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Wenn zum Feuer noch die Hitze kommt

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Von: Boris Schöppner

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Die schwere Einsatzkleidung schützt, aber sie führt auch schnell zu einem Hitzestau.
Die schwere Einsatzkleidung schützt, aber sie führt auch schnell zu einem Hitzestau. © Feuerwehr Kronberg

Wie die Brandschützer mit extremen Temperaturen umgehen. Bei Wald- oder Flächenbränden kann leichtere Schutzkleidung getragen werden. Und bei Gebäudebränden?

Kronberg - Bei großer Hitze bleibt man am besten in gekühlten Räumen und vermeidet schwere körperliche Arbeit. Wer vor die Tür geht, der sucht sich im Idealfall ein schattiges Plätzchen, und hofft auf eine frische Brise. Doch längst nicht alle Menschen können ihre körperlichen Aktivitäten einschränken - Feuerwehrleute im Einsatz schon gar nicht. Dass sie mitunter an die Belastungsgrenze kommen, hat am Montag ein Feuer in Kronberg gezeigt. Bei einem Dachstuhlbrand hatten fünf Einsatzkräfte Kreislaufprobleme und mussten vom DRK behandelt werden. Unsere Zeitung wollte wissen, wie die ehrenamtlichen Helfer darauf vorbereitet sind und fragte bei der Leitstelle nach.

"Brandeinsätze sind stets körperlich anstrengend, nicht nur aufgrund der Hitze des Feuers, sondern auch wegen der schweren Ausrüstung. Kommen dann noch schwierige Klimabedingungen wie große Hitze und Schwüle hinzu, kann es mitunter zu Kreislaufproblemen bei einzelnen Einsatzkräften kommen", heißt es seitens der Leitstelle.

Immerhin: Keiner der Feuerwehrleute musste ins Krankenhaus, die Behandlung erfolgte am Einsatzort. "Die Einsatzkräfte sind geschult, auf ihre Eigensicherung zu achten, so dass sie sich bei ersten Anzeichen von körperlichen Problemen sofort an den Rettungsdienst wenden können, der bei solchen Einsätzen stets mitalarmiert ist und in Bereitschaft steht", erklärt die Leitstelle.

Darüber hinaus würden die Einsatzkräfte mit ausreichend Getränken versorgt. "Alle Einsatzkräfte müssen zudem einen Gesundheits- und Fitnesscheck machen, so dass sichergestellt ist, dass sie in der Regel in der Lage sind, solche Einsätze körperlich unversehrt durchzustehen."

Kronbergs Stadtbrandinspektor Thorsten Nuhn weiß, dass Feuerwehren bundesweit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen. Vor einiger Zeit habe es auch in Kronberg schon einen anderen Einsatz gegeben, der bei Kameraden Kreislaufprobleme verursacht habe. Am Montag in der Parkstraße war es die hohe Sommertemperatur, die schwere Einsatzbekleidung mit Atemschutzgerät sowie die harte körperliche Arbeit auf engstem Raum. So mussten bei der Suche nach dem Brandherd eine Lüftungsanlage im Spitzbogen demontiert und Balken mit der Rettungssäge zertrennt werden. Dabei sei der Einsatzort stark verraucht gewesen. Die Dachhaut wollten die Wehrleute anfangs nicht zerstören, um den Schaden gering zu halten.

Weitere Wehren alarmiert

Lage und Einsatzverlauf schildert Nuhn als sehr dynamisch. Da von Beginn an verschiedene Notrufe eingegangen waren, sei er sehr früh von einem größeren Brand ausgegangen, so dass gleich die Freiwillige Feuerwehr Oberhöchstadt mitalarmiert wurde. Später kamen die Wehren aus Königstein und Falkenstein dazu, als sich abzeichnete, dass der Einsatz noch länger dauerte auch die Wehr aus Stierstadt.

"Einer der Einsatzschwerpunkte war es, sich um das eigene Personal zu kümmern", sagt Nuhn. Wer Kreislaufprobleme hatte zog die Jacke aus, trank oder aß ein Wassereis, das die Helfer des DRK verteilten. Auch die Feuerwehrleute, die akut nicht mitanpacken mussten, sollten trinken und im Schatten warten.

Nur der Einsatz von mehr Personal und schnellerer Austausch helfe im Falle eine Gebäudebrandes. "Ein große Lösung gibt es da nicht", ist der Stadtbrandinspektor sicher. Bei Wald- oder Flächenbränden sehe es anders aus, da könne leichtere Einsatzkleidung getragen werden.

Das sieht auch die Leitstelle so: Die normale Schutzkleidung sei in der Lage mehr als 1000 Grad Stand zu halten. "Dies führt aber auch dazu, dass es innerhalb kürzester Zeit zu einem Hitzestau kommen kann. Damit solche Probleme vermieden werden können, werden Vegetationsbrände meist im leichten Feuerwehr-Schutzanzug gelöscht."

Zum Rauch und den hohen Temperaturen kommt als Belastungsfaktor die schwere körperliche Arbeit.
Zum Rauch und den hohen Temperaturen kommt als Belastungsfaktor die schwere körperliche Arbeit. © Feuerwehr Kronberg
Im Einsatz: der neue Gerätewagen Atemschutz der Feuerwehr Kronberg.
Im Einsatz: der neue Gerätewagen Atemschutz der Feuerwehr Kronberg. © Feuerwehr Kronberg

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