Sommerserie

Im Zuge der Schlacht von Cronberg sollen Söldner die Rinden der Esskastanien geschält haben

Heute folgt der zweite Teil der Sommerserie anlässlich der Wahl der Esskastanie zum Baum des Jahres 2018. Das Thema: Die Esskastanie in Kronberg vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert.

In der Burgstadt ist noch immer die Schlacht von Kronberg im Jahr 1389 unvergessen. Damals besiegten die Kronberger mit ihren Verbündeten die Frankfurter „Pfeffersäcke“ auf dem Streitplacken bei Eschborn. Allein über 70 000 Gulden Lösegeld kassierten die Sieger für die Auslösung der Gefangenen.

Vorausgegangen waren der Auseinandersetzung gegenseitige Fehdeaktionen. Hartnäckig hält sich die Behauptung, dass die Frankfurter dabei auf Kronberger Gemarkung Esskastanienbäume geschält hätten, damit diese eingingen. Historische Quellen berichten jedoch lediglich, dass Bäume mutwillig beschädigt wurden. Ob es sich dabei wirklich um Esskastanien handelte, ist somit reine Spekulation.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1522 ist hingegen festgehalten, dass bei der Belagerung Kronbergs durch Landgraf Philipp den Großmütigen eine Schanze „by dem großen Kestenbaum“ gebaut wurde.

In den folgenden Jahrhunderten werden die Esskastanienhaine um Kronberg und Mammolshain immer wieder als botanische Besonderheit erwähnt. Im Jahr 1697 hält Johann Winkelmann in seinem Werk „Gründliche und wahrhafte Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld“ fest: „Cronberg oder Cronenberg ist ein feines mit doppelten Mauern umgebenes Stättlein unter dem hohen Gebürge zwo Meilen von Frankfurt in einer schönen und fruchtbaren Gegend, als darin viele Garten von mancherlei köstlichen Arten Obstes, als Aepfel, Birn, Quitten, Pfersig und dergleichen; absonderlich gibt es sehr große Castanien-Bäume, deren einer bey guten Jahren viele Achteln trägt.“

Johann Riesbeck beschreibt Kronberg in seinen 1783 editierten „Briefe(n) eines reisenden Franzosen über Deutschland“ folgendermaßen: „Das kleine Städtchen Kronberg verkauft jährlich für ungefähr 8000 Gulden Obst, Obstwein, Obstessig und Kastanien, von denen es wirklich einen ganzen Wald hat und die schiffsvollweise nach Holland geführt werden.“

Nicht vergessen werden darf Pfarrer Ludwig Christ. In Kronberg kennt ihn heute noch jeder als den „Obstpfarrer“, da er sich um den hiesigen Obstbau verdient gemacht hat. In seinem 1792 editierten Werk „Von der Pflanzung und Wartung der nützlichsten Obstbäume, und ihrer besonders in Kronberg gezogenen Arten und Sorten“ befasst er sich mit der Esskastanie. Er schreibt: „Hier stehen nicht nur eine unzäliche Menge auf einer bergichten Anhöhe beisamen, die einen beträchtlichen Wald formiren, und zur Blütezeit ihren Geruch auf etliche Stundenwegs verbreiten, dabei manche von einem Alter von etlich hundert Jahren sind. […]..Der Kastanienbaum ist also hier gleichsam zu Hause, und ohne Vorurteil zu hegen, so wachsen in ganz Deutschland keine so wolschmeckenden Kastanien, als hier.“

Erwähnt werden soll zum Abschluss noch der Dichterfürst Wolfgang von Goethe, der in seiner Jugendzeit Kronberg besucht hatte, Goethe erhielt, als er in Weimar lebte, regelmäßig von seiner Mutter im Herbst Kronberger „Keste“ – wie die Früchte noch heute im Dialekt heißen – zugesandt. So betont die Mutter in einem Brief, dass sie die Früchte direkt über Pfarrer Christ bezogen hätte, da dieser aufgrund seiner Stellung in der Burgstadt an die besten herankäme.

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