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Heiko Fischer, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, auf der Erlebnis-Obstwiese. So ein Apfeljahr hat er noch nicht erlebt.

Apfelmarkt

Warum die Kronberger Äpfel dieses Jahr früher reif und schneller faul sind

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Der Kronberger Apfelmarkt steht dieses Mal unter besonderen Vorzeichen. Nicht nur weil er bereits zum 30. Mal stattfindet. Im Rekordjahr 2018 haben die Wetterkapriolen ihre unübersehbaren Spuren auf den Streuobstwiesen hinterlassen.

Kaiser-Wilhelm bietet einen traurigen Anblick, wie er so am frühen Morgen dasteht in einer Ecke der Wiese und umgeben ist von zahlreichen heruntergefallenen roten und fauligen Früchten. Heiko Fischer hebt eine der roten Früchte unter dem Baum auf und zeigt auf einen großen braunen Fleck, der die Schale der alten Apfelsorte Kaiser-Wilhelm verunstaltet. „Das ist durch die Hitze und die Sonne gekommen“, sagt der Vorsitzende und Baumwart für Obstgehölze des Obst- und Gartenbauvereins Kronberg (OGV). Viele Früchte seien zudem vom Apfelwickler befallen.

Schauplatz des Geschehens ist die Kronberger Erlebnis-Obstwiese. Auf dem 3000 Quadratmeter großen Areal oberhalb des Kronthal Stifts bewirtschaftet der OGV zwischen 30 und 40 Bäume, die meisten davon Apfelbäume, und zwar lokale hessische Sorten. Dazwischen finden sich Birnen, Mirabellen und sogar eine Mispel. Es ist eine von drei Standorten, die der Verein betreut.

„Die Wetterkapriolen haben in verschiedenen Regionen nur zu einer mittleren bis geringen Ernte geführt“, charakterisiert der OGV das Erntejahr 2018. „Vor der Blütezeit war es lange viel zu kalt. Und als es dann sehr warm wurde, blühten alle Obstarten gleichzeitig relativ kurz, und die Bienen konnten nur einen Teil der Blüten befruchten.“ Zwar gab es nicht so viele Frostspanner wie in anderen Jahren, dafür war aber die Population der sogenannten Apfelbaumgespinstmotte so stark, dass an vielen Apfelbäumen alle Blätter und Blütenknospen abgefressen wurden. Und als ob das nicht genügt hätte, kam später noch mit dem Apfelwickler ein weiterer Schädling hinzu. „Die Population war extrem hoch“, sagt Fischer. Bis zu drei Generationen habe es gegeben, sagt Fischer. Als Kind habe er nur eine Generation erlebt. „Das hängt mit dem Klimawandel zusammen“, ist der OGV-Chef überzeugt.

Fehlt noch das laut Fischer dritte Manko im Jahr 2018, sprich die extreme Trockenheit und die Hitze, die in Kombination mit den Schädlingen massive Folgen hatte und hat. Bis zu 50 Prozent der Früchte seien viel zu früh auf den Boden gefallen verdorben, konstatiert Heiko Fischer mit Blick auf die vielen Bäume auf der Erlebnis-Obstwiese, die gar keine oder nur noch wenige Früchte tragen. Beim Kaiser-Wilhelm-Apfel beispielsweise hingen lediglich noch etwa zehn Prozent der Äpfel am Baum, rechnet er vor.

Das sind aber immer noch nicht alle Folgen des Rekordjahrs. Das extreme Wetter führte dazu, dass sich Obstreife und Ernte nach vorne geschoben hat. „Alles war vier Wochen früher“, sagt Fischer. Eine Tendenz, die sich seit drei bis vier Jahren abzeichne. Zunächst habe es sich nur um eine Woche gehandelt, jetzt sei man bei vier angelangt. Fischer verweist auf den Gelben Edelapfel, ebenfalls eine alte Sorte. „Den haben wir als ersten im August geerntet, das gab’s noch nie.“

Das alles wird auch am diesjährigen Apfelmarkt nicht spurlos vorbeigehen. Er wisse zwar noch nicht, welche Mengen der Verein dieses Jahr ernten könne, sagt Fischer. „Es wird wohl weniger Äpfel zu kaufen geben“, glaubt er.

Dennoch hofft Yvonne Richter, Leiterin des Kronberger Umweltreferats, dass es auf dem diesjährigen Markt ein großes Angebot gibt. Schließlich laute das Motto „30 Sorten für 30 Jahre“, bezogen auf die 30. Auflage der Veranstaltung. Um dieses selbstgesteckte Ziel zu erreichen, sei man gerade dabei, Äpfel zu organisieren, vor allem spezielle lokale Sorten.

Auf dem Apfelmarkt werden die Besucher aber bereits in diesem Jahr mit den Veränderungen in der Natur konfrontiert werden. Die Früchte sind teilweise kleiner. Auch das Aroma könnte gelitten haben, meint Heiko Fischer vom OGV. Seine zentrale Erkenntnis des Apfeljahrs 2018: „Ich habe das noch nie so erlebt.“

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