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ÖPNV

Stadtbusse in Kronberg: Bleibt es bei drei Linien?

Der Stadtbus-Verkehr in Kronberg wird neu ausgeschrieben. Was bedeutet das für den örtlichen ÖPNV?

Kronberg -- Zum Fahrplanwechsel 2022 werden neue Stadtbusse durch Kronberg fahren. Der erste Schritt der Ausschreibung ist die Vorabbekanntmachung der europaweiten Ausschreibung, über die Eckdaten dafür wird die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag diskutieren - und nach Wunsch von Erstem Stadtrat Robert Siedler auch entscheiden. Denn auch wenn der Dezember 2022 noch weit weg scheint, drängt die Zeit. Nach der Hauptausschreibung, die vor den Sommerferien erfolgen soll, muss das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, die Fahrzeuge bestellen. "Das kann derzeit ein Jahr dauern", erklärt Siedler.

Die Vorabbekanntmachung gibt laut Siedler Unternehmen die Gelegenheit, den Kronberger Stadtbus eigenwirtschaftlich zu betreiben - also ohne städtische Zuschüsse. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass es dafür Angebote gebe. Die Frist für die Einreichung von Angeboten beträgt drei Monate.

Beschrieben wird eine Mindestvariante, die das Basisangebot abdecken soll. Darin - darauf einigte sich die Betriebskommission - sollen drei Stadtbuslinien enthalten sein. "Damit hat Kronberg in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht", sagt Siedler.

Als Mindestanforderungen hat die mit der Untersuchung beauftragte IG Dreieich Bahn Verkehrsplanung+Beratung (IGDB) den Status Quo angenommen, allerdings ohne die Anfahrt des Waldschwimmbads, wenn dieses geschlossen hat, und ohne Altstadt (Nordroute). In dem Papier wird diese abgespeckte Variante mit "3.3" bezeichnet. Die Ersparnis gegenüber der aktuellen Variante (3.1.) liegt über einen Zeitraum von acht Jahren gerechnet bei 200 000 Euro. Das Gesamtvolumen der Ausschreibung liegt laut Siedler bei 6,65 Millionen Euro.

Die Länge der Fahrzeuge soll maximal Meter betragen, das Fahrgastpotential soll bei mindestens 38 Fahrgästen liegen. Die Fahrzeuge sollen eine barrierefreie Einstiegsmöglichkeit und mindestens einen Rollstuhlstellplatz besitzen.

ÖPNV Kronberg: Voraussetzung für Ausschreibung

"Sollten keine eigenwirtschaftlichen Anträge bei der Genehmigungsbehörde eingehen oder diese von der Genehmigungsbehörde abschlägig beschieden werden, wird die Leistung in einem wettbewerblichen Verfahren vergeben", heißt es in der Begründung der Stadtverordnetenvorlage. "Und: "Die Vorabbekanntmachung ist die Voraussetzung dafür, im kommenden Jahr fristgerecht in das europaweite wettbewerbliche Ausschreibungsverfahren gehen zu können."

Im Zuge der Neuausschreibung wurde vonseiten der Stadtwerke eine Stärken- und Schwächen-Analyse zum bestehenden Stadtbussystem durchgeführt. Im Zusammenhang mit den Ergebnissen hat die Betriebskommission der Stadtwerke Kronberg das Verkehrsplanungsbüro IGDB beauftragt, unterschiedliche Angebotsvarianten auszuarbeiten und die entsprechenden Kosten zu ermitteln. "Die oben genannten Mindestanforderungen für die verpflichtende EU-Vorabbekanntmachung lassen sämtlichen Spielraum für die in der Diskussion befindlichen Erweiterungen des Systems offen", heißt es weiter.

Bei der Minimal-Variante werden die Linien 71 und 72 verkürzt. Die Haltestelle "Waldschwimmbad" wird nur angedient, wenn das Waldschwimmbad geöffnet ist (Zeitraum Mai - September). Die Linie 73 fährt einen neuen Weg ohne Andienung der Altstadt und der Haltestelle "Am Aufstieg", da durch Fahrgastzählungen ermittelt wurde, dass die Haltestellen dort nur sehr schwach frequentiert würden.

Die derzeit diskutierten Erweiterungen und Ergänzungen von Leistungen innerhalb des Stadtbussystems werden im weiteren Prozess durch die Betriebskommission geprüft und beschlossen und in die europaweite Ausschreibung der Stadtbusleistungen übernommen. Ab dem Fahrplanwechsel Dezember 2020 wird auf Anregung der Betriebskommission durch den Verkehrs-verband Hochtaunus probeweise ein AST für die Anbindung des Tals und des Kronthal-Stifts ein-geführt.

Schwarz sieht Siedler indes bei den Möglichkeiten, zukunftsweisende ÖPNV-Strategien in Kronberg einzuführen. "On-Demand-Bus-Systeme oder Rufbusse befinden sich in Testphasen und/oder sind noch nicht ausgereift." Hinzukomme, dass diese "für unserer kleines System völlig unwirtschaftlich sind". Von Boris Schöppner

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