Das Portal der in den 1920er Jahren entstandenen Anlage.
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Das Portal der in den 1920er Jahren entstandenen Anlage.

Exkursion

Quell des Lebens sprudelt aus Kronberger Stollen

  • VonEsther Fuchs
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Eine lehrreiche Führung führt 300 Meter weit und 50 Meter tief unter den Altkönig zum dortigen Wasserspeicher.

Kronberg -Knarrend öffnet sich die schwere Eisentür. Der dahinter liegende Gang misst eine stolze Länge von 730 Metern. Thomas Krieger gewährte am vergangenen Freitagnachmittag rund 20 Interessierten einen Blick in den Bürgelstollen. Dort werden rund 60 000 Kubikmeter Wasser für die Versorgung der Stadt Kronberg bereitgestellt. Natürlich aus Regen und Schnee, welche durch den Taunusquarzit in die Tiefe sickern und dann im hinteren Teil des Stollens gesammelt werden. Deshalb sind auch nur die ersten 300 Meter im Stollen zugänglich.

Auf Anfrage der CDU Kronberg öffnet der Leiter der Wasserversorgung und Rohrnetzmeister die Stollentür zur Führung in das Berginnere.

Der Bürgelstollen wurde von 1922 bis 1927 noch von Hand in den Berg getrieben. Auf dem Weg durch den Stollen sind die abgeschlagenen durchfeuchteten, glitzernden Quarzitschieferplatten Zeugnis der Mühen damaliger Bergbauarbeiter, die vor knapp 100 Jahren diese Trinkwasserversorgungsanlage erschlossen haben. Die Reise ins Berginnere gleicht einem Abenteuer. Ein kleiner gekachelter Vorraum zeigt die Macht des Lebenselixiers. Aus einem hinter Glas geschützten grauen Wasserrohr fließt das Bergwasser in die weiterführenden Leitungen.

Thomas Krieger betont: "Wir haben es hier nicht mit Quellwasser zu tun. Das was Sie hier sehen ist alles einmal Niederschlag gewesen." Wie und wo der Regen durch die Erde sickert, zeigt der Fachmann in der nächsten knappen Stunde. Platzangst dürfen seine Besucher dabei nicht haben.

Der 300 Meter lange Weg in den Berg ist kalt, feucht und misst teilweise nur knapp 1,70 Meter Höhe bei circa zwei Metern Breite. Gut, dass der Spezialist zwei große Taschenlampen dabeihat. Sie leuchten den Weg aus, vorbei an mit Tonziegeln ausgekleideten Tunnelzonen entlang der schroffen Felsmauern. "Das hier ist kein Öl, sondern Eisen und Mangan ausgefiltert aus dem Felsen", erklärt Thomas Krieger die schwarzen teerartigen Flecken des Tunnels. Im Gänsemarsch folgt die Gruppe den am Boden montierten Wasserrohren. "Sie sind intakt, auch wenn sie noch aus dem Jahr 1926 sind", so Krieger und verweist auf den Prägestempel an einem der sechs Meter langen Teilstücke.

Die Dunkelheit verschluckt die Sicht. Wie wichtig Wasser zum Überleben ist, erklärt der Fachmann mit Zahlen. Etwas mehr als 3000 Kubikmeter Wasser verbraucht Kronberg im Schnitt an normalen Tagen.

Bei Hitze kommen nicht selten 5000 Kubikmeter zusammen. Das belegen Erfahrungen der Vergangenheit. Der Jahresverbrauch liege bei in etwa 1,2 Mio Kubikmetern. Unvernünftiges Haushalten im Sommer, beispielsweise zur ausgiebigen Bewässerung der Gärten, bereitet Krieger und seinen Mitarbeitern immer Kopfschmerzen.

Bei Hitzesommer an

der Kapazitätsgrenze

Die Wassermenge des Bürgelstollens ist nicht unbegrenzt verfügbar, sondern variiert mit der Niederschlagsmenge. Die Sommer 2018 bis 2020 waren extrem heißt und trocken.

Der natürliche Wasserspeicher kam wegen des extremen Wasserverbrauchs an die Kapazitätsgrenze. Die "Kronberger Wasserampel" soll die Bürger seit 2019 sensibilisieren und zum sorgsamen Umgang mit dem Lebensmittel Trinkwasser motivieren. An der Stautür angekommen entfaltet die Natur ihre ganze Kraft. 50 Meter unter dem Altkönig befindet sich auf 430 Metern Länge hinter einer mit Schrauben und Winkeln abgeriegelten Stautür das sprudelnde Frischwasser. Die Trennwand hält das Wasser jedoch nicht vollständig ab. Munter spritzt es aus Fugen und sammelt sich am Boden.

Bis die Niederschläge zu sauberem Trinkwasser werden vergehen mehrere Wochen. Der Niederschlag wird durch das klüftige Taunusquarzitgestein gefiltert und gereinigt.

Das Stollenwasser aus dem Bürgelstollen hat Trinkwasserqualität und muss nicht aufbereitet werden. Technische Daten überprüfen die Wasserwerker in Echtzeit per Fernüberwachung. Der Sommer 2021 war für Krieger und seine Mitarbeiter ein guter Sommer. "Der Regen brachte ausreichend Wasser", sagt der Rohrnetzmeister. Dennoch sollten Verbraucher besonnen handeln und sorgsam mit dem Quell des Lebens umgehen. Esther Fuchs

Mit Taschenlampen tasteten sich die Teilnehmer durch den 300 Meter langen Tunnel. Die schwarzen Flecken sind Ausspülungen von Eisen und Mangan.

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