Nachholbedarf bei der Grünpflege

  • vonBoris Schöppner
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Von morgen an können auf dem Grundstück der ehemaligen Abs-Villa Bäume gefällt werden, die nicht mehr standsicher sind. Ein Rundgang auf dem 45 000 Quadratmeter großen Areal zeigt erheblichen Nachholbedarf bei der Grünpflege.

Der erste Eindruck ist heftig: Rund um das Haus Sandrock ist nur noch eine große braune Fläche. Hier ist Tabula rasa gemacht worden, keine Frage. Das Haus Sandrock steht rechts neben der Auffahrt, die von der Königsteiner Straße auf das Gelände der ehemaligen Abs-Villa führt. Rund um das Haus wurde vor allem der wuchernde Bambus entfernt. Die 2600 Quadratmeter große Fläche wurde aus dem herausparzelliert, was in der Denkmaltopographie als „Königsteiner Straße 24, Sachgesamtheit Villa ter Meer“, bezeichnet wird.

Auch ein Stück weiter, auf der großen Fläche vor der Villa, die gemeinhin als Abs-Villa bekannt ist (siehe Box), sind Büsche in großem Maßstab entfernt worden. Dass sich Nachbarn über solch massive Maßnahmen erschrecken, ist nicht weiter verwunderlich. Zumindest auf den ersten Blick nicht.

Auch Hans-Jürgen Grün, Geschäftsführer der Real Estate GmbH, weiß, dass es nach brachialer Arbeit aussieht. Allerdings verweist er darauf, dass hier lediglich ein Zustand wieder hergestellt werden soll, den der rund 45 000 Quadratmeter große Park vor etlichen Jahren einmal aufwies.

Zwar seien schwere Maschinen zum Einsatz gekommen, doch die seien so bereift gewesen, dass eine unnötige Verdichtung des Erdreichs verhindert worden sei. Die Büsche seien lediglich ausgerissen worden, gepflügt oder geharkt sei das Areal jedoch nicht. Ziel sei es, dass auf der großen Wiese vor der Villa wieder Schlüsselblumen und Buschwindröschen wachsen können. Das sei jedoch nur zu erreichen, wenn die Wiese extensiv gemäht werden kann.

Eigentlich hätte die eine oder andere Buschgruppe gleich mitentfernt werden müssen, doch weil es nicht klar war, ob die nicht als Brutplatz genutzt wurden, habe man sich dafür entschieden, sie erst einmal stehen zu lassen.

In den vergangenen Jahren habe es viele Versäumnisse bei der Gartenpflege gegeben, erläutert Grün und zeigt auf die Stufen der großen Treppe, die von der Terrasse in den Garten führt. Dort sieht man noch die Stümpfe von Büschen und Sträuchern, die ihren Weg durch Ritze und Spalten gefunden haben. Die Versäumnisse der Baumpflege werden auch dort deutlich, wo ein großer Nussbaum schon halb umgestürzt ist und nur noch von einer toten Kirsche gehalten wird.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt sich unter anderem am Schwimmbad: Dort ist ein Baum auf das Gebäude gekracht, hat die Dachrinne beschädigt. Die Krone des Baumes war bereits gekappt, deshalb hält sich der Schaden in Grenzen.

Nun sollen die Arbeiten nachgeholt werden, die bei den Bäumen ausstehen. Insbesondere in den Randbereichen müssen jene Bäume gefällt beziehungsweise beseitigt werden, die drohen umzustürzen und die Sicherheit von Nachbarn und deren Häuser gefährden. Zudem sollen jene Bäume gefällt werden, die andere Bäume zerstören würden, wenn sie umfallen. Reicht ein Rückschnitt, um diese Gefahr zu bannen, werden die Bäume und Äste gestutzt – Pflegehiebe heißt das im Fachjargon.

Das wird die Äste einer alten Esskastanie betreffen, deren hohler Stamm Vögeln einen idealen Brutplatz bietet. Wüchsen hier die Äste weiter, könnte der Stamm auseinanderbrechen, der potenzielle Brutplatz wäre zerstört. Der ökologische Wert der Höhle sei in diesem Fall wichtiger als der des Grüns. Da seien sich die Fachleute der beteiligten Behörden einig. Als Biotop erhalten bleiben soll das Wäldchen im Nordosten des Areals.

„Die Sensibilität des ganzen Geländes war uns von Anfang an bewusst“, sagt Grün. Deshalb erfolgten alle Maßnahmen in enger Absprache mit den zuständigen Behörden, deshalb werde die Real Estate GmbH zwei Biologen beschäftigen (einen Fledermausexperten sowie einen Ornithologen und Fachmann für Laufkäfer), deshalb soll auch ein Baumkataster angelegt und ein Parkpflegekonzept erstellt werden.

Der Magistrat der Stadt Kronberg hat in seiner jüngsten Sitzung am Montag grünes Licht für die Baumpflegemaßnahmen gegeben. Am morgigen Freitag geht es los. Die Eigentümer bitten daher alle Anwohner im Bereich der Grundstücksgrenzen um Vorsicht und Verständnis für die Lärmbelästigungen.

Mit der Vorbereitung von Baumaßnahmen habe das nichts zu tun, versichert Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos).

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