Fraktionen unsicher

Kronberger Stadtparlament vetragt Campus-Entscheidung

  • vonBoris Schöppner
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Die Sondersitzung des Stadtparlaments zur Änderung des Bebauungsplans für das Areal zwischen Campus Kronberg und der Immanuel-Kant-Straße hat kein greifbares Ergebnis gebracht. Wegen weiterem Informations- und Beratungsbedarf der Fraktionen schob der Magistrat seine Vorlage ins neue Jahr.

Der öffentliche Teil der Sitzung war schnell vorbei. Kaum hatte Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche (CDU) die Sondersitzung am Dienstagabend im Rathaus eröffnet, trat Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) ans Mikrofon und verkündete, dass der Magistrat die Vorlage zur Bebauungsplanänderung für einen Teil des „Bendersees“ in die nächste Sitzungsrunde schiebt. Bei den Fraktionen gäbe es noch Informations- und Beratungsbedarf.

Der war noch immer nicht gestillt, obwohl sich die Fraktionen bereits zwei Stunden vor Sitzungsbeginn mit dem Magistrat getroffen hatten, um offene Fragen zu erörtern. Temmen erklärte auf Nachfrage, es gehe um eventuelle Entschädigungsfragen und die Amtshaftpflicht. Wie teuer könnte es die Stadt kommen, wenn Bonava wegen der B-Plan-Änderung den Klageweg beschreitet?

Die Vorlage des Magistrats sieht vor, aus dem Mischgebiet, wie es der aktuelle B-Plan vorsieht, ein Gewerbegebiet für nichtstörendes Gewerbe zu machen. Brisant daran: Die Bonava Deutschland GmbH hat zwei Drittel des Grundstücks – 4800 Quadratmeter – von der OFB Projektentwicklungs GmbH erworben. Ein Drittel hat die OFB für gewerbliche Nutzung behalten. Konkrete Pläne für einen Gewerbebau gibt es allerdings laut Aussagen einer Unternehmenssprecherin noch nicht.

Die Bonava hat vor, wir berichteten bereits, auf den erworbenen zwei Dritteln zu hundert Prozent Eigentumswohnungen zu errichten. In einem Schreiben an unsere Zeitung heißt es: „Die Bonava-Planungen mit zwei Mehrfamilienhäusern entsprechen den Vorgaben des Bebauungsplans, den die Stadt Kronberg im Jahr 2001 verabschiedet hat. Damals war ein Mischgebiet als Pufferzone zwischen den benachbarten Wohnsiedlungen und Gewerbeflächen ausgewiesen worden, um geräuschintensive und luftverschmutzende Betriebe an dieser Stelle zu verhindern.“

Aussage gegen Aussage

Die hundertprozentige Bebauung von zwei Dritteln der Fläche mit Wohnbebauung könnte zwar noch in Ordnung sein, vorausgesetzt das restliche Drittel werde gewerblich genutzt. Doch qualitativ sei das zu beanstanden, argumentiert hingegen Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos). An dieser Auffassung habe sich auch nach der Einholung juristischen Rates nichts geändert. Auf diesen Umstand habe man die Bonava GmbH immer wieder hingewiesen, beteuert Bürgermeister Temmen.

Hier stehen Aussage gegen Aussage. So bekräftigte der Bürgermeister am Rande der Sondersitzung, man habe die Bedenken gegen die Bonava-Pläne sowohl im Gespräch als auch in einem Schreiben im März geltend gemacht, während Unternehmenssprecher Christian Köhn dabei bleibt, dass niemand in seinem Hause ein solches Schreiben kenne. Dort gebe es also Auffassungsunterschiede.

„Es gibt einen B-Plan, auf den haben wir uns verlassen“, sagt Köhn. Die erarbeiteten Pläne für die beiden Wohnhäuser mit 41 Eigentumswohnungen seien konform zu den Vorgaben des Mischgebietes. „Den genau zu beziffernden Schaden müsste ein Richter entscheiden, doch er könnte im Millionen-Bereich liegen“, sagt Köhn.

Über den Bauantrag muss die Bauaufsicht des Hochtaunuskreises entscheiden. Kreis-Pressesprecherin Andrea Herzig teilte auf Anfrage mit, dass eine Genehmigung noch nicht erteilt worden sei. Wegen des laufenden Verfahrens könne in der Sache nichts weiter gesagt werden, leider.

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