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Umsetzung oder Neupflanzung denkbar

Temmen: Mammutbaum muss weg

  • vonAlexander Wächtershäuser
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Die Stadtverwaltung fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Alle Parteien und auch die Bürger hätten wissen können oder auch müssen, dass für die Entwicklung des Bahnhofsareals auch der Mammutbaum gefällt werden muss. Ob mit der „Klarstellung“ des Rathaus-Chefs tatsächlich die Situation geklärt ist, darf bezweifelt werden.

„Eine Sünde an der Natur“ hatte die Taunus Zeitung in der vergangenen Woche getitelt und über die Aktion der Kronberger Grünen zur Rettung des Mammutbaums am Schillerweiher berichtet. Der 70 Jahre alte Baum soll, ebenso wie eine 300 Jahre alte Kastanie, für die Entwicklung des Bahnhofareals der Motorsäge zum Opfer fallen. Darauf wiederum hat die Verwaltung nun reagiert und eine – nach eigenen Worten – „Klarstellung“ verfasst.

Schließlich sieht man sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Verwaltung handele nur im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung (siehe unten), die dieses Vorgehen so beschlossen habe. Zum Beweis zitiert Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) aus der Beschlussvorlage von Januar 2014. Darin heißt es: „Aufgrund der schwierigen Topographie und der einmaligen Chance zur städtebaulichen Neuordnung wird davon abgesehen, konkreten Grünbestand zwingend zum Erhalt festzusetzen.“ In einer Anlage desselben Dokuments seien in einer kartographischen Darstellung einzelne Exemplare als „optionaler Erhalt“ bezeichnet worden. Schon damals, erinnert sich der Rathaus-Chef, habe sich, obwohl gefordert, im Parlament keine Mehrheit für eine Bestandsgarantie für den Mammutbaum gefunden.

Im Entwurf des Büros Staab Architekten für das Bahnhofsareal war keiner der Bäume für den Erhalt vorgesehen. Entsprechend fand eine Erhaltung dieser Bäume auch keinen Niederschlag im B-Plan „Bahnhofsquartier Baufeld II“. Im B-Plan habe man festgestellt, dass der im Jahr 1987 gepflanzte Mammutbaum mit einem Stammdurchmesser von 1,30 Metern zwar „aus landschaftspflegerischen Gesichtspunkten erhaltenswert“, die städtebaulichen Planungen „einen Erhalt allerdings nicht vorsehen“ können. Und weiter: „Die Belange der architektonisch-städtebaulichen Entwicklung des Planbereiches genießen hier Vorrang.“

Es sei also nicht zutreffend, konstatiert der Bürgermeister, dass ein optionaler Erhalt des Baums im B-Plan festgeschrieben sei. Durch das Beteiligungsverfahren bei der Erstellung des B-Plans wäre auch der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben worden, sich über den Umgang mit dem Grünbestand zu informieren. Die Vorwürfe an die Verwaltung liefen daher ins Leere.

Doch ein kleines Fünkchen Hoffnung gibt es noch für den Mammutbaum: Denn die Stadtverordnetenversammlung hat beschieden, dass im Rahmen der Planungen zur Baufeldvorbereitung geprüft wird, ob der Mammutbaum verpflanzt werden kann. Damit wurde einer Anregung des BUND entsprochen. Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Falls sich herausstellen sollte, dass dies nicht möglich ist, wird es eine Neupflanzung eines Baumes an anderer Stelle geben.

Finanziert werden könnte dies über die Fällgebühren. Diese werde fällig, da auf dem zu bebauenden Grundstück ein ökologischer Ausgleich nicht geschaffen werden kann. Dabei müsste es sich auch nicht um ein kleines Pflänzchen handeln, wie Temmen betonte, sondern ein Mammutbaum könnte auch als bereits größerer Baum angeschafft werden.

Dass mit dieser Klarstellung die Situation befriedet ist, ist allerdings kaum anzunehmen. Grünen-Stadtverordneter Udo Keil, der auch die Mahnwache am Mammutbaum organisiert hatte, fragte schon mal an, ob der genaue Termin für die Baumfällung bekannt sei – und erntete vom Rathaus-Chef ein knappes: „Nein, ist er nicht.“

(aw)

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