Auf den ersten Blick mag es nach Desinteresse aussehen. Doch Corona verhindert, dass mehr Leute gleichzeitig mit den Kandidaten für die Bürgermeisterwahl sprechen können. Das "Speeddating" sollte wenigstens etwas persönlichen Austausch ermöglichen.
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Auf den ersten Blick mag es nach Desinteresse aussehen. Doch Corona verhindert, dass mehr Leute gleichzeitig mit den Kandidaten für die Bürgermeisterwahl sprechen können. Das "Speeddating" sollte wenigstens etwas persönlichen Austausch ermöglichen.

Bürgermeisterwahl

Viel Raum, aber wenig Zeit für Gespräche beim ersten Kronberger "Speeddating"

  • vonAlexander Schneider
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Neues Format mit den drei Bürgermeisterkandidaten wird von Bürgern und Politikern gut angenommen

Kronberg -Bei der Anbahnung privater Partnerschaften ist es von Vorteil, wenn beide sich schon eine Zeit lang kennen, bevor es zum Treueschwur kommt. Schließlich mag man weder Katze noch Kater im Sack kaufen. Ein Mittel, die beiderseitige Kompatibilität frühzeitig zu prüfen, ist das "Speeddating", eine Art "Reise nach Jerusalem" bei gleichbleibender Anzahl der Sitzgelegenheiten.

Jeder hat vier Minuten, seine Fragen loszuwerden (und Antwort zu bekommen), dann kommt der Gong und es wird einen Platz weiter gerutscht. Nicht umsonst heißt es ja auch: Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Nun ist "ewig" ganz schön lang. Beim ersten Kronberger Speeddating am Samstag im Raum Feldberg der Stadthalle, bei dem sich die drei Bürgermeisterkandidaten Kristina Fröhlich (FDP), Andreas Becker (CDU) und Christoph König (SPD) in dieser Weise mit Corona-Abstand der öffentlichen Befragung aussetzten, ging es auch nur um sechs Jahre, eine Zeitspanne, die viele private Verbandelungen gar nicht erreichen. Im öffentlichen Leben ist vorzeitige Trennung aber (so gut wie) ausgeschlossen - gewählt ist gewählt. Insofern war die Idee der liberalen Kandidatin, trotz Pandemie etwas individuelle Nähe zwischen Wählern und zu Wählenden herzustellen, eine gute. Gut auch: Während bei den sonst üblichen Publikumsdebatten zu Beginn der Fragerunde von den Moderatoren meist mit dem Bemerken "nicht alle auf einmal . . ." zum Mikrofon gebeten wird, dann aber doch nur die reden, die immer reden, weil die anderen sich nicht trauen, hat das Speeddating eine gewisse Vertraulichkeit, ganz ohne Mikrofonangst.

Im Foyer musste man sich anmelden und registrieren, um dann jeweils zu dritt in den Saal gerufen zu werden. Jeder setzte sich zu einem der drei wartenden Kandidaten, teils mit Spickzettel, oft aber auch freihändig. Festgestellt wurde dann zu beiden Seiten der Tische, dass vier Minuten ganz schön kurz sind, die einen hätten gerne mehr gefragt, die anderen gerne mehr geantwortet. Für Small Talk war keine Zeit: Wenn Edmund Baidinger zum Glöckchen griff, musste einen Kandidat weiter gerutscht werden. Eine Minute war Luft, Zeit den Tisch zu desinfizieren.

Wartezeiten im Foyer

Das Prinzip erschloss sich vielen Gästen nicht auf Anhieb, manch einer meinte, er könne seine 15 Minuten auch bei einem Kandidaten verplaudern. Dass das den Zeitplan ins Wanken brachte und für Wartezeiten draußen auf dem Flur sorgte, war kein Wunder. Aber auch kein Problem, denn so gab es draußen Diskussion unter den Gästen, die auch schon Erkenntnisgewinn brachte.

Es gab zwei Strategien: Eine Frage an alle drei, oder drei Fragen, je nach Kandidat. Der eine oder andere stellte sich auch zweimal an . . .

Hilde Reinhold hatte ein Problem, den Straßenbeitrag in der Westerbachstraße. Sie wohnt da und fühlt sich ungerecht behandelt, sie erwarte einem Beitragsbescheid über viele Tausend Euro. Klaus-Peter Remus aus Schönberg hatte keine konkreten Fragen, er wollte von den drei Kandidaten einfach wissen, wo sie für den Fall einer Wahl ihre Schwerpunkte setzen werden.

Dem Ehepaar Kropp wiederum ging es um Schönberg. Es fehlt bekanntlich ein Ortskern, aber auch Bäcker und Metzger vermissen sie. Hier gebe es Potenzial für den Verein "Schönberg lebt". Bernd Strehler aus Oberhöchstadt hatte gleich einen kompletten, die vier Minuten natürlich sprengenden Hefter in dreifacher Ausfertigung dabei, darin Vorschläge zur Verbesserung des Verkehrsflusses, etwa eine Bedarfsampel in der Frankfurter Straße in Höhe Penny-Markt, eine plausible Vorfahrtsbeschilderung am Schillerweiher und an der Metzgerei Klein in Oberhöchstadt.

Und die Kandidaten? Christoph König: "Vier Minuten sind zu kurz." Die Bandbreite der Fragen vom ÖPNV, über das Rad- und Fußwegenetz bis hin zu Öko-Themen zeige ein qualifiziertes Interesse der Bürger, "einer sagte, die Straßenlampen seien zu hell, schlecht für die Insekten". Kristina Fröhlich hatte die Idee fürs Speeddaten, meinte aber auch, dass vier Minuten zu kurz seien. Der persönliche Kontakt sei den Bürgern offenbar wichtig.

Andreas Becker fand das neue Format ebenfalls sehr gut, bezeichnete es als "eine nette Idee", bei der ein bunter Strauß von Problemen und Wünschen vorgebracht werden könne. So seien seinen Gästen der Rote Hang, der ÖPNV, aber auch Opel-Zoo und Philosophenweg wichtig.

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