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Die Villa Winter in Kronberg.

Stadtverordnetenversammlung

Kultur in der Villa Winter bündeln

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Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Stadtverordneten, dass die Villa Winter zum Kulturhaus werden soll. Allerdings erst, wenn sie nicht mehr als Notunterkunft für Flüchtlinge gebraucht wird.

Die Villa Winter soll zum Kulturhaus werden. Die Mehrheit der Stadtverordneten hat in der jüngsten Sitzung für diese Variante aus dem Immobilienkonzept der Stadt gestimmt. Wichtig ist der Zusatz, der auf Intervention der schwarz-roten Koalition in die Beschlussvorlage aufgenommen wurde: „Mit der baulichen Umsetzung ist erst zu beginnen, wenn die Villa Winter nicht mehr für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt wird.“

Derzeit dient das zentral gelegene Gebäude als Notunterkunft für 14 Flüchtlinge. Die Koalition hatte argumentiert, sie wolle kein falsches politisches Signal setzen und in Zeiten, in denen die Stadt nach privaten Unterkünften für Flüchtlingen sucht, einem städtischen Gebäude, das als Unterkunft dient, diese Widmung entziehen.

Das Dezernat II hatte verschiedene Handlungsoptionen für die Innenstadt Kronbergs geprüft und sich für die Variante ausgesprochen, die das Museum Malerkolonie Kronberg, die Kunstschule und die Geschäftsstelle des Kulturkreises an einem Ort, in der Villa Winter, zusammenführt. Der Hintergrund: Die Stadt versucht, sich von unwirtschaftlichen Immobilien, die sie nicht für die Erfüllung kommunaler Aufgaben benötigt, zu trennen, und die anderen des Immobilienbestands „bestmöglich auszulasten“.

Mehr als 60 000 Euro kostet die Miete für das Malermuseum in der Streitkirche im Jahr. Aktuell muss davon die Stadt nur die Hälfte aufbringen, die andere Hälfte wird von einer Stiftung getragen. Zusagen für eine Spende zum Umbau der Villa Winter und Umzug „versüßen“ laut Oliver Schneider, Fraktionschef der UBG, diese Option sogar noch. Wolfgang Haas, Fraktionsvize der SPD, unterstrich die Bedeutung der Verabschiedung der Vorlage als „Signal an die, die uns Geld geben wollen“. Haas weiter: „Kultur braucht örtliche Bündelung.“ Die jährlichen Einsparungen sollen sich bis auf 100 000 Euro addieren. Wenn die Kunstschule in die Heinrich-Winter-Straße zieht, können die bisherigen Räume in der Receptur vermietet, im Erdgeschoss könnte gar ein Café eröffnet werden.

Auch Andreas Becker, Fraktionschef der CDU, betonte die Chancen, die in einer Vermarktung des Recepturgebäudes stecken. Trotz offener Fragen und kritischer Stimmen in seiner Fraktion halte man das Konzept des Kulturhauses Villa Winter für „sinnvoll“. Es habe aber in der CDU-Fraktion auch Überlegungen gegeben, ob eine solche Kulturadresse nicht besser am Bahnhof angesiedelt sei. Schließlich werde dort der Kammermusiksaal errichtet – das künftige „kulturelle Herz“ Kronbergs.

„Dürftig“ nannte indes Dr. Heide-Margaret Esen-Baur, Fraktionschefin der KfB, die Datenlage, die dem Kulturhaus-Konzept zugrunde liege. Sie zweifelte an, dass die Villa Winter als Ausstellungsort geeignet sei, und fragte, ob denn auch geprüft worden sei, das Museum Malerkolonie in die Receptur zu verlegen. Letztlich wurde aber deutlich, dass es ihr am liebsten wäre, wenn das Museum in der Streitkirche bliebe (wenngleich die KfB 2011 gegen die Verlängerung des Mietvertrages dort votiert hatte).

Auch Volker Stumm, FDP-Fraktionschef, gab zu, dass er der Streitkirche nachtrauern werde. Doch habe er sich davon überzeugen lassen, als die Leiterin der Kunstschule, Dr. Ingrid Ehrhardt, und Hans Robert Philippi von der Museumsgesellschaft „mit glänzenden Augen vom neuen Standort schwärmten“.

„Wir können die Bedenken von unseren Bedenkenträgern restlos beiseiteschieben“, sagte UBG-Mann Schneider in Richtung KfB. Für den Antrag stimmen 21 Stadtverordnete, eine stimmte dagegen, vier enthielten sich.

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