Dass die Hirscheber die Besucher vermissen, ist eher unwahrscheinlich.
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Dass die Hirscheber die Besucher vermissen, ist eher unwahrscheinlich.

Alltag in der Pandemie

Corona im Opel-Zoo Kronberg: "Die Situation ist wieder zurückgedreht"

  • vonBoris Schöppner
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Auch der Opel-Zoo in Kronberg ist vom Lockdown betroffen. Obwohl die Besucher wegbleiben, die Kosten für den Lohn der Mitarbeiter und die Versorgung der Tiere bleiben.

Kronberg - Der graue Himmel reicht an diesem Vormittag bis fast auf den Boden. Feuchtigkeit legt sich auf die Wege des Opel-Zoos. Die Parkplätze sind weitestgehend leer. Die Lodge hat einen Imbisswagen aufgestellt, zusätzlich zum Abholservice im Restaurant. Doch der öffnet erst gegen zwölf Uhr. Geschlossen verstärkt er den Eindruck, dass der Zoo in Winterschlaf verfallen ist. Natürlich ist das nur der erste Eindruck, der Eindruck, den man von außen gewinnt. Das Leben im Zoo geht weiter - bloß ohne Besucher.

Opel-Zoo in Kronberg: Tiere müssen weiterhin versorgt werden

"Die Situation ist wieder zurückgedreht", sagt Dr. Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos. Tierpfleger, Gärtner, Pädagogen und Verwaltung - alle Bereiche sind wie im Frühjahr wieder in zwei Gruppen getrennt, die im wöchentlichen Wechsel arbeiten, damit der Zoo arbeitsfähig bleibt, wenn in einer Gruppe Personen an Covid erkranken. Auch an der grundsätzlichen Konstellation hat sich gegenüber des ersten Lockdown nichts geändert: Die Tiere müssen weiter versorgt werden, die Kosten laufen weiter, aber ihnen stehen keine Einnahmen gegenüber.

Wurden in den ersten Wochen des ersten Lockdowns vor allem Verschönerungsarbeiten getätigt, die mit Publikum schwerer zu erledigen sind, wie etwa das Streichen von Zäunen, so wird die Zeit des zweiten Lockdowns, der für den Zoo nie light, sondern immer absolut war, unter anderem genutzt, um die Scheune im hessischen Bauerndorf zum Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter auszubauen. Auch die Ausweichanlage für die Manule (Pallaskatzen) wird eingerichtet. "Aber das ist schnell erledigt", sagt Kauffels.

Corona und der Opel-Zoo in Kronberg: „Waren auf einem guten Weg“

Bei der seit Mitte August in Bau befindlichen Katta-Vari-Anlage sind die Mitarbeiter des Zoos nur mit Begleitarbeiten befasst. Der Rohbau für die Tiere aus Madagaskar ist fertig. Die Arbeiten an der großen Voliere sollen im Januar beginnen, die gesamte Anlage soll im Frühjahr 2021 fertig werden. "Wir haben mit dem Bau der Katta-Vari-Anlage angefangen, als wir das Geld hatten", sagt der Zoo-Direktor. "Die einzigen Kosten, die wir steuern können, sind die Investitionskosten."

Geöffnet war der Zoo vom 1. Januar bis zum 16. März und vom 4. Mai bis zum 1. November. Nach der Öffnung war die Besucherzahl erst auf 1000 und später auf 2000 begrenzt, Mitarbeiter einer beauftragten Sicherheitsfirma wachten über das Einhalten der Abstandsregeln, die sanitären Anlagen wurden häufiger desinfiziert als zu normalen Zeiten. Alles zusätzliche Kosten. Und trotzdem: "Wir haben davon profitiert, dass die Leute nicht in den Urlaub fahren konnten. Wir waren auf einem guten Weg, die Lücke zu schließen", sagt Kauffels.

Lockdown im Opel-Zoo in Kronberg: Schließung im Frühjahr war schlimmer

Sauer, dass der Zoo nicht geöffnet bleiben kann, sei er nicht. "Wir müssen uns einfach damit abfinden." Und auch von Politiker-Bashing hält er nichts. "Ich habe großen Respekt davor, dass Menschen jetzt etwas entscheiden müssen. Ich fühle mich im Moment gut regiert."

Zoo und Lodge fallen unter die Unterstützungsklausel, erhalten also 75 Prozent der Einnahmen aus dem November 2019. "Das ist mehr als nichts", scherzt Kauffels, "auch wenn mir 75 Prozent der Einnahmen aus dem April 2019 lieber gewesen wären." Für Zoos in Deutschland gelte: "Was Sie bis zum Ende der Herbstferien nicht eingenommen haben, das nehmen Sie in diesem Jahr nicht mehr ein." Von daher schmerze die Schließung im November weniger als die im Frühjahr.

Und die Tiere, vermissen die nicht die Besucher? "Unsere Tiere sind auch zu normalen Zeiten von 17 bis 9 Uhr alleine. Das sind sie gewohnt." (Boris Schöppner)

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