Eichler 1983.
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Eichler 1983.

Karrieren

Kronberg: Vom Puppenspieler zum Produktentwickler

  • VonBoris Schöppner
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"Kunst trifft auf Fabrik" heißt die Ausstellung im Westerbach-Center, die sich mit Fritz Eichler befasst. Der Theatermann hatte maßgeblich das Design der Braun-Geräte geprägt.

Die Braun-Sammlung zeigt anlässlich von 100 Jahren Braun Design eine Sonderausstellung über Fritz Eichler, der als Theaterwissenschaftler, Puppenspieler und Regisseur - ein Quereinsteiger bei Braun - seit 1954 die Entwicklung des Braun-Designs entscheidend beeinflusste.

Mit den Worten "Kunst trifft auf Fabrik" charakterisierte Artur Braun den Beginn der Zusammenarbeit mit Fritz Eichler (1911 - 1991). Als die Firma Braun nach dem Tod des Unternehmensgründers in den 1950er Jahren begann, sowohl die Gestaltung ihrer Produkte als auch den Gesamtauftritt des Unternehmens radikal zu verändern, waren drei Personen maßgeblich. Neben den beiden jungen Erben Artur und Erwin Braun war Dr. Fritz Eichler der Dritte im Bunde. Als "Beauftragter für Gesamtgestaltung" prägte er über 35 Jahre die international wegweisende Werbe- und Produktgestaltung bei Braun. Wer war dieser wichtige Berater und Stratege, der sich stets im Hintergrund hielt, aber enormen Einfluss ausübte? Und wie kam ein Puppenspieler, Maler, Theater- und Filmregisseur in ein Industrieunternehmen? Unter dem Titel "Fritz Eichler - Der Regiemann" widmet sich eine Ausstellung in der Braun-Sammlung diesen Fragen.

Originale Entwürfe werden ebenso gezeigt wie Requisiten für Trickfilme und Geräte von Braun. Auch Eichlers zehnjähriges Engagement an den Städtischen Bühnen Frankfurt wird dokumentiert. Seine Karikaturen für Anzeigen und sein reiches - von Braun unabhängiges - künstlerisches Schaffen sind hier erstmals in einer Ausstellung zu sehen.

Der Förderkreis Braun-Sammlung gibt zur Ausstellung ein Begleitbuch in deutscher und englischer Sprache heraus, das die detaillierten Ergebnisse der umfangreichen Recherchen enthält.

Die Ausstellung zeigt auch Exponate aus dem Familiennachlass. Bei einem Pressetermin ist Enkelin Anja Eichler zugegen. Sie hat unter anderem Originalhandpuppen beigesteuert.

Bundesverdienstkreuz

abgelehnt

Ausgestellt ist auch ein Briefwechsel zwischen Fritz Eichler und dem damaligen Landrat Herr. Der Landrat des Hochtaunuskreises sollte 1972 Eichler für seine besonderen Verdienste mit dem Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Namen des Bundespräsidenten auszeichnen. Doch Eichler lehnt dankend ab. "Ich habe bereits in der Jugend den Vorsatz gefasst, keine Orden und Ehrenzeichen anzunehmen. Erfahrungen und Erlebnisse in meinem weiteren Leben haben diesen Vorsatz bestätigt und verstärkt."

Fünf Jahre lang war Eichler während des Zweiten Weltkrieges Soldat, kam in dieser Zeit aber nicht über den Rang eines Unteroffiziers hinaus. Dazu fehlte ihm ganz offensichtlich die Motivation, wie Cornelia Heymann, eine der Autorinnen des die Ausstellung begleitenden Buches, annimmt. Seit den ersten Tagen bei der Wehrmacht zeichnete er kleine Karikaturen und nahm in Sketchen den Kriegsalltag auf die Schippe,

Nach dem Krieg war er an fünf Filmen als Kinderregisseur beteiligt. Der erfolgreichste Film war das "Doppelte Lottchen". Mitautorin Magdalena De Gasperi berichtet von einem Briefwechsel mit Erich Kästner.

Organisieren, zusammenführen und aus dem Hintergrund organisieren - das waren Qualitäten, die Eichler auszeichneten - und die Braun, das Unternehmen im Aufbruch, sehr gut gebrauchen konnte. Sein humanistischer Ansatz, seine demokratische Haltung, sein Draht zu den Menschen und seine Kommunikation auf Augenhöhe passten zur Unternehmenskultur. Eichler war es, der Dieter Rams, den späteren Chefdesigner, zu Braun holte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. Januar in der Braun-Sammlung, Westerbachstraße 23 C, zu sehen. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr. Eintritt für Erwachsene beträgt 3 Euro, Kinder und Jugendliche von 7 bis 17 Jahre zahlen 1,50 Euro,

Boris Schöppner

Selbstbildnis aus dem Familiennachlass.
Originalhandpuppen aus dem Familiennachlass.
Wolfgang Schmittel, Dieter Rams und Fritz Eichler bei Braun.

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