Mitglieder des Vereins Heckstadt pflegen die Grünfläche am Regenüberlaufbecken an der Altkönigstraße.
+
Mitglieder des Vereins Heckstadt pflegen die Grünfläche am Regenüberlaufbecken an der Altkönigstraße.

Naturschutz

Voller Einsatz für die Artenvielfalt in Kronberg

  • VonBoris Schöppner
    schließen

Das Umweltreferat stellt Fortschritte bei der Stadtbegrünung vor und will die Bürger mitnehmen

Tue Gutes und spreche darüber - das hatte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt in der Vergangenheit vom Umweltreferat gewünscht. Und aus diesem Grund referierte dessen Leiterin Yvonne Richter in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses über Erreichtes und Geplantes in Sachen Stadtgrün und Artenvielfalt. Nach dem Motto "jeder Quadratmeter zählt" stellte sie verschiedene Aktivitäten vor, mit denen die Stadt Flächen ökologisch aufgewertet hat, um vor allem Insekten neue Lebensräume zu schaffen. So wurden in der Ballenstädter Straße, auf dem Friedhof Thalerfeld, auf dem Areal des ehemaligen Grillplatzes im Kronthal (Quellenpark) und in der Schmiedeberger Straße insgesamt 1160 Quadratmeter zu Blühwiesen oder es wurden dort Maßnahmen zur "Artenanreicherung" eingeleitet.

Auf 450 Quadratmetern im Victoriapark werden im Wechsel Altgrasstreifen stehen gelassen, um Insekten die Chance zum Überwintern zu geben. Im Randbereich des Funktionsgebäudes der Altkönigschule wurde zudem "mit einfachen Mitteln" ein Beitrag zur Strukturvielfalt (unter anderem durch Kalkschotter und Kompost sowie mit Holz zur Abgrenzung) geleistet. 200 Quadratmeter wurden dort umgestaltet. Und auf 120 Quadratmetern ist im Randgebiet der Schillergärten ein neuer Blumenkräutergarten entstanden, der nicht nur hübsch anzusehen sein soll, sondern auch unter ökologischen Gesichtspunkten etwas hermacht.

Die größte Fläche, 2200 Quadratmeter, stellt jedoch der Spielraum Friedensstraße dar, auf der unterschiedliche Lebensräume für Insekten und andere Tiere entstanden sind: Stauden, Wiesen, Blumenschotterwiesen, liegendes und stehendes Totholz. Dort finden sich 95 Wildstaudenarten und eine "Nasch-Ecke", auf der Kinder eingeladen sind, Johannis- und Erdbeeren zu probieren. Auf die nächste Generation zielt auch die Aktion im Eingangsbereich der Kita "Pusteblume", wo ein Wildstaudenbeet angelegt wurde. Zwar misst die Fläche nur überschaubare 40 Quadratmeter, doch ist dieses Grundstück dank der möglichen Einbeziehung der Kinder, der Eltern und der Erzieher ideal zur Wissensvermittlung.

Und genau diese soll in Zukunft im Mittelpunkt stehen. Richter: "In den ersten zwei bis drei Jahren sind Begleitung und Pflege wichtig." Dann habe sich der Pflanzenmix etwa bei einem Blühstreifen stabilisiert. Die Aufklärung wird 2022 eine große Rolle spielen: Das Umweltamt plant eine Weiterentwicklung seiner Homepage, die Schulung der eigenen Gärtner, das Aufstellen weiterer Infotafeln, eine Vortragsreihe (die ursprünglich 2020 starten sollte, aber unter anderem wegen Corona verschoben wurde) und den Druck sowie die Verteilung eigener Flyer durch die städtischen Gärtner, die ihr Tun (und Lassen) mitunter aufgebrachten Bürgern erklären müssen.

KfB: Wie viel Grün

wird zerstört?

Zudem sind für das kommende Jahr die Erstellung einer Beschlussvorlage für die städtischen Gremien gegen Schotterflächen, ein Konzept zum Umgang mit dem Herbstlaub und die Sanierung des Spielplatzes am Roten Hang geplant. Ferner soll ein "Insektenbündnis" zum Engagement für mehr Biodiversität kommen.

Kronberg hat für seinen Einsatz das Qualitätslabel "StadtGrün naturnah" in Gold erhalten. Ausschussvorsitzender Udo Keil (Grüne) sah deshalb die Stadt auf einem "sehr guten Weg".

Alles prima, also? Nicht ganz! Das findet zumindest Detlef Tinzmann von der KfB. Der wollte nämlich wissen, wie viel Grün durch Baumaßnahmen in der Stadt verloren geht oder beschädigt wird und führte exemplarisch den Umgang an der Baustelle am ehemaligen Nassauer Hof an, wo alte Kastanienbäume in Mitleidschaft gezogen worden seien. Boris Schöppner

Heckstädter als Heckenschützer

Oberhöchstadt -Einen Verbündeten beim Einsatz für mehr Artenvielfalt hat das Umweltreferat im Verein Heckstadt gefunden. Kassierin Brigitte Alsheimer erinnert in einer Pressemitteilung daran, dass bereits 2013 der damalige Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) dem Verein Heckstadt Freunde Oberhöchstadts die Patenschaftsurkunde zur "Pflege einer Grünfläche" überreicht hatte - und zwar für die städtischen Grünfläche an der Ecke Schönberger Straße / Altkönigstraße". Ursprünglich galt es, dort die Zierbeete, also die Stauden und Rosen innerhalb der Grünfläche zu erhalten. "Nach dem Bau des Regenrückhaltebeckens blieb die Grünfläche zwischen Schönberger Straße und Altkönigstraße jedoch in einem eher trostlosen Zustand zurück. Das hat sich nun nach und nach geändert", hält Alsheimer fest.

Im April 2019 haben fünf Mitglieder von Heckstadt unter der fachlichen Leitung und mit tatkräftiger Unterstützung der Leiterin des Fachreferats Umwelt, Yvonne Richter, im oberen Bereich der Fläche eine naturnahe Blühhecke angelegt. Es wurden 35 Heckenpflanzen gesetzt, deren Beschaffungskosten Heckstadt übernahm. Unter anderem wurden Kornelkirsche, Wilde Rote Johannisbeeren und Essig-Rosen gepflanzt. Auswahlkriterium war neben der Standortverträglichkeit ihre Relevanz als Lebensraum für Insekten und Vögel.

Wie auch in den Vorjahren traf man sich, um das Projekt voranzutreiben. "Am oberen Beet, zur Grundstücksgrenze bleibt der Aufwuchs über den Winter erhalten", so Vorsitzende Gabi Holler. "Dadurch können Samen reifen, die Pflanzen säen aus, sie bieten Schutz sowie Nahrung für Insekten und Vögel. Die kleinere Fläche zur Altkönigstraße wurde in diesem Jahr zurückgeschnitten, die nicht gewünschten Kräuter und Gräser entfernt - ebenso die auf die Wege hängenden Pflanzen. Auch das Beikraut wurde aus den Rasengittersteinen des Parkplatzes beseitigt.

Wer sich über die Aktivitäten des Oberhöchstädter Vereins informieren möchte, der kann das auf der neu gestalteten Homepage unter www.heckstadt.de tun. Dort kann man sogar online Mitglied werden. öp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare