Die Räume im ehemaligen Altenheim sind seit Monaten verwaist. Die Bewohner sind in das Seniorenstift Hohenwald umgezogen. Nun wird geprüft, wie das Grundstück in Zukunft genutzt werden kann.
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Die Räume im ehemaligen Altenheim sind seit Monaten verwaist. Die Bewohner sind in das Seniorenstift Hohenwald umgezogen. Nun wird geprüft, wie das Grundstück in Zukunft genutzt werden kann.

Ehemaliges Kronberger Seniorenstift

Kronthal als Chance

  • VonDavid Schahinian
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Zukunft des Areals im Kronberger Kronthal ist weiterhin offen

Kronberg -Nach 96 Jahren gingen im Sommer dieses Jahres die Lichter im Seniorenstift Kronthal zwar nicht überraschend, aber doch nahezu unbemerkt aus. Die meisten Bewohner zogen ins Seniorenstift Hohenwald um, das ebenfalls von der gemeinnützigen Stiftung Hospital zum Heiligen Geist betrieben wird. Wie diese berichtet, haben gleich mehrere Gründe zur letztlich recht kurzfristigen Schließung des Hauses geführt. Von der Entscheidung der Geschäftsleitung im April bis zum Vollzug im Juli vergingen keine drei Monate. Über die mögliche Nachfolgenutzung des Areals wird diskutiert, doch zeichnet sich hier ganz und gar keine kurzfristige Entscheidung ab.

Seit vielen Jahren wurde wiederholt über die Sanierung, einen Neubau oder die Schließung des Seniorenstifts Kronthal diskutiert. Die Voraussetzungen für eine moderne und gute Altenpflege seien nicht mehr gegeben gewesen, berichtet Dagmar Lavi, Einrichtungsleiterin beider Häuser. Man habe einsehen müssen, dass das Haus in dieser Form am Ende seiner Lebenszeit angekommen sei.

Der zweite Hauptgrund sei die Pandemie gewesen, sagt Falko Rapp, Direktor der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Das Kronthal-Stift sei aufgrund seiner etwas abseitigen Lage etwas für mobilere Bewohner gewesen. Im Zuge von Corona seien aber verstärkt Anfragen für schwer pflegebedürftige Personen eingegangen. Die Konzeptionierung des Standorts stellte sich so als zunehmend schwierig heraus. "Wir haben uns in dieser Situation dafür entschieden, die Chance zu nutzen, unsere Bemühungen in der Altenpflege am Standort Hohenwald zu konzentrieren." Dort wird derzeit saniert und ausgebaut.

Die Bewohner - am Ende war Kronthal nur noch zur Hälfte belegt - haben sich nach dem Umzug gut eingelebt, berichten Lavi und Rapp. Dazu habe auch beigetragen, dass ein Teil des Pflegepersonals mit ihnen gewechselt ist, sie also auf langjährige Beziehungen bauen konnten. Teilweise wurden sie in Hohenwald schon am Umzugstag von "ihren" Vertrauenspersonen begrüßt. Allen Mitarbeitern sei ein Angebot innerhalb der Stiftung gemacht worden, betont Rapp: "Es ist niemand freigesetzt worden. Manche haben aber die Möglichkeit genutzt, beruflich neue Schwerpunkte zu setzen und in einen anderen Bereich zu wechseln."

Stiftung sieht sich

in der Verantwortung

Bleibt die Frage, was aus der ehemaligen Seniorenwohnanlage im Kronthal werden soll. Es habe dazu bereits Gespräche mit Bürgermeister Christoph König (SPD) gegeben. Klar sei: "Wir sehen uns als große Stiftung in Kronberg in hoher Verantwortung für die Stadt, der wir uns stellen möchten", so Rapp. Derzeit werde das Gelände für Übungen der Feuerwehr und der Polizei genutzt. Zwischen den Zeilen lässt sich heraushören, dass die Stiftung nicht abgeneigt ist, dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Die Stadt wohl auch, aber: "Das Ganze ist planungsrechtlich mit großen Einschränkungen verbunden", sagt König. "Wir sind im Außenbereich und haben dort keinen Bebauungsplan." Der regionale Flächennutzungsplan sehe eine Sonderfläche für Gemeinbedarf vor. Zudem sei der Standort derzeit nur über einen einspurigen Feldweg erschlossen, der auf eine Landesstraße münde, die im Main-Taunus-Kreis liegt - es seien also mehrere Vorhabenträger mit im Boot. Es bestehe aber bereits Einvernehmen mit der Stiftung als Eigentümer, dort keinen neuen Siedlungskern mit hochpreisigen Wohnungen entstehen zu lassen.

Für bestimmte

Zielgruppen

"Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich mir in den Grenzen des jetzigen Bestands Wohnen für Zielgruppen wie Altenpfleger, Erzieher, Auszubildende oder Handwerksgesellen wünschen", so König. Zum einen liege der Ball aber im Spielfeld der Stiftung, zum anderen müsse sich am Ende auch eine politische Mehrheit für die Pläne finden. Darüber hinaus bedeute auch das weitere Planungen. Denn wenn dort etwa Dienstwohnungen entstünden, müsste auch die derzeit kaum vorhandene Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr neu gedacht werden.

Potenzial könnte in diesem Zusammenhang etwa eine Busverbindung nach Bad Soden bieten. "In Kronberg ist das ein alter Wunsch, und ich weiß, dass es auch in Bad Soden durchaus Interesse gibt." Auch in der Regionalparkroute, die durch das Kronthal verläuft, sieht König einen möglichen Anknüpfungspunkt für Entwicklungen. Über das Stadium erster Überlegungen sei man aber bei all dem noch nicht hinaus.

Von David Schahinian

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