Geschichte

Wie der Taunusklub mal die Kronberger Burg gerettet hat

Beim Taunusklub denkt fast jeder an die vielen wackeren Wanderer, die vornehmlich in der Feldbergregion ihrem Hobby frönen. Doch der Klub, der vor 150 Jahren gegründet wurde, hat noch weitere Verdienste – zu sehen unter anderem auf der Kronberger Burg.

In diesem Jahr feiert der Taunusklub sein 150. Wiegenfest. Der Verein verstand sich in seiner Gründungszeit jedoch nicht nur als Institution zur Förderung des Wanderns und des Tourismus, sondern versuchte auch die soziale Situation in vielen armen Gemeinden, insbesondere im Usinger Land, zu verbessern. Dazu zählte beispielsweise der Einrichtung einer Korbflechtschule in Grävenwiesbach. Außerdem setzte sich der Klub von Beginn an für den Erhalt gefährdeter Kulturdenkmäler ein. Davon profitierte auch die einsturzgefährdete Burgkapelle der Kronberger Burg.

So heißt es im 7. Jahresbericht des Frankfurter Taunusklubs aus dem Jahr 1878: „Sodann brachten wir in Erfahrung, dass von Seiten der kgl. Regierung beabsichtigt ist, die alte Schlosskirche zu Kronberg wegen Baufälligkeit abzureißen und die historisch werthvollen Grabdenkmäler des alten Kronberger Geschlechts daselbst nach Wiesbaden zu verbringen, da Niemand die Kosten zur Reparatur der Kirche tragen wollte. ( . . . ) und setzten uns sofort wegen Erhaltung derselben mit unserer Sektion Kronberg ins Einvernehmen. Dieselbe erwirkte bei der betreffenden Behörde die bereits angeordnete Aussetzung der Versteigerung der alten Schlosskirche auf den Abbruch und hat sich die Gemeinde Kronberg direct an das kgl. Ministerium gewandt, dass diese Denkmäler der Stadt erhalten bleiben. Sobald die Gewährung eingetroffen ist, werden wir ein Comité für die Beschaffung der Geldmittel hier und in Kronberg bilden und versuchen, durch dasselbe und mit Hilfe des Taunus-Clubs die Mittel zur Wiederherstellung der Kirche und Erhaltung der Denkmäler zu erhalten.“

Gesagt, getan. Eine von dem Komitee initiierte Geldsammlung und Lotterie erbrachte 3775 Mark. Mit diesem Betrag war eine umfassende Restaurierung der Kapelle möglich. Der Plan des Taunusklubs, in dem renovierten Denkmal ein „kleines Taunusmuseum“ einzurichten, konnte jedoch nicht realisiert werden, weil die zuständigen Behörden keine Genehmigung erteilten.

Rückblende: Spätestens mit dem Aussterben des Kronberger Adelsgeschlechts im Jahr 1704 hatte der Verfall der Burganlage inklusive der 1342 eingeweihten Burgkapelle eingesetzt. Wenn auch das Gotteshaus den Katholiken vor Ort mehrere Jahrhunderte für die Feier der Heiligen Messe diente, so wurde das Gebäude weder von der Mainzer Regierung im 18. Jahrhundert noch in den Nassauer Jahren von 1802 bis 1866 ernsthaft instand gehalten. Das führte dazu, dass die preußischen Behörden, die von 1866 an das Sagen in Kronberg hatten, die Kapelle im Jahr 1871 kurzerhand „wegen lebensgefährlicher Baugebrechlichkeit“ schlossen. Bis zur Einweihung der neuen St.-Peter-und-Paul-Kirche 1877 diente eine hölzerne Notkirche den Gläubigen auf dem Burghügel als temporärer Ersatz.

Sogar ein Abriss der Kapelle stand damals im Raum. Die katholische Gemeinde wollte das beim Abriss anfallende Baumaterial für den Bau der neuen Kirche wiederverwerten. Der preußische Bauinspektor Holler hingegen empfahl im April 1878, lediglich das baufällige Kapellendach abzutragen und ansonsten die Mauern zu restaurieren. Das einstige Gotteshaus sollte so als Ruine bewahrt bleiben. Diese Überlegungen stießen aber auf Widerstand des Gemeinderats in Kronberg, der für einen Erhalt der Kapelle und Burg eintrat, denn inzwischen hatte sich die Burganlage zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Insbesondere aus dem aufstrebenden Kurort Homburg kamen viele Tagestouristen, um die Burg zu besichtigen.

Dank des Engagements des Taunusklubs konnte die Restaurierung des historischen Gotteshauses realisiert werden. Im Jahr 1943 wurde die Kapelle allerdings bei einem Fliegerangriff schwerbeschädigt. Heute nutzt die Familie des Landgrafen von Hessen die teilweise wieder aufgebaute, für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Kapelle als Grablege.

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