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Bürgermeister Klaus Temmen (links), Horst Neugebauer und Volker Humburg (rechts) befragen in Schönberg eine Bürgerin.

Unterschiedliche Ergebnisse

Wir haben nachgefragt, wie sicher sich die Menschen in Kronberg fühlen

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Wie sicher fühlen sich die Menschen in Kronberg? Die Taunus Zeitung war auf dem Ernst-Schneider-Platz bei der Befragung zum Thema Sicherheit dabei. Erschreckend: Es gibt Menschen, die sich nicht mehr trauen, abends ihr Haus zu verlassen.

Schönberg- Für die 67 Jahre alte Schönbergerin steht fest: „Ich fühle mich nicht mehr sicher auf der Straße.“ Was die Frau beunruhigt, sind weniger Vandalismus und Kriminalität als vielmehr das Verhalten der Autofahrer und deren Ignoranz gegenüber der Straßenverkehrsordnung. Sie sieht sich als Radlerin großer Gefahr ausgesetzt, wenn ihr plötzlich auf ihrer Fahrbahn Autos entgegenkommen, die abgestellten Wagen ausweichen. Zunehmend werde auf engen Anliegerstraßen geparkt, weil die Autofahrer ihre Garagen zweckentfremdet hätten.

Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) schreibt eifrig mit, trägt die Angaben in einen der beiden Bögen der „Sicherheitsbefragung“ ein. An diesem Morgen ist er mit Ordnungsamtsleiter Volker Humburg und Marktmeister Horst Neugebauer auf dem Wochenmarkt in Schönberg unterwegs. Eine Stunde lang befragen sie dort im Nieselregen Besucher, wie sicher diese sich im Stadtteil fühlen.

Bässe in der Nacht

Temmens Gesprächspartnerin fühlt sich auch von privaten Techno-Partys gestört, bei denen bis zum frühen Morgen die Bässe wummern. Sie sei froh, sich an der anonymen Befragung beteiligen zu können und die Probleme endlich mal ansprechen zu können sagt sie. Bereitwillig gibt sie deshalb auch Auskunft zur letzten Frage: Ob sie ihr Verhalten geändert habe, um sich sicherer zu fühlen? „Ja“, sagt sie, „ich fahre nur noch auf dem Bürgersteig.“

Dass Radfahrer auf dem Bürgersteig unterwegs sind, das stört prompt die zweite Kronbergerin, die an diesem Morgen von Bürgermeister Temmen befragt wird. Da muss auch der Rathauschef schmunzeln. Die 63-Jährige hat die Radler auf dem Gehweg als eines der gravierendsten Probleme genannt. An erster Stelle steht bei ihr die Situation im Victoriapark. Als Anwohnerin habe sie bereits mehrmals die Polizei gerufen, als es dort zu laut und aggressiv zuging.

Zu Hause fühle sie sich sicher – sowohl tagsüber als auch nachts. „Der Einbrecher, den wir letztens vertrieben haben, kommt so schnell nicht wieder“, ist sie überzeugt. Natürlich schließe sie immer alle Fenster und Türen, wenn sie das Haus verlasse, sagt sie. Daran, dass sie sich sicher fühlt, haben auch ihre Nachbarn einen Anteil: „Die passen auf.“ Sie wünscht sich mehr Streifen im Park und mehr Kontrollen von Radfahrern, die auf dem Gehweg unterwegs sind.

Sicherheitskonferenz

Die Befragung ist der Auftakt für das „Kompass“-Programm des Landes, bei dem die Zusammenarbeit der Stadt mit der Polizei verbessert und maßgeschneiderte Lösungen für die spezifischen Sicherheitsprobleme in der Kommune gefunden werden sollen. „Kompass“ steht für das KOMmunalProgrAmm SicherheitsSiegel, Die Erkenntnisse aus der Befragung sollen dann in einer Sicherheitsanalyse berücksichtigt werden, die während der ersten Sicherheitskonferenz erarbeitet werden soll. Ordnungsamtsleiter Volker Humburg schätzt, dass die Sicherheitskonferenz in Kronberg im April stattfinden wird.

Er spricht mittlerweile mit einer 68-Jährigen. „Ich gehe abends nicht mehr aus dem Haus“, gibt sie zu Protokoll. Als Frau fühle sie sich zu Fuß nach 20 Uhr nicht mehr sicher, sagt sie. Zu ihren negativen Erfahrungen zählt auch eine Begegnung mit Flüchtlingen, die sie angemacht hätten.

Ob sie sich zu Hause sicher fühle? „Eher unsicher“, lässt sie Humburg ankreuzen. „Bei mir ist schon zwei Mal eingebrochen worden“, erzählt sie.

Auswertung nicht einfach

Ein einheitliches Bild der Sicherheitslage ergibt sich aus der Befragung an diesem Vormittag nicht. So gibt eine weitere Frau an, die Sicherheitslage habe sich in der Wiesenau verbessert, seit die Flüchtlinge im Bettenhaus des ehemaligen Religionspädagogischen Zentrums eingezogen sind – denn jetzt sei die Gegend wesentlich belebter. Es wird also nicht einfach, aus den rund hundert Bögen, die bei Befragungen am Berliner Platz, am Dalles und eben am Ernst-Schneider-Platz ausgefüllt werden, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Allerdings wird auf dem Wochenmarkt in Schönberg der Stadtpark recht häufig als problematischer Ort angeführt. So auch von einem 49-Jährigen aus Kronberg. Ihn störe der Vandalismus dort. Er kritisiert die geringe Präsenz des Ordnungsamtes an Abenden und Wochenenden. Er würde es gerne sehen, wenn mehr konkrete Schritte eingeleitet würden: etwa mehr Beleuchtung im Victoriapark. Mitunter können ganz einfache Maßnahmen Wirkung zeigen: So wie im Sommer 2017, als die Stadt kurzerhand zwei Bänke abmontieren ließ, die laute Jugendliche als Lieblingstreffpunkt auserkoren hatten.

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