Bei einer Bürgerversammlung informierten Vertreter der Stadt über Maßnahmen zum Schutz vor Überschwemmungen.
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Bei einer Bürgerversammlung informierten Vertreter der Stadt über Maßnahmen zum Schutz vor Überschwemmungen.

Große Bürgerversammlung

Kronberg wappnet sich gegen Hochwasser

  • VonBoris Schöppner
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Die Gefahr von Wetterextremen nimmt zu - auch in Kronberg. Wie man sich auf solche Situationen vorbereiten kann, war jetzt Thema einer Bürgerversammlung. Eine Erkenntnis: Auch Hauseigentümer sollten aktiv werden.

Kronberg -Dunkle Wolken über Kronberg kündigen ergiebige Regenfälle an. Natürlich sucht man bei einem solchen Wetter den Schutz der eigenen vier Wände auf. Doch wer in seinem Haus nicht die richtigen Vorkehrungen gegen die Wassermassen ergriffen hat, kann sein blaues Wunder erleben.

Ohne Rücklaufvorkehrungen kann das Wasser aus dem Hauptkanal in den Keller laufen. Und Oberflächenwasser sucht sich seinen Weg über Teppenabgänge, Lichtschächte und Tiefgarageneinfahrten ins Gebäudeinnere. Die Message des Animationsfilmes der Stadt Kronberg ist klar: Eigentümer müssen das Ihre tun, um präventiv Schäden von Immobilie und Hausrat abzuwenden.

Der achtminütige Film zeigte nicht nur Handlungsoptionen auf, er war auch die passende Einstimmung für die Bürgerversammlung, zu der Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche (CDU) für Donnerstagabend in die Taunushalle eingeladen hatte. Nur wenige der Stühle blieben an dem Abend leer. Den Zuspruch nannte Bürgermeister Christoph König (SPD) erfreulich, aber nicht unerwartet. Schließlich war eine ähnliche Veranstaltung vor wenigen Jahren im Haus Altkönig ebenfalls gut besucht gewesen.

Seit dem 9. Juni 2018 ist Starkregen und das damit verbundene Hochwasser ein Thema in der Burgstadt. Damals hatte es vor allem die Ortskerne von Oberhöchstadt und Schönberg erwischt. Viele Keller soffen regelrecht ab.

"Früher nannte man so etwas Jahrhundertunwetter, heute sind daraus wiederkehrende Starkregenereignisse geworden", stellte Knoche lakonisch fest. Denn nur zwei Jahre später bot sich in den Kronberger Stadtteilen ein ähnliches Bild. Da waren die gröbsten Schäden an der Albanuskirche in Schönberg gerade erst behoben worden.

Sehr bald war klar geworden, dass es nicht die eine große Schutzmaßnahme geben kann, die alle Probleme löst. Vielmehr ist eine Vielzahl von größeren und kleineren Maßnahmen vonnöten, um dem Hochwasser die Spitze und dem Unwetter den Schrecken zu nehmen.

Vorhandenes Wissen verknüpfen

Wichtig sei bei allen Anstrengungen gegen Unwetterschäden, das vorhandene Wissen zu vernetzen, machte Andreas Felden, Leiter des Fachbereichs Bauen und Facilitymanagement, deutlich. Spätestens bei einem Audit, an dem nicht nur die Stadt, sondern etliche weitere Akteure (zum Beispiel Landwirte, Vertreter des Forstes, Betroffene) teilnahmen, kristallisierte sich eine Stoßrichtung heraus: Hochwasserschutz muss möglichst früh ansetzen. "Was tun wir, damit das Wasser gar nicht erst zu den Grundstücken gelangt?", formulierte Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) eine zentrale Frage.

Kronbergs Verbündeter im Kampf für den Hochwasserschutz ist das Ingenieurbüro "Aquadrat". Das hat, wie Arne Klawitter vorstellte, eine topographische Analyse erstellt und Fließwege identifiziert. Aufgenommen wurden auch Senken (Lage und Tiefe). Diese sollen nach und nach für den Hochwasserschutz aktiviert und ertüchtigt werden. Dazu zählen etwa eine Senke nördlich der B 455 und ein alter Steinbruch in der Nähe des Roten Hanges.

Eine weitere, kleinere Senke könnte an der Kreuzung Hainstraße/Friedrichstraße entstehen. Sie soll das Oberflächenwasser aufnehmen, das eigentlich in den Kanal unter der Hainstraße laufen soll, das in der Praxis aber die Friedrichstraße hinabläuft und sich im Ortskern von Schönberg sammelt. (Eine weitere Karte zeigt das Gefährdungspotenzial - der Ortskern rund um Albanuskirche, Taunushalle und Schule ist als tiefrote Fläche dargestellt.)

Zu den Maßnahmen gehört die Schaffung eines Rückhaltebeckens am Oberen Aufstieg. Mit einzelnen Auffangaufrichtungen aus naturnahen Materialien schon im Wald soll potenzielles Treibgut frühzeitig zurückgehalten werden. So können die Rechen der Bäche in den Orten entlastet und vor dem Verstopfen geschützt werden.

Eine Anwohnerin fragte nach, warum immer wieder die Straßenabflüsse verstopft seien. Felden kündigte an, die Intervalle der Sinkkastenreinigung deutlich zu verkürzen und sie insbesondere dann zu inspizieren, bevor mit Starkregen zu rechnen sei - also im Frühjahr und im Herbst.

Auf die Frage zum Zustand des Rentbachs räumte Siedler ein; "Bei einigen Gewässern sind wir im Hintertreffen." Derzeit sei die Stadt jedoch auf der Suche nach einen Wasserbauingenieur. Die zusätzliche Stelle sei bereits geschaffen worden.

Sandra Poschmann, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, wies auf den Beitrag der Stadt hin, die sie zum Klimaschutz leisten wolle. Klimaschutzbeauftragte Friedrich Horn will bis zum Ende des Jahres einen ersten Entwurf des Klimaschutzkonzeptes vorlegen, mit dessen Hilfe der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden soll.

Zudem hat laut Poschmann die Stadt begonnen, ein Klimaanpassungskonzept zu erarbeiten. Darin geht es darum, mit den konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf Kronberg umzugehen. Denn neben Starkregen muss sich die Stadt auch auf Hitze, Trockenheit und Stürme einstellen.

Wolfgang Reuber, der im Hochtaunuskreis für den Katastrophenschutz zuständig ist, hatte zu Beginn des Abends dargestellt, wie Unwetterwarnungen die Einsatzkräfte und die Bürger erreichen. Das Sirenennetz soll ausgebaut werden, da Warn-Apps nachts häufig nicht gehört werden. Viele Informationen zu den Themen hat die Stadt auf ihrer Homepage gebündelt. Ein Besuch lohnt sich. Boris Schöppner

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