Kronberger Sozialdemokraten ehren Kreß, Budelski und Stuckenschmidt

Bei „alten“ Ehepaaren bleibt an Weihnachten der Gabentisch oft leer: „Wir schenken uns nichts, wir haben schon alles!“ Das ist meistens ebenso wahr wie praktisch – dann, wenn einem trotz Nachdenken nichts einfällt, was man dem anderen dennoch schenken könnte ...

Die Kronberger SPD musste lange nachdenken, was sie ihrem „Stucki“ in Würdigung seines politischen Lebenswerkes überreichen könnte. Er hatte tatsächlich schon alles, fast alles: Willy-Brandt-Medaille? Hat er. Ehrenbrief des Landes Hessen? Hat er auch. Bundesverdienstkreuz? Klar, hat er. Eins hatte Peter Stuckenschmidt bislang aber noch nicht: Eine „Museumsufer-Card“. Nun hat er auch die. 34 Frankfurter Museen kann er damit ein Jahr lang besuchen, so oft er will.

Stuckenschmidt ist so etwas wie das kulturelle Gewissen der Kronberger Sozialdemokratie. Deshalb war es schon „großes Kino“, wie er am, Sonntag in demselben – den „Kronberger Lichtspielen“ im Nachgang zu seinem 75. Geburtstag von seinen Genossen geehrt wurde. Die SPD will die Burgstadt im Wege eines Schwerpunktprogramms in der kulturellen Szene des Rhein-Main-Gebietes neu verorten. Da kam ihnen „Stucki“, der Mann, der schon alles hat – Ehrungen wie Sinn für Kultur und 25 Jahre Parlamentserfahrung – gerade recht. Wolfgang Haas beschrieb ihn mit launigen Worten als Experten für knappe Mehrheiten in Koalitionen mit wechselnden Partnern und nannte ihn „Zuchtmeister“, denn als Fraktionschef habe er öfter die Zügel anziehen müssen, damit die Fuhre die Spur hält.

Große Ehrungen gab es am Sonntag nach der Matinee mit Bäppi La Belle auch noch für zwei weitere Granden der Kronberger SPD: Altbürgermeister Wilhelm Kreß, kürzlich 70 geworden, und Ex-Stadtrat Günter Budelski, dem-nächst 75 werdend. Beide sind das, was man „Urgesteine“ nennt, und beide bekamen in Anerkennung ihrer Verdienste die Willy-Brandt-Medaille, die höchste Auszeichnung, die die SPD zu vergeben hat.

Christoph König führte den Erfolg von Kreß in 18 Jahren als Bürgermeister auf die Mischung aus „Echtheit und westfälischen Charme“ zurück. An seiner noch Jahre später nachwirkenden Popularität und der ihm entgegengebrachten Wertschätzung änderten die von ihm vertretenen, nicht immer populären Entscheidungen ebenso wenig etwas, wie der Malus, dass er Handkäse immer noch mit Messer und Gabel verzehre.

Laudator für Günter Budelski war Ulrich Heinecke. Budelski sei ein politischer Mensch, weit politischer, als die meisten politischen Menschen und ein geradliniger dazu. So habe er bereits das zweite rote Parteibuch in der Tasche. Das erste habe der leidenschaftliche und früh zu Verantwortung gekommene Gewerkschafter seinerzeit verärgert zurückgegeben. Die 1968 von der Großen Koalition beschlossenen Notstandsgesetze waren nicht Budelskis Sache. Später trat er dann wieder ein.

19 Jahre lang saß Budelski für die SPD im Magistrat, was ihn nicht davon abhielt, auch im Parteivorstand und an vielen anderen Stellen der Gesellschaft und im Sport aktiv zu sein. Nach der höchstmöglichen Parteiehrung geht der Ehrungsmarathon für den Ex-Langstreckenläufer heute mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes als höchste staatliche Auszeichnung gleich weiter ...

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