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Julia Simon alias Claudia Siedenbiedel hat einen Frauenroman geschrieben, der im Taunus spielt.

Buch zum Anbeißen

Kronberger Autorin debütiert mit Frauenroman "Traumtörtchen"

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Julia Simon legt mit „Traumtörtchen“ ihren ersten Unterhaltungsroman vor. Im richtigen Leben heißt die Kronbergerin anders. Aber der Name ist zu kompliziert, um den Buchmarkt zu stürmen.

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Das Valentin-Zitat trifft natürlich auch auf Literatur zu. Und für das erste Buch gilt das besonders. Claudia Siedenbiedel hat diese Erfahrung gerade gemacht, ihr Roman „Traumtörtchen“ ist jetzt aus der Druckerei gekommen. Ein erhabenes Gefühl, als ihr der Paketbote die 15 Belegexemplare des Verlags in die Hand drückte.

Für einen fluffigen Frauenroman taugt der Name Siedenbiedel allerdings nicht. Hat die Agentin gesagt. Also hat sich die Kronbergerin ein Pseudonym zugelegt: Julia Simon. Die Welt der Unterhaltungsliteratur hat ihre eigenen Regeln. Ein Frauenroman sollte 300 Seiten haben, mindestens. Sonst gibt es Abschläge beim Preis. Und 300 Seiten sind eine lange Strecke. Ohne Hilfe, Beratung und Unterstützung hätte die Autorin das wohl nicht durchgehalten. Drei Mal hatte sie schon drauflosgeschrieben, drei Anfänge verfasst – mit jeweils 100 Seiten. Doch jedes Mal blieb die Geschichte stecken. Diesmal sollte es anders werden.

Ein Schlüssel dazu war die Teilnahme an einem Schreibkurs mit einer professionellen Lektorin. Da wurde der Kronbergerin klar, wie wichtig es ist, einen Fahrplan, ein Grundgerüst zu haben. Ein halbes Jahr lang feilte sie am Plot, legte Kapitel für Kapitel fest, was darin geschehen soll.

„Traumtörtchen“ erzählt die Geschichte einer Frau, die in „Kronstein“ wohnt, ihren gutdotierten Beraterjob an den Nagel hängt, um sich als Konditorin selbstständig zu machen. „Als Inspiration hat mir Nadja-Nina Hanussek von Marmelina gedient. Die habe ich detailliert ausgefragt und ihr das Manuskript, als es fertig war, zum Lesen gegeben.“

Ihr habe die Geschichte gut gefallen, Anmerkungen beschränkten sich auf fachliche Fragen in Sachen Backrezepte (die finden sich am Ende des Buches) und Geschäftsgründung. „Die Fakten müssen stimmen – auch bei einem Unterhaltungsroman“, sagt Claudia Siedenbiedel.

Der Konflikt, der im Zentrum steht und die Geschichte nach vorne bringt, ist die Entscheidung der Protagonistin Nina zwischen Babywunsch oder der großen Liebe. Eigentlich ist sie mit einem soliden und beruflich erfolgreichen Partner zusammen, der bereit ist, eine Familie mit ihr zu gründen. Doch dann verliebt sie sich in einen geschiedenen Mann, der zwei Kinder hat und für den feststeht, dass er keine weiteren in die Welt setzen will. An einer Stelle scheint ihre Entscheidung festzustehen, doch dann kommen Zweifel, ob und wie sie es dem Geliebten sagen soll: „Ich bin zwar total glücklich mit dir, aber ich kriege lieber ein paar Kinder mit einem herablassenden wendigen Lügner, der fast nie zu Haus ist und mich eigentlich nicht ernst nimmt.“ Nee, geht gar nicht.

Trotz des fertigen Gerüsts, das der Geschichte zu Grunde liegt, blieb genügend Freiraum, in dem sich die Figuren entwickeln konnte. So schmückt sie die Rolle eines Kameramannes aus, indem sie ihn mit seinem Berliner Akzent länger zu Wort kommen lässt, als geplant. Eine große Bedeutung für das Gelingen eines Romans haben die Dialoge. Sie so zu schreiben, dass sie nicht platt wirken, sondern anregend und lebendig, ist eine große Herausforderung. Im Schreibkurs hat sie den Hinweis bekommen, sich mit den Dialogen des Altmeisters Ernest Hemingway zu befassen.

Für die studierte Germanistin, die seit 15 Jahren bei einem deutschen Wirtschaftsunternehmen in der Marketingabteilung arbeitet, ist das Schreiben von Unterhaltungsliteratur ein willkommener Ausgleich zum Beruf. Sie genießt es, die „Fantasie fliegen“ zu lassen. An wirkliche Durststrecken kann sie sich nicht erinnern, wohl aber daran, dass sie regelrecht in einen Schreibrausch kam.

„Ich bekommen beim Schreiben gute Laune“, erklärt sie. Das liegt am Genre. Einen Krimi zu schreiben, das käme für sie nicht infrage. Schon allein deshalb nicht, weil sie sich vor den blutigen Details fürchtet. Und sie erinnert sich, wie sie einmal versuchte, im Stile Christa Wolfs, eine ihrer Lieblingsautorinnen, zu schreiben, und dabei schlecht drauf kam. Auch das Verfassen eines Sachbuches kommt für sie nicht in Betracht, weil da der Spaßfaktor fehle. Sie genießt es, neben ihrem Beruf schreiben zu können, ohne davon Leben zu müssen.

Geschrieben hat die berufstätige Mutter meist abends, während der Mann mit Kopfhörern Fernsehen guckte. Vor Abgabeterminen nahm sie auch etwas von ihrem Jahresurlaub. Und als Mann und Tochter im Skiurlaub die Pisten hinuntersausten, blieb sie auf dem Zimmer, um in die Tasten zu hauen.

Während sich manch anderer Autor in exotische Landschaften mit Traumstränden fantasiert, ist „Traumtörtchen“ im Taunus verortet. Für die Autorin, die, Jahrgang 1969, auf einem Bauernhof groß geworden ist und aus der Nähe von Berlin und Potsdam stammt, ist das eine faszinierende Kulisse. „Hier gibt es viele tolle und interessante Menschen, auch wenn sich einige nur über ihren Status definieren.“

Für diese Schickimicki-Frauen gibt es dann ein paar Spitzen, etwa, als sich Ninas Freundin Antonia über die gertenschlanken Vierfach-Mütter aus der Kindergartengruppe aufregt: „Was meinst du, wie blöd die mich angemacht haben, weil ich nur ein Kind habe. Ein Kind ist kein Kind. Einen Charity-Vorstandsposten kann ich auch nicht vorweisen, und dann habe ich auch noch Knabbergebäck aus der Tüte mitgebracht.“

Claudia Siedenbiedel hat schon eine Idee für den nächsten Roman. Eine Figur, die bereits in „Traumtörtchen“ eingeführt wurde, könnte dann die Hauptrolle übernehmen. Ob es so kommt, hängt nicht zuletzt vom wirtschaftlichen Erfolg des Buches ab. In den nächsten Wochen und Monaten ist die Kronbergerin erst einmal mit der Vermarktung befasst. Dafür nutzt sie vor allem die sozialen Medien. Am Donnerstag, 1. Juni, wird sie in der Kronberger Bücherstube aus ihrem Erstlingswerk lesen.

Julia Simon, „Traumtörtchen“, Lyx-Verlag, 10 Euro.

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