Die Stadt will auf den Eigentümer zugehen, um sich über die künftige Nutzung der Fläche auszutauschen.
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Die Stadt will auf den Eigentümer zugehen, um sich über die künftige Nutzung der Fläche auszutauschen.

Gewerbeansiedlung in Kronberg

Verfügbare Gewerbeflächen bleiben in Kronberg ein rares Gut

  • VonBoris Schöppner
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Nach dem Wegzug von Löwenstein medical gibt es in Oberhöchstadt neue Möglichkeiten, Unternehmen anzusiedeln. Die Stadt will deshalb auf den Eigentümer zugehen. Doch der Flächenmangel bliebt ein Politikum

Kronberg -An dem Tor des Grundstückes in der Niederhöchstädter Straße verrät ein Schild, dass Salvia endgültig nach Steinbach umgezogen ist. Jeder Wegzug eines Unternehmens in Kronberg ist schmerzhaft für die Gewerbesteuereinnahmen. Doch Gewerbeflächen sind ein rares Gut, weshalb die Stadt nicht alle Wünsche von Unternehmen erfüllen kann, die wachsen wollen.

"Die Abwanderung der Salvia medical GmbH war leider nicht zu verhindern. Dabei hätte die Löwenstein-Gruppe, zu der die Salvia gehört, sehr gerne am Standort Kronberg festgehalten", sagt der städtische Wirtschaftsförderer Andreas Bloching.

Nachdem das Unternehmen im Jahr 2016 der Stadt seinen Neubaubedarf angemeldet habe, seien Gespräche aufgenommen worden, um gemeinsam nach einer passenden Fläche im Stadtgebiet zu suchen. Bloching: "Trotz intensiver Bemühungen konnte keine passende Liegenschaft gefunden werden, da es in Kronberg schlichtweg an freien verfügbaren Gewerbeflächen fehlt."

Der Erwerb der angemieteten Bestandsfläche durch die Löwenstein-Gruppe vom privaten Eigentümer, nebst Abriss und Neubau, erwies sich laut Bloching als "nicht darstellbar". Auch Gespräche über eine mögliche Verwendung der vorgelagerten Fläche am Campus Kronberg seien seinerzeit ohne Erfolg verlaufen. Die Stadt hält diese Fläche als Erbpachtnehmerin und nutzt sie schwerpunktmäßig als P + R-Platz für die S-Bahnstation Kronberg-Süd. "Diese Überlegung wurde letztlich nicht weiter verfolgt, da einerseits die Priorität der Löwenstein-Gruppe klar auf Flächenerwerb lag, andererseits die Stadt dann auch eine Lösung für den dortigen P + R-Betrieb hätte finden müssen", erinnert sich der Wirtschaftsförderer. In Steinbach konnte die Löwenstein-Gruppe schließlich ein passendes Grundstück für einen Neubau erwerben und teilte der Stadt Kronberg Ende 2018 ihre Entscheidung über die neue Standortwahl mit.

Für Bloching steht fest: "Diese Entwicklung zeigt beispielhaft, dass Bestandsunternehmen, die sich verändern wollen und dies nicht an ihrem bisherigen Standort können, nur dann weiter an Kronberg gebunden werden können, wenn die Stadt auch entsprechende Flächen anbieten kann. Um Abwanderung zu verhindern, ist die Schaffung neuer Gewerbeflächen und damit entsprechender Reserven für den Fall der Fälle zwingend geboten, um handlungsfähig zu sein."

Die Knappheit an gewerblichen Flächen ist schon lange ein Thema bei Politik und Verwaltung. Noch unter Erstem Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) war unter anderem eine Aufwertungsoffensive für das Gewerbegebiet Oberhöchstadt Süd ins Auge gefasst worden. "Die Entwicklung im Bestand ist maßgeblich davon abhängig, welche Vorstellungen die jeweiligen Flächeneigentümer haben. Hier liegt es im städtischen Interesse, die Potenziale besser zu nutzen, indem Bestandsflächen durch Modernisierung beziehungsweise Abriss und Neubau eine Aufwertung und zeitgemäße und möglichst optimale Nutzung erfahren", sagt Bloching.

Bei der Entwicklung möglicher neuer Gewerbeflächen verfolge die Stadt bei der Novellierung der Regionalen Flächennutzungsplans die Ausweisung eines Bereichs in Oberhöchstadt Süd. Ein Bereich südlich der Niederhöchstädter Straße wurde bereits im 2017 veröffentlichten Statusbericht des Stadtentwicklungskonzepts als Potenzialfläche aufgezeigt.

Neue Gewerbeflächen sollen etwa für ein "Handwerkerdorf", bei dem sich mehrere Betriebe Einfahrt, Parkplätze und Infrastruktur teilen, geschaffen werden. Der Vorschlag kam von der CDU. Die SPD schlug dafür kürzlich ein Areal am Kronberger Hang vor.

Für Kristina Fröhlich, Fraktionschefin der FDP, steht fest: Es braucht kreative Ansätze, um entsprechende Flächen zu suchen oder durch Zusammenlegung zu schaffen (etwa rund um den Bauhof in der Westerbachstraße.

Die Liberalen haben bislang vorgeschlagen - um die Versiegelung weiterer Flächen zu vermeiden -, mit Unternehmen ins Gesprächs zu kommen, ob nicht brachliegende Parkplatzflächen in Gewerbeflächen umgewandelt werden könnten.

Zudem brachte die FDP die Idee eines Flächentauschs mit Eschborn ins Gespräch: das Areal an der Eschborner Straße zwischen dem Autohaus Jaguar der S-Bahnstrecke soll gegen die die Verkaufsfläche für italienische Garten-Statuen an der Abzweigung nach Niederhöchstadt, die zu Kronberg gehört, getauscht werden. Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) berichtete in der letzten Parlamentssitzung 2021, dass die Gespräche zwischen Kronberg und Eschborn wieder aufgenommen worden seien.

Doch alle Lösungen, die einen Bebauungsplan benötigen, haben einen Vorlauf von mindestens fünf Jahren. Schnellere Ergebnisse gibt es laut Bloching nur im Bestand. Die Stadt werde also auch im Falle der Liegenschaft in der Niederhöchstädter Straße auf den Eigentümer zugehen und die jeweiligen Vorstellungen und Wünsche erörtern - Ausgang offen. Von Boris Schöppner

Löwenstein Medical hat im November Oberhöchstadt in Richtung Steinbach verlassen.

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