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Was so ein Erdmännchen ist, das hat sich an das Leben im "Home Office" gewöhnt und macht das Beste draus. Auch wenn es sich nur mal für ein Viertelstündchen auf die faule Haut legt und die Höhensonne auf dem Rücken genießt, sollte ihm nicht langweilig werden. Foto: SJ

Opel-Zoo in Kronberg

"Dass uns die Schließung hart trifft, steht außer Frage"

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Kronberg: Opel-Zoo-Chef Kauffels über fehlende Einnahmen, wenig Hoffnung auf Hilfe und die Aussichten für eine Wiedereröffnung.

Kronberg – Die vergangenen Tage und Wochen wären eigentlich wie gemalt gewesen für einen Besuch im Opel-Zoo in Kronberg. Allein, ob der Corona-Pandemie müssen die Tore des Tierparks bereits seit vier Wochen geschlossen bleiben. Mit unserer Zeitung sprach Dr. Thomas Kauffels, der Direktor des Zoos, über die aktuellen Herausforderungen und die Hoffnungen auf eine baldige Wiedereröffnung.

Herr Dr. Kauffels, am Mittwoch gab es immer wieder Hinweise, dass die wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Zoologischen Gärten bereits am 20. April wieder öffnen könnten. Als dann die Kanzlerin am Abend die Beschlüsse von Bund und Ländern bekannt gab, war davon nicht mehr die Rede. Waren Sie enttäuscht?

Nein. Natürlich wären meine Mitarbeiter wie auch ich froh um jeden Tag, der uns früher aus dem Lockdown herausführt. Aber ich wäre doch freudig überrascht gewesen, wenn das schon am 20. April der Fall gewesen wäre.

Freudig überrascht?

Ich bin Realist genug, um zu erkennen, dass Zoos in diesen Zeiten nicht systemrelevant sind. Das Aufrechterhalten der medizinischen Versorgung, das Hochfahren von Schulen oder auch die Wiederbelebung der Wirtschaft haben sicher Vorrang.

Wenn man viele Eltern und vor allem deren Kinder fragen würde, könnte ein Besuch im Zoo schon zu den systemrelevanten Faktoren zählen - zumindest wenn es um den Erhalt des Familienfriedens geht ...

Da könnte was dran sein (lacht). Wir sehen ja selbst jeden Tag, was auf den Wanderwegen rund um den Zoo los ist. Da sind viele Familien unterwegs, die versuchen, zumindest einen Blick auf die Tiere zu erhaschen. Vor allem unsere Ziegen, deren Gatter von außen zu erreichen ist, können sich über mangelnden Nachschub an Futter, der über den Zaun gereicht wird, nicht beschweren.

Dr. Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos. Foto: JP

Können sich denn andere Tiere über einen Mangel an Futter beschweren?

Nein, natürlich nicht. Aber ich ahne, worauf sie rauswollen - Neumünster.

Ihre Kollegin im dortigen Tierpark hatte in dieser Woche eine enorme mediale Welle losgetreten, als sie von einem Notschlachtplan sprach, den man aufgestellt habe, für den Fall, dass das Futter ausgehe. Was sagen Sie dazu?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich das Interview, das die Kollegin gegeben hat, nicht gelesen habe. Deshalb kann ich den Inhalt auch nicht kommentieren. Ich habe aber den Eindruck, dass hier etwas aus dem Zusammenhang gerissen und zugespitzt wurde. Das soll bei Medien schon mal vorkommen (lacht). So wie es jetzt rüberkommt, ist die Aussage der Kollegin höchst unglücklich. Ich kann Ihnen versichern, solch einen Plan gibt es bei uns nicht und wird es auch nicht geben.

Die Vermutung liegt nahe, dass Ihre Kollegin mit diesem "Worst-Case-Szenario" der Hoffnung auf staatliche Unterstützung Ausdruck verleihen wollte.

Die aktuelle Situation ist schwierig. Dennoch sollte man sich gut überlegen, mit was man nach draußen geht, um darauf hinzuweisen. Ein "Notfallschlachtplan" ist da sicher nicht das richtige Hilfsmittel.

Während der Zoo in Neumünster zwar von einem Verein getragen, aber von der Stadt bezuschusst wird, muss der Opel-Zoo ohne kommunale Rückendeckung auskommen. Fehlt die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand in diesen Tagen noch stärker als sonst?

Natürlich können Einrichtungen in kommunaler Hand die aktuelle Schließung und den Wegfall der Einnahmen besser verkraften als Zoos wie wir, die von dem, was täglich in die Kasse kommt, den kompletten Betrieb - von den Mitarbeitern bis zum Tierfutter - bezahlen müssen.

Können Sie beziffern, wie viel Geld Ihnen bereits verloren gegangen ist?

Nein, das wäre Kaffeesatzleserei. Was man sagen kann, ist, dass wir bereits die vierte Woche in Folge geschlossen haben und uns damit für einen Monat die kompletten Einnahmen an der Tageskasse inklusive der Pachterlöse aus den Gastronomiebetrieben im Zoo weggebrochen sind. Dass uns die Schließung hart trifft, steht außer Frage. Wie viel uns von unserem Budget für 2020 fehlen wird, werden wir erst am Ende des Jahres wissen. Jeder Monat, jede Woche, ja jeder Tag ist bei uns anders. Da spielen immer auch Faktoren wie das Wetter oder die Lage der Ferien- und Feiertage mit rein.

Wie kann man sich das vorstellen?

Ein Beispiel: Liegt ein 1. Mai unter der Woche und scheint die Sonne, kann dieser einzelne Tag der Auftakt für ein Brückentagswochenende sein, was drei Prozent unseres Jahresumsatzes ausmachen kann. Liegt ein variabler Feiertag auf einem Sonntag, fällt das nicht weiter auf.

