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Zum Golfen in den zweiten Stock

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Von: Boris Schöppner

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Markus Krätzer will mit dem Training in der Indoor-Golf-Anlage seine Schlagtechnik verbessern.
Markus Krätzer will mit dem Training in der Indoor-Golf-Anlage seine Schlagtechnik verbessern. © Boris Schöppner

Indoor-Anlage bietet Möglichkeit, auch im Winter einzulochen.

Oberhöchstadt -Erwachsene Männer stehen in einem Raum im zweiten Stock eines Gewerbegebäudes in der Dieselstraße 4 und dreschen Bälle mit Schwung gegen eine Leinwand. Bei dem, was auf den ersten Blick ein wenig surreal anmutet, handelt es sich um Indoor-Golf. Die Männer benutzen ihre eigenen Schläger, sie wissen, wie man abschlägt und puttet. Ihren Ball legen sie auf Kunstrasen, per Kamera und Radar werden Schläger, Schlaggeschwindigkeit und -winkel erfasst und daraus berechnet, wo der Ball auf dem Platz landen würde. Auf die Leinwand können derzeit 204 internationale Golfplätze projiziert werden. „Jeden Monat kommen drei bis vier Plätze dazu“, erklärt Oliver Schneider, der die drei Boxen angeschafft hat und vermietet.

Eigentlich hatte er vorgehabt, für die Indoor-Anlage das Gebäude seines Unternehmens in der Dieselstraße aufzustocken, doch dann seien ihm die Kosten weggelaufen. Deshalb mietet er sich ein Stockwerk in der Nachbarschaft an. Rund 250 000 Euro musste er dennoch investieren - für die Technik, die Einrichtung der Lounge und den Eichenboden.

„Barkeeper statt Greenkeeper“

Das erste Mal hat Schneider, der seit gut zwölf Jahren Golf spielt, eine solche Anlage bei einem Skiurlaub in Österreich in einem Hotel gesehen. Die Idee, eine Simulationsanlage des Herstellers Track-Man in Oberhöchstadt anzubieten, sei ihm erst später gekommen.„Wir haben hier keinen Greenkeeper, sondern einen Barkeeper“, formuliert es einer der Gäste, die in der einen Box auf einem Golfplatz in der Schweiz und in der anderen auf dem Sylter Golfplatz spielen.

Markus Krätzer kommt dabei ins Schwitzen. Kein Wunder, zuvor hatte er auch noch ein Programm gewählt, mit dessen Hilfe jeder einzelne Schlag analysiert werden kann. Für ihn ist Indoor-Golf eine ideale Ergänzung zum Golfen unter freiem Himmel. Er ist wie Oliver Schneider Mitglied im Bad Homburger Golfclub. Das gilt auch für Andreas Eberhardt, der das neue Angebot in Oberhöchstadt Süd schon mehrfach genutzt hat.

Selbst Unebenheiten Kronberg werden simuliert

Seit sieben Wochen läuft die Anlage, kürzlich fand die offizielle Eröffnung statt, zu der rund 150 Leute kamen. Schneider ist mit der Resonanz zufrieden. Geld verdienen wolle er mit der Anlage nicht, wohl aber laufende Kosten und Abschreibung reinholen. Eine Box wird für 45 bis 50 Euro pro Stunde vermietet. Dort können bis zu vier Personen gegeneinander antreten. Auch für Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern können Box und Bar genutzt werden. Für Kindergeburtstage allerdings eignet sich die Anlage nicht. „Wer hier spielen will, sollte schon einmal einen Golfschläger in der Hand gehalten haben.“

Wer möchte, kann auch bei einem „Pro“ trainieren. Und wer lieber ohne Zuschauer übt, der kann in der ersten Box einfach den Vorhand zuziehen. Schneider rechnet damit, dass die Anlage vor allem im Herbst und Winter eifrig genutzt wird. Allerdings habe der Oberurseler Golfclub Skyline, der über keinen eigenen Golfplatz verfügt, seinen Stammtisch in die Lounge in der Dieselstraße verlegt.

Das Spielen in der Box sei eine stärkere Gruppenerfahrung als das Spielen auf dem Platz, erklärt Schneider. Dass man keine Bälle mehr verliert, sei ein weiterer Vorteil des virtuellen Golfspielens. Neben allerlei Gimmicks wie zuschaltbarem Meeres- und Windrauschen, Möwenschreien oder dem Geräusch, das Golfbälle machen, wenn sie über Wasserflächen geschlagen werden, kann auch Trockenheit auf den Plätzen simuliert werden. Dann ist der virtuelle Boden „härter“. Im „hohen Grass“ fliegt der Ball weniger weit, als auf dem Fairway oder dem Green. Neigung und Unebenheiten auf dem Platz werden sowohl visualisiert als auch simuliert, der Spiele bleibt jedoch immer am gleichen Punkt und schlägt in die selbe Richtung.

Je länger man zuschaut oder gar selber spielt, desto weniger surreal wirkt das Ganze. Markus Krätzer formuliert es so: „Es ist so realistisch, wie es in einer künstlichen Umgebung sein kann.“

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