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Erster Stadtrat Jürgen Odszuck an seinem Arbeitsplatz im Kronberger Rathaus. Archivfoto: Boris Schöppner

Vom Taunus an den Neckar?

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Möglicherweise muss sich Kronberg bald einen neuen Ersten Stadtrat suchen, denn Jürgen Odszuck (parteilos) hat sich auf den Posten des Baubürgermeisters in Heidelberg beworben. Die Entscheidung, ob er genommen wird, fällt im Juni.

Ja, die Entscheidung, mit wem CDU und SPD koalieren wollen, ist gefallen (siehe nebenstehenden Artikel). Doch derzeit gibt es ein Thema, welches das politische Kronberg weitaus stärker bewegt: Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) könnte noch in diesem Sommer die Burgstadt verlassen. Entschieden wird darüber am 16. Juni – und zwar in Heidelberg. In der Neckarstadt wählt der Gemeinderat an diesem Tag den neuen Baubürgermeister. Laut Mannheimer Morgen sind noch drei Bewerber im Rennen, darunter Kronbergs Erster Stadtrat.

In der konstituierenden Sitzung des Kronberger Magistrats am Montagabend wurde Odszucks möglicher Weggang thematisiert. Gestern Abend erreichte die Taunus Zeitung dann eine Pressemitteilung des Ersten Stadtrats. Darin heißt es: „Der Beigeordnete des Deutschen Städtetags für das Dezernat Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr hat Anfang Februar die Frage an mich gerichtet, ob ich mir diese Tätigkeit bei der Stadt Heidelberg vorstellen kann, und mich zur Bewerbung aufgefordert. Es war nicht das erste Mal, dass eine solche Anfrage an mich gerichtet wurde. Da allerdings Heidelberg eine außerordentlich attraktive, prosperierende Stadt mit bedeutsamen laufenden Entwicklungsprozessen ist, habe mich dieses erste Mal für eine Bewerbung entschieden.“

Auf Nachfrage der TZ versichert Odszuck, dass ihm die Arbeit in Kronberg nach wie vor Spaß mache. Heidelberg stelle indes eine ganz besondere Herausforderung dar, Nicht zuletzt weil sie eine Universitätsstadt ist, wesentlich bekannter ist und mit ihren 160 000 Einwohnern um ein Vielfaches größer ist als Kronberg.

Als es sich abgezeichnet habe, dass er zum finalen Kreis der Bewerber gehöre (13 waren ursprünglich im Rennen), habe er Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) darüber informiert. „Er zeigte Verständnis für meine Entscheidung, auch wenn ihn diese Information zunächst durchaus überraschte. Er versicherte mir gegenüber, dass dies keine Auswirkungen auf unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit habe“, schildert Odszuck.

Die Stelle des Baubürgermeisters wird zum 1. August in Heidelberg vakant. Zu welchem Zeitpunkt Odszuck Kronberg verlassen wird, ist noch nicht zu sagen.

Seine aktuelle Arbeit werde er so fortführen, als ob es keine Kandidatur gebe, versichert Odszuck. Sollte er sich gegen die Konkurrenz in Heidelberg durchsetzen, will er die laufenden Prozesse in Kronberg soweit vorstrukturieren, dass sie auch in der Übergangszeit ohne Ersten Stadtrat weiterlaufen können.

Dass er beschädigt wäre, wenn er die Stelle in Heidelberg nicht bekommen sollte, glaubt Odszuck indes nicht. „Ich stelle mich einer ernstzunehmenden Konkurrenz, da muss man auch verlieren können“, sagt der Erste Stadtrat, der noch einmal unterstreicht, dass er nicht grundsätzlich auf dem Absprung sei.

Verständnis für den Wunsch des 45-Jährigen diese berufliche Herausforderung anzunehmen, äußerte gegenüber der TZ SPD-Fraktionschef Christoph König. Dass Odszuck in die engere Wahl komme, sei doch eine Auszeichnung. „Ich würde ihn aber gerne behalten.“ Ähnlich äußerte sich auch Oliver Schneider (UBG). Und auch Udo Keil (Grüne) würde Odszuck zwar den Karriereschritt gönnen, fände es – trotz mancher inhaltlicher Differenz – „sehr, sehr schade“, wenn er gehen würde. „Das, was er an Leistung gebracht hat, war herausragend.“

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