Der Leipziger Zoo hat unlängst mitgeteilt, dass er vor dem Hintergrund der Coro- na-Krise binnen zwei Wochen 250 000 Euro an priva- ten Spenden bekommen hat. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Auch bei uns gehen immer wieder Online-Spenden ein, die Freunde des Opel-Zoos uns von sich aus zukommen lassen. Nicht in dem Umfang wie der Leipziger Zoo. Aber wir sind für jede einzelne Spende sehr dankbar, zeigt sie uns doch, wie viele Menschen die Arbeit, die wir hier leisten, schätzen. Wir werden von unserer Seite diese Unterstützung ganz sicher nicht vergessen. Wir sind uns aber auch bewusst, dass wir daraus kein Geschäftsmodell machen können, das unseren Zoo durch die Zeit der Schließung tragen könnte.

Der Verband der Zoologischen Gärten in Deutschland (VDZ) hat mit Blick auf die Corona-Pandemie noch einmal seine Forderung nach 100 Millionen Euro an staatlicher Hilfe für die Zoos bekräftigt. Wie stehen Sie dazu?

Ich erwarte zunächst mal keinen warmen Geldregen von oben. In meinen fast 23 Jahren als Zoo-Direktor habe ich gelernt, dass man sich nicht darauf verlassen sollte, dass jemand für einen einspringt. Ich erinnere mich da noch allzu gut an 2001, als die Maul- und Klauenseuche grassierte und wir im Frühjahr sechs Wochen kaum Einnahmen hatten. Damals wie heute mussten wir selbst die Entscheidungen für uns treffen und sie Woche für Woche auf ihre Richtigkeit hin überprüfen.

Was heißt das im konkreten Fall für den Opel-Zoo?

Zunächst einmal, dass wir - unabhängig von Corona - bereits im Dezember des Vorjahres sehr genau und mit Bedacht unser Budget aufstellen. In Krisenzeiten wie diesen müssen wir jetzt schauen, wo wir sparen und welche Investitionen wir verschieben können.

Gibt es da schon Entscheidungen?

Nein, aber die Katta-Vari-Anlage, die wir eigentlich in diesem Jahr bauen wollten, könnte ein Thema werden. Je nachdem, wie lange die Schließung dauert, muss diese Investition verschoben werden. Die Sicherung des Unterhalts, die Zahlung der Gehälter für unsere 70 Mitarbeiter hat Vorrang.

Ist Kurzarbeit auch eine Option in ihrem Unternehmen?

Nur sehr bedingt. Unser Kassenpersonal ist derzeit in Kurzarbeit. Eine Entscheidung, die uns nicht leicht gefallen ist, wissen wir doch, dass die Kollegen auf jeden Euro angewiesen sind. Alle anderen Mitarbeiter sind weiter voll im Einsatz. Unsere Tiere wollen ja weiter versorgt werden.

Apropos: Müssen die auch bespaßt werden? Es war bereits zu lesen, dass bestimmten Arten in Zoos der menschliche Besuch fehle?

Also vereinsamen wird sicher kein Tier, die können sich schon sehr gut mit sich selbst beschäftigen. Da Zoos im Schnitt 9 Stunden pro Tag geöffnet sind, sind Tiere es sowieso gewohnt, 15 Stunden täglich ohne Besucher zu sein. Aber natürlich merken sie, dass weniger los ist. Unsere Erdmännchen zum Beispiel nehmen normalerweise keinerlei Notiz von mir, wenn ich an ihrer Anlage vorbeigehe. Jetzt schauen sie auf, weil sie die Bewegung wahrnehmen.

Was glauben Sie, wann wird es wieder mehr Bewegung im Opel-Zoo geben? Wann kehren die Besucher zurück?

Ob bereits Anfang Mai oder doch vielleicht erst in vier oder acht Wochen - ich mag da keine Prognosen abgeben. Wer hier Hoffnungen und Erwartungen formuliert, kann schnell enttäuscht werden. Je früher desto besser natürlich - vor allem bei dem Wetter. Das kommt ja als Ärgernis noch oben drauf auf die Schließung.

Inwiefern?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal rund um Ostern wochenlang solch ein Kaiserwetter hatten. Jetzt ist es da, und wir können es nicht nutzen. Als es am Ostermontag zumindest etwas geregnet hat, hat mich das schon fast gefreut (lacht).

Haben Sie schon einen Plan für den Tag der Wiedereröffnung?

Selbstverständlich macht man sich Gedanken. Da steht und fällt aber alles mit den Auflagen, die gelten werden. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Zugangsbeschränkung, eventuell auch eine grundsätzliche Maskenpflicht für alle Besucher auf dem Gelände geben wird. Zudem werden wir die Abstandsregeln einhalten müssen.

Das könnte allerdings schwierig werden, wenn man daran denkt, wie viele kleine und große Leute darauf brennen, den Zoo zu besuchen.

Es wird wohl nur über den Einsatz von zusätzlichem Aufsichtspersonal gehen. Aber das sehen wir dann, wenn sich die Wiedereröffnung abzeichnet. Jetzt hoffen wir erst einmal, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird.

Das Interview führte Stefan Jung

Opel-Zoo in Kronberg freut sich über ganz viel Nachwuchs: Die jungen Geparden bleiben ein Publikumsmagnet im Opel-Zoo in Kronberg. Dabei haben auch viele andere Tierarten süßen Nachwuchs bekommen.

Dank der Lockerungen der Corona-Maßnahmen öffnet der Opel-Zoo jetzt wieder seine Pforten. Das sind die wichtigsten Informationen und Vorgaben.

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