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Karibe und ihre Mutter Lilak zeigen sich auf der Außenanlage des Tierparks.

Tierhaus in Kronberg

Opel-Zoo: Elefanten im Tierpark - "Hoffnungsträgerin" unter Beobachtung

  • vonBoris Schöppner
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Vor gut einem Monat sind die Elefantenkühe Lilak und Kariba im Kronberger Opel-Zoo angekommen. Mit Karima hat das Tierhaus Großes vor.

Kronberg - Kariba ist unternehmungslustiger, das fällt schnell auf. Eben noch stand die junge Elefantenkuh (14) neben ihrer Mutter Lilak (49) in der Nähe der Besucher, die die Neuzugänge aus Berlin beobachten und ihnen Möhren zuwerfen. Doch dann macht sie sich auf den Weg durch das Gehege. Ihre erste Runde an diesem Vormittag endet ganz in der Nähe der Außenanlage, in der Elefantenbulle Tamo (12) steht. Fast sieht es so aus, als würden die beiden Kontakt aufnehmen wollen, doch kurz vor dem Tor dreht sich Kariba ab. Ob sie der Mut verlassen hat?

In den Kopf eines Elefanten kann niemand hineinschauen, doch das Verhalten ist aufschlussreich. Das weiß auch Franziska Hörner von der Universität Wuppertal. Die junge Biologin war am 26. August dabei, als Lilak und Kariba in Kronberg ankamen und das erste Mal in die Nähe ihrer neuen Mitbewohner im Elefantenhaus stießen - auf Tamo, der am April 2013 aus Wuppertal in den Taunus kam, und auf Zimba, den Wildfang aus Simbabwe, die seit Februar 1984 im Opel-Zoo lebt. "Alle Kühe haben sich sehr ruhig und freundlich verhalten. Es gab leichte Anzeichen von Neugierde", sagt Hörner, die ihre Doktorarbeit über das Sozialverhalten afrikanischer Elefanten schreibt. Das Verhalten habe dem entsprochen, was die Forscher bei Elefanten erwartet hätten, die nicht miteinander verwandt sind.

Opel-Zoo in Kronberg: Neuzugänge im Elefantenhaus - Verhalten der Tiere beobachten

Bei einer "Familienführung" im Zoo Halle, der Hörner beiwohnte, gab es beim Wiedersehen ein regelrechtes Begrüßungsritual zwischen Mutter und Tochter, die sich zwölf Jahre lang nicht gesehen hatten. Die Tiere rüsselten miteinander und berührten gegenseitig ihre Schläfendrüsen. Das Muttertier akzeptierte sogar ihre Enkel, die sie noch nie zuvor gesehen hatte, sie durften an ihren Zitzen saugen (die allerdings keine Milch mehr führen).

Hörner ist nicht die einzige, die sich für das Verhalten der Elefanten interessiert. An diesem Vormittag hat eine Studentin auf der oberen Terrasse des "Sambesi"-Restaurant im Opel-Zoo Platz genommen. Sie beobachtet seit sechs Wochen täglich fünf Stunden lang, wie sich die Elefanten verhalten.

Und natürlich hat auch Zootierärztin Dr. Uta Westerhüs die beiden Neuen im Blick. Schließlich hat man mit Kariba Großes vor. Bereits einen Tag nach ihrer Ankunft erkundeten Lilak und Kariba das Außengelände. Bis zum Zusammentreffen mit Kuh Zimba verstrichen allerdings zehn Tage. Erstmal musste sich die 49 Jahre alte Lilak von den Strapazen des mehrstündigen Transportes aus der Hauptstadt erholen. "Die musste sich erstmal richtig ausschlafen", erzählt Westerhüs zurückblickend. In den ersten Tagen war sie noch etwas müde. "Das ist nicht mein Elefant, ich erkenne ihn gar nicht wieder", habe der sie aus Berlin begleitende Tierpfleger André Greve gesagt, berichtet die Tierärztin.

Kronberg: Elefanten im Opel-Zoo - Unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander

Nach und nach müssen die weiblichen Tiere erst einmal unter sich ausmachen, wer die neue Leitkuh wird. "Zimba ist ein Hasenfuß", beschreibt Westerhüs den Charakter des dienstältesten Elefanten im Opel-Zoo. Lilak hingegen sei eine große, kräftige Erscheinung. Es sei gar nicht sicher, ob die Menschen überhaupt sehen würden, wie die künftige Rangordnung unter ihnen aussehe. Viel der Kommunikation bleibe auch geübten Beobachtern verborgen.

Fest steht allerdings, dass Zimba eine vorsichtige Annäherung von Kariba zurückgewiesen habe. Zimba hat auf jeden Fall in der Halle des Elefantenhauses die Gebietshoheit. Ohnehin seien die Mädels am Anfang etwas angespannt gewesen - was sich durch nervöses Ohrenwackeln und das Anschwellen der Schläfendrüsen habe ablesen lassen, so Westhüs.

Zimba und Lilak kommt aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters bei den Plänen für die Elefantenzucht in Kronberg ohnehin nicht viel mehr als eine Statistenrolle zu: Die Hoffnung ruht auf Tamo und Kariba. "Die sind im besten Alter", weiß die Veterinärin.

In der freien Wildbahn bilden die Kühe eine Herde, die Bullen kreisen wie Satelliten um sie herum. Wenn eine Kuh Gefallen an einem Bullen gefunden hat, geht sie dann für drei bis vier Tage mit ihm weg. Bis es im Opel-Zoo zum Decken kommt, ist es noch ein langer Weg. Vorher gilt es zuerst einmal herauszubekommen, wann Kariba ihren Zyklus hat. Das geschieht mit Hilfe wöchentlicher Urinproben, die dann in ein Hormonlabor eingeschickt und analysiert werden müssen. Das Beobachten ist also noch lange nicht zu Ende. (Von Boris Schöppner)

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