Vortrag in Kronberg

Modernisierer der Malerkolonie

Leben und künstlerisches Schaffen von Fritz Wucherer stand im Mittelpunkt eines Vortrags in Kronberg. Er war bei Anton Burger in die Lehre als Kunstmaler gegangen. Aus Barbizon brachte er den Einfluss des Impressionismus mit in die Kronberger Malerkolonie.

Von WOLFGANG RÜDELL

„Ich brauchte nur aus dem Haus gehen, da stürmten die Eindrücke überwältigend auf mich ein, und ich malte, malte . . .“, beschrieb Fritz Wucherer (1873–1948) den inneren Antrieb für seine künstlerische Arbeit. Und so kommt es, dass wir noch heute bei einem Gang durch Kronberg an vielen Ecken den Motiven begegnen, die einer der letzten Vertreter der Kronberger Malerkolonie stimmungsvoll ins Bild setzte: die Adlergasse, die Receptur, Panoramablicke zum Taunus und in die Mainebene – um nur einige zu nennen.

An „Fritz Wucherer – Maler des alten Kronberg“ erinnerte Robert Philippi, der Vorsitzende der Museumsgesellschaft Kronberg, mit einem reich bebilderten Vortrag vor rund 60 Besuchern im bereits restaurierten Gewölbekeller des Gasthauses Adler. Das Lokal, für das jetzt nach der Restaurierung des Hauses ein Gastronom gesucht wird, galt einst als die „Gute Stube“ der Kronberger Male. Das Kellergewölbe diente damals der Lagerung des Apfelweins.

Als Sohn von Eltern mit fränkischen Wurzeln – der Vater war Kaufmann – wird Fritz Wucherer in Basel geboren. Schon als Kind fühlt er sich von Gemälden angesprochen: Wie seine Mutter erzählte, stand er als Dreijähriger einmal gebannt vor der väterlichen Bildersammlung und sagte ergriffen: „Bilder, prachtvoll.“

1874 ziehen seine Eltern nach Frankfurt. Der Vater unterstützt seinen Wunsch, Maler zu werden. So absolviert Fritz Wucherer von 1982 bis 1895 bei Anton Burger – dem Mitbegründer der Kronberger Malerkolonie – die Ausbildung. Anerkennend verabschiedet der „König von Kronberg“ seinen Schüler zum Ende der Lehrzeit: „Zu einem Handkäs und einem Glas Apfelwein reicht, was du gelernt hast, allemal.“

Während seiner Wanderjahre kommt Wucherer auch nach Barbizon im Wald von Fontainebleau, wo sich „die“ Malerkolonie des 19. Jahrhunderts zusammengefunden hatte, die zu jener Zeit die Landschaftsmaler in ganz Europa beeinflusste. „Wir erkennen deutlich den Einfluss des aufkommenden französischen Impressionismus, den Wucherer in einer lockeren und lichtbetonten Malweise umsetzt“, erläuterte Philippi.

Nach seiner Rückkehr heiratet Wucherer und zieht mit seiner Frau Marie, geb. Zwerger, nach Schönberg. Er schließt sich zunächst der Frankfurter Künstlergesellschaft um Hans Thoma (1839–1924) an. Um die Jahrhundertwende lässt sich das Paar in Kronberg nieder. Wucherer hat alles erreicht, was er wollte: „Meine drei Wünsche hatten sich erfüllt wie im Märchen: Ich war Maler, Ehemann und Kronberger – im Mai 1900 auch Vater eines Söhnchens geworden! Wir waren sehr glücklich!“, berichtet er in seinen Lebenserinnerungen. Fritz Wucherer kehrte lebend aus dem Ersten Weltkrieg zurück.

„Wucherer führt die traditionelle Malweise der Kronberger Künstlerkolonie ins 20. Jahrhundert“, unterstrich der Referent die Bedeutung des Malers für die heimische Kunstszene. Charakteristisch sei sein Malstil, den Philippi so charakterisierte: „Wucherer pflegt einen lockereren, teils großzügigen Pinselstrich, der ihn als gemäßigten Impressionisten zeigt, der jedoch stets an der Wiedererkennbarkeit des Gegenstands festhält.“

So verschieden die Motive der zahlreichen Bilder sind, so ist doch in allen Wucherers selbst formuliertes Ziel erkennbar, „die ganz große Naturstimmung einzufangen“. Für den Maler war es die „Hauptsache“, dass „der Beschauer in die Stimmung versetzt wird, die dem Künstler bei der Anfertigung des Bildes vorschwebte“.

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