Mittelaltermarkt auf Burg Kronberg

Für Sünder gab’s die Schandgeige

  • VonDavid Schahinian
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Es hat Charme, wenn gewandete Ehrenmänner und holde Burgfräulein durch die Altstadt auf die Burg ziehen. Dort lud die Kronberger Rittergarde am Pfingstwochenende zum 6. Mittelalter-Markt ein – und durfte sich großen Zuspruchs erfreuen.

Die Kronberger Ritter und ihresgleichen sind freundliche Menschen. Während im Mittelalter kurzer Prozess gemacht wurde, fragten sie auf dem Burggelände flanierende Passanten höflich: „Wollen Sie mal an den Pranger? Oder Sie?“ Manch einer versuchte, seinem Schicksal mit wohlfeilen Argumenten zu entkommen: „Ich dachte, die Inquisition sei vorbei.“ Trotzdem fanden die Rüstungsträger genügend Sünder: Mehrere tausend Menschen kamen am Pfingstsonntag und –montag auf die Burg zum 6. Mittelalterlichen Markt der Kronberger Rittergarde.

Unterdessen lernte ein kleiner Junge die Schandgeige kennen, die sich für Musik als gänzlich ungeeignet erwies. Das hölzerne Brett wurde um Hals und Handgelenke gelegt: „Damit wurden Lügner und Betrüger durch die Stadt geführt“, erklärte Jan Hildebrandt vom Landsknechtshaufen zu Schadeck. Das gute Stück war selbstgebaut, „nach Vorlagen aus dem Mittelalter“. Alles in allem präsentierten sich aber selbst die grimmigsten Gesellen zugänglich und entließen ihre Gefangenen nach einem Foto.

Halbes Jahr Vorbereitung

„Wir richten uns an Familien, denen wir auf der Burg eine schöne Zeit bieten wollen“, berichtete Marktleiter Matthias Galvagnini von der Kronberger Rittergarde. Rund ein halbes Jahr Vorbereitung benötige das Spektakel, zur Organisation zählten unter anderem die Absprache mit den Teilnehmern und den Verantwortlichen der Burg, die Standplanung und die Durchführung. „Das Gelände ist relativ klein. Um ein großes Spektrum zu bieten, haben wir aus jedem Bereich nur jeweils einen Händler zugelassen“, so Galvagnini

Zum Beispiel eine „Glasperlenmacherey“. Im Prinzengarten hatte Andreas Bäcker aus Höchst Stellung bezogen. Er war das erste Mal in Kronberg dabei und präsentierte eine selbstgefertigte Konstruktion: eine Bodenesse, die von einem römischen Spitzblasebalg angeheizt wurde. Darin erhitzte er italienisches Murano-Glas, bis es flüssig wie Honig wurde, wickelte es um einen Edelstahl-Draht und fertigte daraus Perlen. „Früher wurden sie teilweise als Zahlungsmittel verwendet“, wusste er zu berichten.

Hexe liest aus der Hand

Auch in anderen Ecken der Burg gab es viel zu entdecken. Hexe Lamia las aus der Hand, bei Kalligraphie-Expertin Susanne Schmidtchen im Terracottasaal gab es Namensurkunden für die Besucher. Auf der Bühne vor der Burg hatte die Rittergarde ein volles Programm auf die Beine gestellt: Der Kronberger Fanfarenzug spielte auf, Schaukämpfe und Kinder-Ritterschlachten unterhielten Klein und Groß. Außerdem spielten „Des Wahnsinns fette Beute“ und Cuno von Königstein, während „Hartmuts Ougenweyde“, die Mittelalter-Tanzgruppe der Kronberger Ritter, „Dansereyen“ aufführte.

Auf der Oberburg wurden derweil neue Helden geboren. Das ging so: Kindern wurde, sofern nötig, zuerst der Schnuller entfernt und dann ein Stoffpferd mit einem Loch in der Mitte übergestülpt. Damit ritten sie, Lanze voraus, auf ein Schild zu, machten eine 180-Grad-Wendung und mussten dann wortwörtlich den Bock umstoßen. Gelang dies, und es gelang immer, wurden sie zum Ritter geschlagen.

Ähnlich viel Andrang war bei den Freien Rittern von Soonwald zu verzeichnen. Dort durften originalgetreue Helme, Schwerter und Kettenhemden an- und ausprobiert werden. „Viele wollen wissen, wie sich das anfühlt und merken dann, wie gewaltig schwer das war“, sagte Arnulf von Schonenburg – 20 Kilo und mehr wog eine Rüstung damals. Ob die Neugier auch durch die beliebte Serie „Game of Thrones“ mit Mittelalter-Bezügen angeheizt wird? „Nein“, antwortete David von Argyll. Es gebe zwar schon seit der Verfilmung von „Herr der Ringe“ einige Besucher mehr mit Fantasy-Kostümen. Die seien aber die Ausnahme: „Wir versuchen, authentisch in der Darstellung zu sein – vom Lager bis zur Kleidung.“

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