Kinofilm „Die Flaschenpost-Insel“

Zwei Taunus-Jungs auf der großen Leinwand

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Für zwei Jungs aus dem Hochtaunus stehen aufregende Tage vor der Tür. „Die Flaschenpost-Insel“, ein Kinofilm für Kinder feiert Premiere – und die beiden Schüler sind darin in den männlichen Hauptrollen zu sehen.

Für zwei Minuten im Film drei Stunden drehen, fünf bis zehn Wiederholungen pro Szene – Jan Niklas Thomsen und Aurelio Pokorski wissen seit vergangenem Sommer, wie aufwendig professionelle Dreharbeiten sind, was „Continuity“ bedeutet, warum Flugzeuge über dem Drehort nervig sind und dass (Stichwort „Product Placement“) auf keinen Fall Logos am Outfit oder sonst irgendwo in der Szene zu sehen sein dürfen.

Jetzt, ein dreiviertel Jahr später, ist es endlich so weit: „Die Flaschenpost-Insel“, der 90-Minuten-Kinofilm für Kinder ab sechs Jahren, in dem die Jungs in Hauptrollen zu sehen sind, feiert am 13. April Premiere.

Dann sehen auch die beiden Schüler den Film zum ersten Mal; bislang kennen sie nur kleine Sequenzen aus dem Trailer und der Nachsynchronisation. „Schon schick“, wollen sie auf der Premiere erscheinen, schließlich wird es da einen roten Teppich, Autogrammstunde und einen Fototermin wie bei den Großen geben.

Begleitet werden Jan und Aurelio von ihren Familien, genau wie im letzten Sommer, als die Ferien für alle ganz im Zeichen des Filmprojekts standen. Zufällig waren die Schüler aus Bad Homburg und Kronberg im Frühjahr auf das Casting aufmerksam geworden. Und obwohl beide keinerlei Vorerfahrung in Sachen Schauspielerei hatten, konnten sie überzeugen und erhielten nach fünf Castingrunden mit anfangs 400 Kindern die Rollen von Paul (Jan Niklas Thomsen) und Michael (Aurelio Pokorski). Die Mädchen-Hauptrollen spielen Teanna Weiß und Jördis Richter.

Zunächst aber mussten Kinderarzt, Jugendamt und Schule ihr Einverständnis geben, und schließlich musste die Fahrt zu den Drehorten in Wiesbaden und Mainz sichergestellt sein. „Die Disposition für den nächsten Tag kam oft erst gegen Mitternacht. Das hat bei den Kindern und den Eltern ein hohes Maß an Flexibilität gefordert“, erzählt Jans Mutter Sandra Thomsen.

Sie hat im vergangenen Sommer viele, viele Stunden auf harten Hockern gesessen, das Ganze höchst interessiert verfolgt und auch viel gelernt: „,Continuity’ bedeutet, dass zum Beispiel das Wetter genau gleich sein muss wie in der Szene davor, auch wenn sie vielleicht an einem ganz anderen Tag gedreht wird.“

Und als die Familie zwischendurch ein paar Tage Urlaub gemacht hat, musste Jan ganz viel Sonnencreme auftragen, damit er danach nicht brauner vor der Kamera stand als zuvor.

Der Episodenfilm erzählt die Abenteuergeschichte von drei Kindern, die alle ihr Päckchen zu tragen haben. Später laufen die Fäden dann zu einem Strang zusammen. „Jeder muss mit etwas zurechtkommen, jeder muss seine Entwicklung durchmachen und gemeinsam kann man es schaffen“, fasst der 14-jährige Jan die Story zusammen und zitiert einen Schlüsselsatz aus seiner Rolle: „Man muss nicht immer hoch hinaus oder weit weg, um sein Glück zu finden. Meistens ist es die ganze Zeit schon bei einem.“

Den eigentlich sehr fröhlichen Aurelio erwartete in der Rolle des Michael eine besonders schwere Aufgabe. Laut Drehbuch leidet er am Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus, bei dem die Menschen nicht in der Lage sind, nichtsprachliche Signale wie Gestik, Mimik und Blickkontakte zu erkennen und auszusenden. Der 13-jährige Schüler des Taunus-Gymnasiums in Königstein hat schnell verstanden, wie er dieses Handicap darstellen kann. Regisseur Toni Kurtin und die ganze 40-köpfige Filmcrew waren von ihm ebenso „megabegeistert“ wie von den übrigen Nachwuchsdarstellern.

Auf die Premiere freuen sich die beiden, die sich vorher nicht kannten und jetzt gute Freunde sind, schon sehr. Ob sie sich allerdings vorstellen könnten, weiter zu schauspielern oder gar diesen Beruf anzustreben – da sind beide Jungs skeptisch. „Ich sehe das realistisch. Das ist ein hartes, unsicheres Brot“, sagt Aurelio, der sich genau wie Jan in den Drehpausen viel mit den erfahrenen Akteuren unterhalten hat – unter denen ist übrigens auch die Königsteinerin Margit Lieverz in der Rolle einer Lehrerin zu sehen. „Die erwachsenen Schauspieler waren toll zu uns. Sie haben immer wieder gesagt, dass wir die Hauptrollen haben und sie die Nebenrollen“, erzählt Jan.

Das Textlernen war für beide kein Problem: „Das haben wir meistens auf der Fahrt nach Wiesbaden gemacht. Außerdem wurde in meiner Rolle weniger gesprochen, mehr gedacht“, lacht der Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums.

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