Vertonung voll innerer Leuchtkraft

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Lateinische Gesänge zum Gründonnerstag rückte das Konzert des Kammerchors „St. Johann vocal“ in den Mittelpunkt. Ein aufschlussreicher Abend unter Kantor Bernhard Zosels versierter Leitung.

Ganz bei sich selbst sind beide Komponisten in diesen nicht allzu großen Chorstücken. Das 1937 entstandene „O sacrum convivium“ (O heiliges Gastmahl) gewährt ebenso weiten Blick auf die Tiefe des katholischen Glaubens bei Olivier Messiaen wie Anton Bruckners „Pange lingua“ (Preise, Zunge, das Geheimnis) aus dem Jahr 1868. Darin lassen sich harmonische Feinheiten besichtigen, der meisterliche Umgang mit der alten phrygischen Kirchentonart. Der Architekt gewaltiger sinfonischer Kathedralen zeigt sich ungemein beredt im Detail.

Dass der Kammerchor „St. Johann vocal“ unter seinem Dirigenten Bernhard Zosel viel Sorgfalt auf diesen Aspekt sowie die genaue Stimmführung und Textdarstellung verwandt hatte, machte der Eröffnungsvortrag des Konzerts zum Gründonnerstag deutlich. In dessen Zentrum rückte das Ensemble zwei lateinische Texte des Mittelalters, die über das letzte Abendmahl und das Eucharistiesakrament reflektieren. Messiaens Vertonung besaß ebenso gleichsam innere Leuchtkraft, die die gesamte Johanniskirche ausfüllte. Ansprechend gelang der älteste Beitrag der Werkfolge, das um 1500 entstandene „Credo“ der „Missa Pange Lingua“ von Josquin Desprez. Das Klangbild homogenisierte sich zusehends in Richtung auf die Verschmelzung zu einer Stimme, der Vortrag gewann an Spannkraft und Beweglichkeit. Schwächer auch in der stimmlichen Darstellung wirkte dagegen Gesualdos fragmentarische Motette des „Convivium“ mit einer von Zosel rekonstruierten Bassstimme. Gleichwohl ein interessantes Experiment. Die Bausteine der Sarabande aus Johann Sebastian Bachs fünfter Cellosuite c-Moll BWV 1011 zeigte in farbig dichtem Vortrag Ralph Sabow auf. Phrase für Phrase fügte der vorzügliche Fagottist des hr-Sinfonieorchesters zu logischem Ganzen. Unangestrengt, gleichwohl präzise in der Aussage gelang die erste Sonate Giovanni Antonio Bertolis aus dem Jahr 1645. Hier nahmen besonders die quirlig virtuosen Abschnitte für sich ein. Sabow und Zosel bildeten ein aufmerksam interagierendes Duo. Schön ungesetzt schienen sowohl die schwermütige Empfindung des „Triste“ als auch das lebendig durchpulste Allegro aus Georg Philipp Telemanns Sonate f-Moll. Reizvoll erwiesen sich außerdem je eine Aria von Alexandre Tansman und Gordon Jacob.

Von der Empore aus erklang zum Abschluss Zoltan Kodalys „Pange lingua“, an der Orgel begleitet von Lars-Simon Sokola. Das erweiterte Klang- und Farbspektrum kam im Dienst der Aussage gut zur Geltung. Ein exzellent gesetzter Abschluss.

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