Kombinierter Geh- und Radweg

Odszuck über ADFC verärgert

  • VonBoris Schöppner
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Der kombinierte Geh- und Radweg an der Frankfurter Straße erregt weiter die Gemüter. Stadtrat Odszuck weist jüngste Kritik des ADFC zurück.

Mag sein, dass alles nur ein Missverständnis ist, das sich in Wohlgefallen auflöst, wenn erst einmal die Markierungen aufgebracht sind. Doch bislang provoziert der kombinierte Rad- und Fußweg am sanierten Teil der Frankfurter Straße ständig Reaktionen und Gegenreaktionen.

Der ADFC hatte kürzlich erst die Einladung zum ersten Jahrestreffen genutzt, um sich über die „Wohltat“ zu mokieren. Das ärgert Ersten Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos), der in der geförderten Maßnahme eine deutliche Verbesserung für die Radfahrer sieht. „Vielleicht sollte man klarstellen, dass wir die Wege für den nichtmotorisierten Verkehr nicht als ,Wohltat‘ dem ADFC gegenüber errichten, sondern für die Kronberger Bürger und alle Menschen, die sich auf ihnen bewegen und damit auf ein Fahrzeug verzichten“, sagt der Erste Stadtrat. Und: „Wir hören uns gerne die Meinung der ehrenamtlich Engagierten an und lassen uns Anregungen geben. Aber letztlich ist die Stadt alleine für ihr Wegenetz verantwortlich und diese Verantwortung nimmt sie auch alleine wahr.“

Irrtum statt Kritik

Ganz offenbar hat es zu Missverständnissen geführt, dass die Markierungen noch fehlen, was sich daran zeigt, dass Kritiker annehmen, der dunkelgrau-gepflasterte Streifen sei der Radweg. Und der sei viel zu schmal, um ihn zu befahren, zumal die Stoßstangen der geparkten Autos darauf reichten. Odszuck stellt deshalb klar: „Der Rad- und Fußweg beginnt hinter dem Streifen. Natürlich soll niemand auf dem Schutzstreifen fahren. Es handelt sich um einen kombinierten Geh- und Radweg, also um ein Mischsystem und nicht um ein Trennsystem.“

Und er hofft, dass die Markierung helfen kann, solche Missverständnisse auszuräumen. „Wenn man durch die Furten an den Einmündungen auf den nicht dunkel abgesetzten Bereich geführt wird, wird man hoffentlich nicht mehr annehmen, dass man auf dem grauen Bereich fahren soll. Was ja angesichts der Lage und der Breite des Streifens an sich eine absurde Idee und auch ein unlogischer Fahrweg ist.“

An einer anderen Stelle sieht es bislang auch noch gefährlich aus, was sich mit der Markierung ändern wird: Am oberen Ende nämlich (Einmündung Minnholzweg), dort, wo der Geh- und Radweg endet und sich die Radler in den fließenden Verkehr einfädeln müssen. Bislang ist dort nur die Absenkung des Bordsteins und der Profilbelag für Sehbehinderte zu sehen. Doch ist dort eine einschwenkende Radspur geplant (siehe Grafik).

Ordnungswidrigkeit

Ein Neu-Kronberger hatte kürzlich bei der Taunus Zeitung angerufen und seine Beobachtung mitgeteilt, dass der neue Geh- und Radweg in beiden Richtungen benutzt wird, also auch bergab. Das sei natürlich so nicht intendiert, heißt es aus dem Rathaus – und schlicht nichts anderes als individuelles Fehlverhalten. „Jeder, der die Straßenverkehrsordnung auch nur ein wenig kennt, weiß, dass man auf Radwegen nur gegen die Fahrtrichtung fahren darf, wenn dies durch eine Beschilderung explizit ausgewiesen ist (sogenannter Zweirichtungsradweg). Gegen die Fahrtrichtung zu fahren, erfüllt also den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit, im Falle eines Unfalls bedeutet dies, dass der Falschfahrer die Schuld trägt.“

Der ADFC hätte sich einen gut dimensionierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn gewünscht. Auch hinsichtlich der zunehmenden Zahl an Pedelec- und E-Bike-Nutzer, die auch bergan zügig vorankommen. Wäre ein solcher Streifen auf der Fahrbahn nicht tatsächlich die bessere Lösung gewesen, wollte die TZ vom Ersten Stadtrat wissen.

Kaum Handlungsspielraum

„Die Frage stellt sich nicht, weil, wie gesagt, der Platz nicht reicht. Hessen Mobil hätte unter diesen Bedingungen keinesfalls einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn markiert. Ich erinnere daran, es ist keine städtische Straße“, sagt Odszuck. Mit Hessen Mobil habe man übrigens „alle möglichen und unmöglichen Planungsvarianten diskutiert“. Machbar und förderungswürdig sei am Schluss nur die verwirklichte Variante gewesen. Es habe kaum Handlungsspielräume gegeben. Ein markierter Schutzstreifen auf der Fahrbahn wäre vom Platz gar nicht möglich gewesen, weil die Schutzstreifen 1,25 Meter breit sein müssen und ein Sicherheitsstreifen von 0,25 Meter noch dazukommt. Es stand aber nur 1,0 Meter zur Verfügung. „Dass in der konkreten Situation der kombinierte Geh- und Radweg die viel bessere Lösung ist, liegt meines Erachtens auf der Hand.“

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