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Abgerissenes Plakat in der Bleichstraße, fotografiert am Sonntag um 9 Uhr.

Bürgermeister-Wahlkampf

Kronberger Plakat-Zerstörer erwischt und angezeigt

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Politiker legen sich erfolgreich auf die Lauer - Solidarität mit politischen Mitbewerbern

Kronberg – Einer der Plakatreißer ist offenbar erwischt worden. Seit Wochen werden vor allem die Wahlplakate der FDP-Bürgermeisterkandidatin Kristina Fröhlich von den städtischen Plakatwänden heruntergerissen.

"Wir mussten mehrfach wöchentlich nachplakatieren, meist allerdings waren diese Werbeträger am nächsten Morgen schon wieder zerstört", so der Kronberger FDP-Vorsitzende Holger Grupe. Der Wahlkampf Fröhlichs werde offenbar systematisch zu sabotiert.

Das bestätigt auch Gabriela Roßbach (SPD), die eigentlich den unabhängigen Kandidaten Christoph König (SPD) unterstützt. "Plakatzerstörungen treffen in ganz besonderem Ausmaß die Plakate von Kristina Fröhlich. Gestern (Sonntag) Abend an der Plakatwand Ecke Bleichstraße/Bahnhofstraße: Plakat intakt, heute (Montag) morgen abgerissen. Das ist täglich und gezielt und schlimmer als in allen bisherigen Wahlkämpfen", schrieb sie uns gestern. Auch ein Plakat Königs sei gestern wieder beschädigt worden. "Da hat jemand den Kopf herausgeschnitten", berichtet sie.

Treffen um 4 Uhr früh

CDU-Bürgermeisterkandidat Andreas Becker solidarisiert sich und geht mit den Plakat-Vandalen ins Gericht: "Ich finde es völlig inakzeptabel, dass Wahlplakate beschädigt werden. Dabei ist egal, um welche Kandidatin oder welchen Kandidaten es sich handelt. Ich stelle mich - auch wenn das ungewöhnlich erscheint - ganz bewusst vor meine Mitbewerber."

Am frühen Sonntagmorgen haben sich Freiwillige aus der FDP, der SPD und von den Grünen zur Plakat-Bewachung getroffen. Und zwar unter der Leitung von FDP-Mitglied Björn Resch, der zugleich Vorsitzender der Jungen Liberalen ist.

An vier der meist betroffenen Plakatwände haben sich die Politiker auf Beobachtungsposten begeben. "Die erste Schicht der parteiübergreifenden Gruppe begann bereits um 4 Uhr morgens bei Nacht und Nebel und eisigen 2 Grad Celsius", berichtet Grupe.

Gegen 10 Uhr endlich haben die Plakat-Wächter einen Mann gesehen, der von zwei Plakatständern Plakate abriss. Ihre Beobachtungen samt Fotomaterial haben sie inzwischen der Polizei übergeben. Und die FDP hat Anzeige erstattet.

Der Plakatabreißer bekommt jetzt wahrscheinlich Besuch von der Polizei. Denn das Abreißen von Wahlplakaten ist eine Straftat. Die Gruppe hoffe nun, dass der undemokratische Spuk ein Ende hat. Und Becker betont: "Freie und geheime Wahlen und öffentliche Präsentation sind demokratische Grundrechte, die den Rechtsstaat ausmachen." Grundsätzlich solle gelten, "dass man fair miteinander umgeht, dass man Fehlverhalten ahndet und alle in Kronberg den guten politischen Stil weiter pflegen". Die Bürger wollten keinen Streit und auch keine unfairen Übergriffe.

Termin für die Bürgermeisterwahl ist am Sonntag, 1. November. Falls es zur Stichwahl kommen sollte, wäre diese zwei Wochen darauf. Von Christiane Paiement-Gensrich

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