Lehrer an der Altkönigschule

Schülern beim Denken zusehen

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Es ist wohl kaum nachzurechnen, wie viele Menschen in den vergangenen Jahrzehnten bei Ingrid Stegmann und Klaus Deitenbeck das höhere Einmaleins gelernt haben. Gestern wurden die beiden Lehrer an der Altkönigschule in den Ruhestand verabschiedet.

Mathematik und Physik – nicht bei jedem Schüler dürften diese beiden Fächer an der Spitze der Beliebtheitsskala stehen. Ingrid Stegmann allerdings hat viel Gutes über ihre Schützlinge zu berichten. Sie muss es wissen: Seit dem 2. Februar 1976 lehrte sie an der Altkönigschule (AKS). Gestern verabschiedete sie sich in den Ruhestand, ebenso wie der stellvertretende Schulleiter Klaus Deitenbeck, der unter anderem Arbeitslehre und ebenfalls Mathematik unterrichtete. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für seinen Posten ist noch nicht bekannt.

Stegmann hat in Marburg studiert und plante zunächst, nach einigen Jahren im Taunus wieder dorthin zurückzukehren. „Es hat aber so viel Spaß gemacht, dass ich geblieben bin“, sagt sie – nahezu auf den Tag genau 40 Jahre. Dazu haben sowohl das Kollegium als auch die Schüler beigetragen: „Die AKS ist eine besondere Schule, die Schüler sind sehr leistungsstark und interessiert.“

Deitenbeck ist der Schule noch länger verbunden. Mit zehn Jahren begann seine Laufbahn in der AKS, die er 1970 mit dem Zwischenziel Abitur krönte. Danach studierte er in Frankfurt und absolvierte anschließend sein Referendariat an der Königsteiner Taunusschule, dem heutigen Taunusgymnasium. Danach kehrte er nach Kronberg zurück, wo er unterrichtete, zwischenzeitlich kurzzeitig den Haupt- und Realschulzweig leitete und vor knapp zehn Jahren stellvertretender Schulleiter wurde.

Stegmann erinnert sich gern an diverse Mathe-Wettbewerbe, bei denen die AKS regelmäßig mit guten Leistungen abgeschnitten habe. Das liegt nicht nur an ihrer Passion für das Fach, sondern ist auch im Selbstverständnis der Schule und ihres Umfeldes begründet. Es sei wichtig, dass das Leistungsniveau in allen Schulzweigen so hoch sei, dass die Schüler anschließend ihren Weg weitergehen können, betont Deitenbeck. Bei den Kronberger Betrieben müssen sie meist nur wenig Überzeugungsarbeit leisten: Viele Meister und Geschäftsführer haben selbst die Schulbank der AKS gedrückt.

Beide scheidenden Lehrer stellen der Schülerschaft ein gutes Zeugnis aus. Natürlich, die Bedingungen hätten sich im Laufe der Jahre geändert. Stegmann: „Früher konnte ich auch einmal Hausaufgaben geben, die drei oder vier Stunden gedauert haben.“ Mit G 8 bliebe dafür keine Zeit mehr, zumal, wenn ein Schüler erst um 17 Uhr nach Hause komme.

Im Vergleich zu früher hätte sich auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern gewandelt – es sei heute weniger distanziert. Hier und da komme ein Jugendlicher auch schon mal und umarme einen Erwachsenen: „Das hätte ich mich in meiner Schulzeit niemals getraut“, so Deitenbeck lachend. Zu dem besonderen Vertrauensverhältnis trägt sicherlich auch die Sozialarbeit an der Schule bei. „Es gibt immer wieder Phasen, in denen manche mehr Gesprächsbedarf haben als andere.“ Veränderungen in Familienverhältnissen etwa würden auch in der Schule sichtbar.

Auf die Frage, was ihnen am Beruf besondere Freude gemacht habe, sagt Deitenbeck: „Der Unterricht war immer schön“, fast immer zumindest. Stegmann, die sich an vielen Stellen auch in die Schulentwicklung und das –programm eingebracht hat, antwortet: „Den Schülern beim Denken zuzuschauen.“ Insbesondere in dem Moment, wenn der Groschen fällt und auch komplexere Aufgabenstellungen durchschaut werden.

Ob die Freude oder der Wehmut über den letzten Schultag überwiegt? „40 Jahre sind eine lange Zeit“, sagt Stegmann diplomatisch. Ihre Zukunftspläne sind noch am Entstehen: „Ich freue mich auf etwas Neues und lasse das auf mich zukommen.“ Den Unterricht werde er vermissen, glaubt Deitenbeck. Er ist auch politisch engagiert, nach einer kurzen Auszeit stehen erst einmal die Kommunalwahlen für ihn an. Im Sommer will er mit dem Fahrrad um die Ostsee fahren. Mittags zwischen vielen Rentnern durchs MTZ zu wandeln, das kann er sich weniger gut vorstellen.

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