Für sechs Monate

Teil der zentrale Altstadt-Straße in Kronberg wird Fußgängerzone

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Lockt eine Fußgängerzone auf der Friedrich-Ebert-Straße mehr Kunden in die Kronberger Altstadt, die sich dann dort wohler fühlen und länger aufhalten? Von April an wird das getestet. Schon jetzt gibt es positive Stimmen – allerdings auch Bedenken.

Ein großes Wagnis steht in der ersten Jahreshälfte in der Kronberger Altstadt an: Die halbjährige Testphase einer neuen Verkehrsführung und die damit verbundene Einrichtung einer Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Frankfurter Tor und Schirn soll am 1. April beginnen. Die Aufenthaltsqualität soll gesteigert, der Durchfahrtsverkehr verringert werden, so die Zielsetzung.

Zu diesem Zweck soll der Verkehr zumindest in der Testphase nicht mehr von der Ecke Frankfurter Straße/Hainstraße in die Friedrich-Ebert-Straße einbiegen dürfen. Wer mit dem Auto in die Altstadt will, der biegt künftig von der Hainstraße in die Tanzhausstraße ab, fährt an Bücherei, Zehntscheune und Streitkirche vorbei und biegt an der Schirn nach rechts in die Friedrich-Ebert-Straße (Richtung Königsteiner Straße) ab.

In den vergangenen Jahren ist mehrfach über Möglichkeiten zur Aufwertung der Altstadt Kronbergs diskutiert worden. Das Stimmungsbild in Sachen Verkehrsberuhigung oder gar Durchfahrtverbot ist dabei alles andere als einheitlich. So gibt es Geschäftsleute, die befürchten, ihnen blieben die Kunden weg, wenn diese nicht vor der Ladentür halten können. Andere würde sich freuen, wenn sie den Außenbereich stärker bespielen könnten.

Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) hätte als Ordnungsbehörde alleine über die Einrichtung einer Fußgängerzone entscheiden können. Doch der Rathauschef ging einen anderen Weg und bezog die Betroffenen in die Entscheidungsfindung mit ein. Getestet werden soll die „Bypass-Variante“. Diese scheint die meisten Vorteile in sich zu vereinen und sich einer großen Akzeptanz zu erfreuen.

Ob das Experiment ankommt, sollen Studenten dokumentieren. Der Testbetrieb soll wenn möglich im Rahmen eines studentischen Projekts von der Technischen Hochschule Mittelhessen begleitet werden und erfasst umfangreiche Erhebungen vor und während des Betriebs sowie eine umfassende Analyse. Dazu gehören unter anderem auch die Beobachtung der Verkehrsflüsse und Befragungen.

Ins Gewicht fällt dabei nicht nur die Akzeptanz bei Autofahrern und Einzelhändlern (bei denen sich die Auswirkungen auch am Umsatz ablesen lassen), sondern auch bei den Besuchern und Kronbergern, die die Altstadt zu Fuß erkunden. Da ist der Branchenmix und das Warenangebot einerseits wichtig, andererseits spielt auch eine wichtige Rolle, wie sich das Angebot der Außengastronomie weiterentwickelt – was also mit dem Adler und dem gegenüberliegenden Haus, in dem ein Café eröffnet werden soll, geschieht.

Die Kernfrage: Welchen Flanier-Faktor hat Kronberg vorzuweisen? Wie belebt ist die Altstadt, wenn der Durchgangsverkehr aus der vorderen Friedrich-Ebert-Straße rausgenommen und in anderen Teilen dadurch reduziert wird, dass Autofahrer Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen müssen?

Die Evaluierung beginnt nach Auskunft von Stadtpressesprecher Andreas Bloching am ersten Tag des Versuchs. „Verläuft der Testbetrieb erfolgreich, wollen wir an der geänderten Verkehrsführung festhalten“, sagt Bürgermeister Temmen.

Bereits Mitte Januar soll es ein weiteres Treffen mit den Einzelhändlern und Gastronomen geben. Der Bund der Selbstständigen kündigt an: „Wir blicken positiv in das neue Jahr, denn der nationale Konsum wird sich wohl nicht reduzieren, und wir werden uns positiv einbringen, um die mögliche Entscheidung einer Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße zu einem Erfolg zu machen und damit die Attraktivität Kronbergs zu erhöhen.“

Der Vorstand des Altstadtkreises will heute Abend über flankierende Maßnahmen diskutieren, die dazu geeignet sind, die Altstadt aufzuwerten.

Auch wenn das Ergebnis des Tests noch nicht feststeht - sicher ist: Die Entscheidung, die danach getroffen wird, wird für lange Zeit Bestand haben.

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