Kronberger Genossen entdecken die Gerechtigkeit

  • VonBoris Schöppner
    schließen

Stadtentwicklung und soziale Gerechtigkeit, das könnten zwei der Themen sein, mit denen die Kronberger Sozialdemokraten in den Kommunalwahlkampf 2016 ziehen. Das Team um Vorsitzenden Thomas Kämpfer bestätigten die Genossen bei der Mitgliederversammlung.

Die Versammlung war fast schon gelaufen. Über die meisten lokalen Themen, die die Kronberger Sozialdemokraten im vergangenen Jahr als Fraktion im Stadtparlament oder als Ortsverein beschäftigt hatten, war bereits gesprochen worden. Der Vorstand war gewählt und die Mitglieder für die Wahlkampfkommission bestimmt, als sich Genosse Ernst Welteke, einst Mitglied des Kabinetts von Hans Eichel in Wiesbaden und Präsident der Deutschen Bundesbank, zu Wort meldete und seinen Mitstreitern nahelegte, sich des Themas Gerechtigkeit anzunehmen. Die Gesellschaft falle auseinander, sagte er und bezog sich unter anderem auf die aktuelle Oxfam-Studie. Kronberg gelte wegen der hohen Zahl der dort wohnenden Millionäre als Stadt der reichen Leute. Privater Reichtum treffe auf öffentliche Armut. „Die einen haben ihr eigenes Schwimmbad, die anderen zahlen immer mehr für den Eintritt ins Waldschwimmbad.“ Der eine habe einen eigenen Gymnastikraum im Keller seiner Villa – und im Haus Altkönig breche die Nottreppe weg und es regne durchs Dach.

Lebhafte Diskussion

Gut möglich, dass das Thema in den nächsten Monaten von den Sozialdemokraten immer mal wieder aufgegriffen wird und Einzug in den Kommunalwahlkampf hält. Wie Stadtverordneter Thomas Maurer erklärte, gehe es jetzt darum, bei den Themenfeldern Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Kultur sowie Jugend und Familie Positionen zu definieren und nach vorne zu bringen. Das soll vor allem die KoWaKo, die Kommunalwahlkampfkommission, unter dem Vorsitz von Altbürgermeister Wilhelm Kreß leisten. Ulrich Heinecke kündigte an, für originellere Wahlkampfaktionen im Stile der Guerillakommunikation zu sorgen, als sich ausschließlich mit Infoständen auf Kronbergs Plätzen zu präsentieren und Kugelschreiber zu verteilen.

30 Genossen des Ortsvereins waren am Freitagabend in den Dallessaal in Oberhöchstadt gekommen und hatten zum Teil recht lebhaft über die mögliche Schließung des Philosophenwegs, die Startschwierigkeiten des neuen Stadtbussystems, eine Belebung der Friedrich-Ebert-Straße und die Zukunft des Abs-Geländes diskutiert.

Fraktionsvize Wolfgang Haas zeigte sich hocherfreut angesichts der engagierten politischen Diskussion und betonte, dass es der SPD gelungen sei, beim Thema Stadtentwicklung einen Akzent zu setzen. Die Zustimmung zum B-Plan „Schillergärten“ werde man – das sei auch Position der schwarz-roten Koalition – von der Quote sozialgeförderten und bezahlbaren Wohnraums auf dem Gesamtareal des Bahnhofsquartiers abhängig machen.

Vorstandsmitglied Andrea Poerschke stellte fest: „Stadtentwicklung geht nur mit den Bürgern.“ Gute Erfahrungen, die Betroffenen in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen, habe man gemacht, als es darum ging, die Kita-Gebühren zu erhöhen, erinnerte Fraktionschef Christoph König. Bei den Eltern habe es am Schluss eine breite Akzeptanz gegeben.

Attacken gegen die KfB

Während Fraktionschef König nach seinem Bericht über die Arbeit im Parlament, die von der Haushaltskonsolidierung gekennzeichnet sei, noch recht allgemein ankündigte, im Zuge des Wahlkampfes würden die Parteien ihr Profil schärfen, hatte Haas seinen Hauptgegner längst ausgemacht und war gleich mehrfach scharfe Attacken gegen die KfB geritten. Der KfB-Fraktion warf er Populismus vor. Er erinnerte daran, dass die KfB als einzige Fraktion dagegen gestimmt habe, am Jugendzeltplatz des Fritz-Emmel-Hauses die Möglichkeit zu schaffen, eine Unterkunft für Flüchtlinge zu errichten.

Das Engagement für die Flüchtlinge in Kronberg war auch ein Thema im Jahresbericht von Vorsitzendem Thomas Kämpfer. Schließlich sei nicht nur Stadtrat Hans Robert Philippi Integrationsdezernent geworden, sondern es arbeiteten auch andere Sozialdemokraten bei der Flüchtlingshilfe mit.

Kämpfer stellte zudem die nächsten Termine für die Wahlkampfvorbereitung vor: Ende Febraur werden Vorstand und Fraktion in Klausur gehen und erste Ideen für das Wahlprogramm diskutieren. In größeren und kleineren Sitzungen und Mitgliederversammlungen sollen die Themen ausgearbeitet werden. Ende 2015 soll die Kandidatenliste stehen, Anfang 2016 das Wahlprogramm. Die Kommunalwahl ist im Frühjahr.

Der Vorstand, der die SPD in den Kommunalwahlkampf führen soll, wurde an dem Abend ebenfalls gewählt: Thomas Kämpfer als Vorsitzender, Andrea Poerschke und Katharina Mauch als Stellvertreterinnen, Eberhard Bethke als Kassierer, Karl Eilhard-Papouscheck als Schriftführer, Bernhard Schneider als Pressesprecher sowie Helmut Ebner, Ulrich Heinecke und Axel Heimerl als Beisitzer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare