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Vanessa Müller-Raidt macht Platz für die neue Leinwand. Die alte hat über 50 Jahre lang gute Dienste geleistet.

Kino trotzt Corona

Nagelneu in Kronberg: Silbrige Leinwand für strahlende Helden

  • vonEsther Fuchs
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Lichtspiel-Chefin investiert und wünscht sich mehr Zuschauer

Kronberg -Leider darf er noch immer nicht die Welt retten. Die Rede ist von "James, James Bond." Der Kinostart des Streifens "keine Zeit zu sterben" ist erneut verschoben worden und soll nun voraussichtlich Anfang April 2021 sein. Eine Enttäuschung für alle Bond-Fans. Ein Jammer auch für Vanessa Müller-Raidt, Inhaberin der Kronberger Lichtspiele. Sie würde dem britischen Agenten seit ein paar Tagen einen wahrlich glänzenden Auftritt verschaffen. Die Kinobetreiberin hat noch vor der Corona-Pandemie eine nagelneue Kinoleinwand bestellt, die am vergangenen Dienstag geliefert und montiert wurde.

Vanessa Müller-Raidt, ihr Ehemann Martin und eine Handvoll Techniker montierten in mühevoller Detailarbeit die 8 mal 3,50 Meter große silbrig beschichtete Kunststoffleinwand.

Mit einem Anschaffungspreis von rund 18 000 Euro war sie nicht gerade billig. Gut, dass ein Teil der Kosten von der Filmförderungsanstalt Berlin, kurz FFA bezuschusst wurde. Die Auslieferung der bereits 2019 auf Maß bestellten Leinwand wegen der Pandemie zeitlich nach hinten zu schieben, kam für Vanessa Müller-Raidt nicht in die Popcorn-Tüte. Auch wenn Covid-19 einige Steine auf den roten Teppich wirft.

Nicht nur die mittlerweile vierte Verschiebung des Agententhrillers, auch andere mit der Krise einhergehende Widrigkeiten versalzen der Kinobranche das Geschäft. "Überall läuft es derzeit bescheiden", weiß Müller-Raidt und ist etwas ratlos. Gerade Kinos punkteten mit einem ausgeklügelten Frischluftzufuhrsystem und verzeichneten bisher keinen Corona-Fall, ermuntert sie zum Besuch. Das Hygienekonzept sei umfassend.

In den Kronberger Lichtspielen registrierten sich die Kinogäste vor den Aufführungen im Außenbereich an der frischen Luft. Sind alle Kontaktdaten hinterlegt, geht es weiter zur Kinokasse, die durch eine Plexiglasscheibe Schutz bietet. Vor Betreten des Kinosaals werden die Hände an bereitgestellten Desinfektionsspendern desinfiziert. Am Sitzplatz darf man sich des Mund-Nasenschutzes entledigen. Im roten Samtsessel ist es gewohnt gemütlich. Man genießt derzeit unverhofft viel Platz. Zwei Sessel müssen zur Abstandswahrung freibleiben. Maximal 50 von insgesamt 181 Plätzen darf die Kinobetreiberin füllen. Doch selbst diese 50 Sitze sind in den wenigsten Fällen vollständig belegt. Da würde ein Blockbuster wie "Keine Zeit zu sterben", sicherlich Wunder wirken.

"Die Leute sind verunsichert", so Müller-Raidt. Darüber hinaus vermissen viele die gemütliche Atmosphäre, die einen Kinobesuch ausmachte. Das gemeinsame Knabbern aus Chips-, Flips- oder Popcorntüten. Das Rascheln und Knistern. Das Tuscheln und Kuscheln.

Der Kiosk am Eingang ist zwar geöffnet und Pärchen dürfen natürlich nebeneinander sitzen. Doch die Stimmung ist gedämpft. Die Realität in deutschen Kinos gleicht weniger der Bond'schen Weltenrettung, als vielmehr dem britischen Regenhimmel.

Der Titel des Agentenstreifens "keine Zeit zu sterben" macht trotzdem ein bisschen Mut, wenn man so will. Auch in Kronberg. Vanessa Müller-Raidt hat keine Zeit zu verlieren und lässt anderen Streifen den Vortritt "auf der neuen Leinwand, die ein viel besseres, präziseres und strahlenderes Bild hat."

Während Bond-Schauspieler Daniel Craig noch auf sich warten lässt, geben sich Heiner Lauterbach, Jürgen Vogel und Hilmi Sözer dort bereits ihr Stelldichein. In der Komödie "Es ist zu Deinem Besten" sind sie keine Weltenretter. Ihre Mission richtet sich an die Lachmuskeln der Gäste. Und das Lachen sollte man sich auch in Covid-Zeiten nicht nehmen lassen.

Von Esther Fuchs

Martin Müller-Raidt (l.) und ein Team aus Technikern geben den Blick hinter die Leinwand des Kinos frei.

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