Weinlese-Rekord im Rathausgarten

Viel Sonne und Regen zum richtigen Zeitpunkt bescherten dem Weinberg-Team des Altstadtkreises eine Rekordernte. Dabei worden gleich zwei „Schallmauern“ durchbrochen.

Es ist der Höhepunkt im Jahreszyklus der Hobbywinzer vom Altstadtkreis: die Weinlese. Sie krönt die Anstrengungen des gesamten Jahres, zu denen das Umgraben, Rebenschneiden, Lenken und Spritzen sowie das Rasenmähen zählen.

Bei der kürzlich erfolgten Lese gab es nur strahlende Gesichter – die Ernte-Mannschaft war so schnell fertig wie noch nie. Nach einer Stunde war die Arbeit erledigt, denn die sieben Freiwilligen brauchten diesmal keine Trauben auszusortieren. Damit die Trauben auch alle in die Bottiche passten, mussten sie zusammengepresst werden – das erste Mal in 18 Jahren.

Zum Jahrtausendwechsel hatte der Aktionskreis Lebenswerte Altstadt Kronberg, kurz Altstadtkreis, mit 59 Rebstöcken der Rotweinsorte „Regent“ im Rathausgarten die 250 Jahre unterbrochene Weinbautradition in Kronberg wiederbelebt. Das Weinberg-Team des Altstadtkreises arbeitete seither jedes Jahr mit gleicher Intensität rund um die Weinstöcke, hatte aber zur Lesezeit im Herbst recht unterschiedliche Ergebnisse.

„Die Traubensaftmenge schwankte zwischen 30 und 170 Liter, und der Zuckergehalt betrug zwischen 63 und 98 Grad Oechsle“, erinnert sich Manfred Bremen, der Leiter des -Weinberg-Teams. „Frostnächte in der Blütezeit, Mehltau und Traubenfäule bereiteten jedes Jahr große Sorgen und es waren Lesen dabei, da lagen mehr aussortierte Trauben am Boden, als gesunde in den Erntebottichen.“

In diesem Jahr lief es für die Kronberger Winzer gut; Seit der Frühjahrssonne wurde das Wachsen der Reben mit steigendem Optimismus beobachtet. Während der Sommerhitze erwachte dann die Sorge, ob die Trauben die Dürrezeit überstehen.

Die bereits vorgesehene Bewässerung der Rebstöcke wurde wegen der städtischen Aufforderung Wasser zu sparen, abgesagt. Die Trauben sahen gesund aus, aber es schien der Saft nachzulassen.

„Was dem diesjährigen Apfelmarkt in der Altstadt ein frühes Ende bereitete, tat den Trauben im Rathausgarten gut: Die Regenmassen haben die Trauben nochmals einen kräftigen Schluck nehmen lassen“, schildert Bremen.

Nach nur einer Stunde Lese-Zeit haben die Altstadt-Winzer mit einem Glas Roten Regenten genommen.

Doch die größte Freude hatten sie nach dem Entrappen ihrer Trauben beim Winzerfreund Helmut Schmitt in Guldental, der für 205 Liter Traubensaft exakt 102 Grad Oechsle im Becherglas feststellte. „Zum ersten Mal haben wir gleich zwei ,Schallmauern‘ durchbrochen“, kommentiert Bremen das Rekordergebnis bei Menge und Oechsle-Gehalt,

Mit diesen Ausgangsdaten reift nun ein besonderer Qualitätsjahrgang im Guldentaler Weinkeller, der nicht verkauft, sondern von Bürgermeister und Altstadtkreis bei ausgesuchten Gelegenheiten verschenkt wird.

„Bei jedem leckeren Glas Wein habe ich inzwischen auch großen Respekt vor der Leistung und der Risikobereitschaft der Winzer – hängt deren finanzielles Leben doch von den Launen der Natur ab!“, resümiert Bremen über die Untiefen des Berufs des Weinbauers. Er heißt jeden in dem Team willkommen, der Spaß an der Arbeit unter freien Himmel hat. Zu tun gibt es in Sachenpflege des Weinberges das gesamte Jahr über. In zwei Jahren, wenn er 80 wird, möchte er sich aus dem Freizeit-Weinbau zurückziehen.

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