hat Fritz Wucherer 1895 in Frankreich gemalt.

25 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken

Kronberg: Neue Werke für die Stiftung Malerkolonie

  • vonBoris Schöppner
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Die Stiftung Malerkolonie hat Werke von Abée, von Bertrab und Wucherer erworben. Für das Museum bieten sich jetzt neue Möglichkeiten.

Kronberg -Größer könnte der Kontrast nicht sein. Auf dem Bild "Hagen in Westfalen", das Fritz Wucherer 1910 gemalt hat, dominieren gedeckte, dunkle Farbtöne. Kein Wunder, zeigt es doch eine Fabriklandschaft mit rauchenden Schloten. Die Natur ist an den Rand gedrängt, die Kühe, die Büsche, das Feld.

15 Jahre zuvor hatte Wucherer eine Getreideernte in Frankreich gemalt: Unter blauem Himmel mit Schäfchenwolken warten die Garben darauf, von den Bauern auf den einachsigen Pferdewagen geladen zu werden. Auf diesem Gemälde von 1895 ist der Einfluss französischer Impressionisten zu spüren. Das Bild ist warm und freundlich.

Beide Gemälde stammen aus einem Konvolut, das die Stiftung Kronberger Malerkolonie aufgekauft hat. Es umfasst laut Dr. Ingrid Ehrhardt, Leiterin der Museum, 25 Arbeiten, darunter Grafiken und Pastellzeichnungen sowie zwölf Ölgemälde. Sechs davon sind derzeit in der Schau "Carl Theodor Reiffenstein und Freunde" zu sehen.

Die "Getreideernte" mag Ehrhardt sehr. "Wucherers frühen französischen Bilder waren etwas ganz Besonderes. Sie waren unkonventioneller als seine späteren Arbeiten." Doch großen Erfolg hatte Wucherer, der von 1895 bis 1897 in Frankreich war, mit diesen Bildern nicht. "Den Franzosen war er zu deutsch und den Deutschen war er zu französisch", sagt Ehrhardt.

Aktuell sei ein guter Zeitpunkt, Bilder aus dem 19. Jahrhundert zu erwerben, sagt Ehrhardt. Die Preise seien günstig. Was für das Wucherer-Konvolut bezahlt wurde, möchte sie allerdings nicht verraten.

"Durch den Ankauf können wir Wucherer jetzt in einer Fülle darstellen, wie wir es vorher nicht konnten. Es wurde eine Lücke in der Sammlung geschlossen", erklärt die Kunsthistorikerin. Ziel sei es, nicht nur Ausschnitte, sondern die Entwicklung eines Werkes darstellen zu können. In der Regel bedeute dies, dass es von jedem Künstler der Kolonie mindestens drei Bilder geben müsse: ein Frühwerk, eins aus der Mitte der Schaffensphase und ein Spätwerk. Von den prominenten Vertretern der Kronberger Malerkolonie befindet sich ein Vielfaches im Bestand des Museums. Übrigens: Auf der Website des Museums gibt es ein Verzeichnis mit allen Künstlern, die der Kronberger Malerkolonie zugerechnet werden (www.kronberger-malerkolonie.com).

Darunter finden sich auch biografische Angaben von Carl von Bertrab (1863-1914), Schüler von Paul Plötsch in Dresden und von Ferdinand Brütt an der Düsseldorfer Akademie. 1898 ließ er sich in Kronberg im ehemaligen Haus von Hans Thoma nieder und schloss sich der Malerkolonie an. Sein bisher bekanntes Oeuvre umfasst vor allem Interieurs, Menschenstudien sowie deutsche und brasilianische Landschaften. Und: die Abbildung eines Bernhardiners aus zwei Perspektiven. Ebenfalls ein Neuerwerb, der in der Ausstellung gezeigt wird.

Rätsel gibt Ehrhardt die Künstlerin Sophie Emilie Abée auf, von der das Bild Blumenstrauß mit Iris, Rittersporn und Pfingstrosen" neu angeschafft wurde - das zweite von ihr in der Sammlung. Laut Ehrhardt gehört Abée zu den Nachfolgerinnen der Kolonie. Viel weiß man nicht über sie. Ehrhardt ist schon froh, dass die Lebensdaten herausgefunden werden konnten: Abée wurde 1888 in Bad Nauheim geboren und starb 1977 in Kronberg. Dort war sie wohl Mitglied in der CDU gewesen.

Wer mehr über die Künstlerin und ihr Leben weiß, setzt sich am besten mit dem Museum in Verbindung: Telefon (0 61 73) 92 94 90, E-Mail info@kronberger-malerkolonie.com.

Die Ausstellung "Carl Theodor Reiffenstein 1820-1893 und Freunde" ist Corona-bedingt bis zum 13. September verlängert worden. Das Museum ist mittwochs von 15 bis 19 Uhr, samstags von 12 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 4 Euro.

von Boris Schöppner

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